+
Konkurrenten in der Stichwahl: Der Kandidat der „Freisinger Mitte“, Tobias Eschenbacher (re.) und der Grünen-Kandidat Sebastian Habermeyer, beide neben ihren Partnerinnen Daniela Fierle (li). und Nergiz Eschenbacher

Kleine Kommunalwahl: SPD verliert drei OB-Posten

München - Bei der kleinen Kommunalwahl gibt es in einigen Städten gleich zwei Sieger: In Freising, Landsberg, Bad Reichenhall, Eichstätt und Kaufering kommt es zur Stichwahl. Wahlgewinner sind die Grünen.

Freising: Punkt 19 Uhr war die Überraschung perfekt: Tobias Eschenbacher, 34 Jahre jung, Szene-Gastronom und fast zehn Jahre im Stadtrat, hat es mit seiner neuen Fraktion „Freisinger Mitte“ in die Stichwahl geschafft. Er hatte mit 33,7 Prozent sogar die Nase vorn. „Damit habe ich nicht gerechnet“, bekannte er verblüfft. Die „Freisinger Mitte“ hatte sich erst im vergangenen Jahr von der CSU abgespaltet. Grund war die Unzufriedenheit weiter Teile des bürgerlicher Lagers mit dem OB-Kandidaten der CSU, Rudolf Schwaiger. Der Bruder des Landrats verpasste die Stichwahl und landete jetzt mit nur 15,1 Prozent abgeschlagen auf Platz 3. Für Eschenbacher kommt es jetzt darauf an, bei der Entscheidung in zwei Wochen konservative Wähler zu motivieren. Ob die CSU eine Wahlempfehlung für ihn ausspricht, ist offen.

Strahlender zweiter Sieger ist der Kandidat der Grünen, Sebastian Habermeyer (48), der offenbar von der kompromisslosen Ablehnung der 3. Startbahn durch die gesamte Partei profitierte. Der Architekt kam auf 20,6 Prozent. „Ich freue mich riesig“ , bei der Wahl hätten Bürger grün gewählt, für die das früher nie in Frage gekommen wäre. Die SPD, die 18 Jahre lang mit dem allseits geachteten Dieter Thalhammer den OB stellte, muss sich auf magere Zeiten einstellen. Die vor der Wahl hoch gehandelte Stadträtin Eva Böning erhielt nur 12,2 Prozent. Der Freie Wähler Benno Zierer bekam 14,6 Prozent. Allseits bedauert wurde die mit 55,2 Prozent geringe Wahlbeteiligung.

Landsberg: Auch in der Lechstadt müssen die Sozialdemokraten den Verlust des OB-Amtes verschmerzen. Amtsinhaber Ingo Lehmann wurde für den Skandal um spekulative Finanzgeschäfte im Rathaus und dem Verlust von mindestens zwei Millionen Euro abgestraft und erhielt lediglich 24,9 Prozent. Dafür ist ein Grüner in die Stichwahl gelangt: Der 35 Jahre alte Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann wurden mit starken 30,9 Prozent zweiter Sieger. Mit 34,6 Prozent lag nur der CSU-Kandidat Matthias Neuner vor ihm. Falls es Hartmann gelingt, einen Teil der SPD-Stimmen für sich zu gewinnen, könnten die Grünen in Landsberg das Oberbürgermeisteramt erobern. Einen Achtungserfolg erzielte der Kandidat der Piraten-Partei, Eric Lembeck, der auf 7,6 Prozent kam. Abschlagen war Andreas Tillmann (FDP) mit 1,9 Prozent. Wahlbeteiligung: 54,2 Prozent.

Bad Reichenhall: In der Kurstadt wurde Amtsinhaber Herbert Lackner (CSU) von vier Gegenkandidaten in die Stichwahl gezwungen, wo er aber beste Chancen haben dürfte. Er verfehlte mit 48,2 Prozent einen Sieg in der ersten Runde nur knapp. Sein Gegenkandidat in zwei Wochen ist der Kandidat der Grünen, Manfred Hofmeister. Der ranghohe Bundeswehr-Oberst, der nach Paris abkommandiert ist, erreichte 18,2 Prozent. Auf Rang drei kam der von den Freien Wählern aufgestellte Chefredakteur von „Radio Bielefeld“, Martin Knabenreich, mit 16,3 Prozent. Die Münchner SPD-Landtagsabgeordnete Adelheid Rupp musste sich mit mageren 12,8 Prozent begnügen. Pirat Wolfgang Britzl erzielte 4,5 Prozent. Wahlbeteiligung: 51,1 Prozent.

