Klaus Holetschek und seine Amtsvorgängerin Melanie Huml stehen hinter der Fensterscheibe eines Seniorenheims
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Amtswechsel: Klaus Holetschek löst Melanie Huml im Gesundheitsministerium ab. Bisher leitete er die Taskforce.

CSU-Politiker im Interview

Corona-Impfungen: Bayerns neuer Gesundheitsminister Holetschek gibt Versprechen

  • Katrin Woitsch
    vonKatrin Woitsch
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Klaus Holetschek ist Bayerns neuer Gesundheitsminister. Eine Aufgabe, die er mit großem Respekt beginnt sagt er. Er will die Abläufe beim Impfen beschleunigen - und es vor allem für Senioren leichter machen, einen Termin zu bekommen.

  • Klaus Holetschek wird Nachfolger von Melanie Huml als Gesundheitsminister.
  • Mitten in der Corona-Krise muss der 56-Jährige die größte Impf-Aktion aller Zeiten organisieren.
  • Hier finden Sie die Corona-News aus Bayern. Außerdem bieten wir Ihnen in einer Karte die aktuellen Fallzahlen im Freistaat.

Klaus Holetschek (56) startet mit einer einer großen Herausforderung in sein neues Amt als bayerischer Gesundheitsminister: Er muss die größte Impf-Aktion aller Zeiten organisieren. Er will die Abläufe beschleunigen und könnte sich auch Impfbusse vorstellen. Im Interview erklärt er, wie die Terminvergabe verbessert werden soll.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Impfstart in Bayern?

Wir haben in Bayern ein gutes System mit 99 Impfzentren aufgebaut. Aktuell haben wir 86 000 Menschen geimpft. Natürlich könnten es mehr sein, wenn mehr Impfstoff da wäre. Dieses Problem wird sich in den nächsten Wochen auflösen, da bin ich zuversichtlich. Wir werden bald schneller vorankommen. Es ist wichtig, dass wir Gas geben. Denn die Impfbereitschaft ist da.

Neuer Gesundheitsminister Holetscheck sicher: Corona-Impfbereitschaft wird steigen

In den Seniorenheimen war die Bereitschaft bei den Pflegekräften nicht so hoch wie erhofft...

Ich bin sicher, dass sich das steigern wird, sobald mehr Menschen geimpft sind. Ich habe viel mit den Verbänden gesprochen, auch sie sind optimistisch, dass sich noch mehr Menschen für eine Impfung entscheiden werden. Eine gute Aufklärung und Kommunikation ist jetzt sehr wichtig. Wir müssen unsere ganze Kraft da rein stecken, so viele Menschen so schnell wie möglich zu impfen.

Corona-Impfungen in Bayern: Gesundheitsminister Holetschek macht Versprechen

Einige Regionen haben Hotlines eingerichtet, die sofort überlastet waren. Fürchten Sie, dass viele aus Frust aufgeben?

Das glaube ich nicht. Ich verstehe jeden, der enttäuscht ist, wenn er in einer Warteschlange landet. Ich bitte um Verständnis dafür, dass das System gerade erst anläuft. Ich bitte aber auch darum, dass jetzt nur all jene bei den Impfhotlines anrufen, die im Rahmen der bekannten Priorisierungsgruppen auch aufgerufen sind. Insgesamt ist das eine riesige logistische Herausforderung, die wir nie üben konnten. Vieles wird sich schnell einspielen, wenn ausreichend Impfstoff vorhanden ist. Ich garantiere: Jeder, der geimpft werden will, wird geimpft werden.

Corona-Impfungen in Bayern: Gesundheitsminister Holetscheck will Vertrauen aufbauen

Wie wollen Sie die Menschen erreichen, die noch unentschlossen sind?

Es ist wichtig, Vertrauen in die Impfung aufzubauen. Da ist sachliche Aufklärung besonders wichtig. Es gibt sehr viele abenteuerliche Aussagen, die in einigen Foren kursieren. Der Bund hat bereits die Kampagne „Ärmel hoch“ gestartet. Ich bin mit vielen Ärzten im Gespräch. Ihnen vertrauen die Menschen, wenn sie die Impfung empfehlen.