Eichstätt: Der 34-jährige Freie Wähler Andreas Steppberger hat im Rennen um das OB-Amt in Eichstätt die Nase vorn. Der Rechtsanwalt erhielt 43,2 Prozent. Sein Gegner ist der Lehrer und Stadtrat Walter Eisenhart (CSU). Der persönliche Bekannte von Horst Seehofer konnte 27,8 Prozent erringen. Weit abgeschlagen war der SPD-Kandidat Max Pfuhler (14,9 Prozent) – er konnte an die Erfolge des bisherigen SPD-Oberbürgermeisters Arnulf Neumeyer nicht anknüpfen. Beate Hueber von der gleichnamigen Wählergruppe kam auf 5,9 Prozent, Manuela Knipp-Lillich von den Grünen auf 8,2 Prozent. Die Wahlbeteiligung war mit 64,9 Prozent relativ hoch.

Ebersberg: Der seit 18 Jahren amtierende Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) hat das Rathaus schon im ersten Wahlgang verteidigt. Er holte 64,8 Prozent. Doris Rauscher (SPD) wurde mit 21,4 Prozent Zweite, Philipp Goldner (Grüne) musste sich mit 13,1 Prozent begnügen. Wahlbeteiligung: 58 Prozent.

Poing: Der Bürgermeister von Poing (Kreis Ebersberg), Albert Hingerl (SPD), kann weitermachen. Er kam auf 68,5 Prozent. Ausgeschieden sind der Freie-Wähler-Gemeinderat Michael Frank (19,7 Prozent) sowie Carmen Berntheisel (11,8 Prozent). Wahlbeteiligung: 51,9 Prozent.

Putzbrunn: Auch der Bürgermeister von Putzbrunn (Kreis München), Edwin Klostermeier (SPD) kann weitermachen. Er erhielt 70,3 Prozent. Die anderen Kandidaten: Eduard Boger (CSU) 18,7 Prozent; Josef Kellermeier (parteifrei) 11 Prozent. Wahlbeteiligung: 57,7 Prozent.

Kaufering: Auch in Kaufering (Kreis Landsberg), wo Amtsinhaber Klaus Bühler (FW) nicht mehr antrat, sind die Grünen noch im Rennen, genauer gesagt eine Grüne: Gabriele Triebel erhielt 21 Prozent. Favorit ist jedoch der unabhängige Kandidat Erich Püttner.

Gmund: Bürgermeister Georg von Preysing ist mit 92 Prozent der Stimmen als alleiniger Kandidat wiedergewählt worden. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 36 Prozent. „Es hätten sich schon mehr Leute aufraffen können, zur Wahl zu gehen“, so der Bürgermeister.

dw/ws/ac/mm

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fiese Nummer: Bayernfan klaut kleinem Mädchen signiertes Trikot
Dieser dreiste Dieb hat zwar keinem Kind den Lolli geklaut, dafür aber einem 12-Jährigen Mädchen ein signiertes Trikot ihres Herzens-Vereins. Die Polizei sucht nach dem …
Fiese Nummer: Bayernfan klaut kleinem Mädchen signiertes Trikot
„Mein Wort ist hier Gesetz“: Der Fall des „Reichsbürgers“ Wolfgang P.
Verschwörungstheoretiker, Neonazi oder doch einfach nur Spinner? Was den „Reichsbürger“ ausmacht, lässt sich oft nicht so leicht sagen. Doch eines ist sicher: …
„Mein Wort ist hier Gesetz“: Der Fall des „Reichsbürgers“ Wolfgang P.
Über 30 Grad: Mega-Sommer-Wochenende rollt auf Bayern zu
Sonnige Zeiten in Bayern: Es steht ein sommerliches Wochenende bevor. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sorgt ein Hoch ab Freitag nahezu überall in Bayern …
Über 30 Grad: Mega-Sommer-Wochenende rollt auf Bayern zu
Opposition deckt auf: 630 Tonnen Kerosin über Bayern abgelassen
Immer wieder müssen Flugzeuge über Bayern Treibstoff ablassen, um in kritischen Situationen ihr Gewicht zu verringern. Die SPD kritisiert, dass es kaum Daten zu solchen …
Opposition deckt auf: 630 Tonnen Kerosin über Bayern abgelassen

Kommentare