Bei entsprechend vorhandenem Impfstoff könnten wir in Bayern täglich weit über 30.000 Menschen ein Impfangebot machen.

Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU)

Privilegien für Corona-Geimpfte? Holetschek: „Momentan ist das für mich kein Thema“

Könnten auch Privilegien für Geimpfte eine Strategie sein?

Momentan ist das für mich kein Thema. Wir haben keine Impfpflicht, das möchte ich noch einmal betonen. Neulich habe ich eine Dame kennengelernt, die mir sagte, sie lässt sich auch als Zeichen für die jüngere Generation impfen. Sie wollte so daran mitwirken, dass wir bald wieder ein normales Leben führen können. Das fand ich toll.

Viele Menschen wissen nicht, wann und wo sie sich für eine Impfung anmelden können. Warum ist das regional so unterschiedlich geregelt?

Auch das wird sich zunehmend einspielen. Die Priorität liegt ja derzeit überall auf den Heimen, die Senioren sind die vulnerable Gruppe. Sie müssen wir besonders schützen. Gleichzeitig wollen wir ja die Intensivstationen entlasten. Die Bürgermeister und Landräte vor Ort wissen selbst am besten, wie sie in dieser Gruppe die Impfungen organisieren. In einigen Regionen gibt es mehr Pflegeheime als in anderen. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass verlässlich Impfstoff da ist.

„Schlimmer als erste Welle“: So verschärft Bayern die Corona-Maßnahmen

In einigen Landkreisen ist bisher deutlich weniger Impfstoff eingetroffen als angekündigt war...

Die Impfzentren brauchen Planbarkeit und Verlässlichkeit. Genauso wie auch die Menschen. Diesen Freitag werden in Bayern weitere 107 000  Impfdosen eintreffen. Danach soll es wöchentlich weitergehen. Wir entwickeln gerade Übersichten für die Impfzentren, damit sie besser planen können. Sie müssen schließlich verlässlich wissen, wie viel Impfstoff sie haben, um Termine zu vereinbaren. Teil der Wahrheit ist aber auch, dass  die Zahlen der  Impfungen in Abhängigkeit zum verfügbaren Impfstoff stehen. Bei entsprechend vorhandenem Impfstoff können wir in Bayern täglich weit über 30 000 Menschen ein Impfangebot machen.

Corona-Impfung in Bayern: Senioren werden „angeschrieben und informiert“

Wie wollen Sie die Senioren erreichen, die allein leben und mit der Anmeldung zur Impfung überfordert sind?

Alle Über-80-Jährigen werden angeschrieben und informiert, wie die Terminvergabe vor Ort abläuft. Es wird auch ein Online-Modul geben, bei dem man sich melden kann. Einige Landräte haben mir bereits signalisiert, dass es für alleinstehende Senioren eigene Kommunikationsformen geben wird. Wir werden dafür auch Pflegedienste und pflegende Angehörige ins Boot holen. Wir müssen das System ständig weiterentwickeln und kreative Lösungen dafür finden, wie wir die Menschen zu dem Impfstoff und den Impfstoff zu den Menschen bringen. Vorstellbar wären zum Beispiel Impfbusse, die rausfahren zu den Menschen.

Wie organisieren Sie die zweite Impfung?

Wir haben dafür die Hälfte der Impfdosen zurückgestellt. Das wird über eine Software organisiert. So stellen wir sicher, dass jeder seine zweite Impfung bekommt.

Sie starten in Ihr Ministeramt mit einer riesigen Herausforderung. Wie groß ist Ihre Angst vor Pannen?

Ich hatte bisher in jeder meiner Funktionen großen Respekt vor der Aufgabe. Das ist jetzt nicht anders. Diese Herausforderung können wir aber nur im Team bewältigen, da sind jetzt viele gefragt. Und als Gesundheitsminister möchte ich dazu natürlich einen entscheidenden Beitrag leisten. Ich habe Respekt und Demut vor dieser Aufgabe, bin aber sicher, dass wir das gemeinsam schaffen werden.

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