Wetterfrosch und Minister: Meteorologe Sven Plöger (li.) mit Markus Söder beim Klima-Symposium. F: Kurzendörfer

Klima-Krise: ARD-Wettermann macht Mut

München - Wie sind die Aussichten? Das Klima wandelt sich, Bayern heizt sich auf, Flüsse treten über die Ufer. ARD-Wettermoderator Sven Plöger warnt vor der Zukunft - und macht gleichzeitig Mut. Derweil rüstet sich der Freistaat für die Zukunft.

Wie lange ist das letzte Jahrhunderthochwasser in Deutschland her? 100 Jahre? Oder 50? Doch eher zehn?

Fünf ist die richtige Antwort: Im März und April 2006 wurden fast am gesamten Lauf der Elbe die höchsten Pegel verzeichnet, die dort je gemessen wurden. Dresden löste Katastrophenalarm aus. Nur ein Jahr zuvor war es am Fuße der Alpen zu einem historischen Hochwasser gekommen. Am 23. August war der Pegel der Isar auf Jahrhunderthöchststand geklettert, im Landkreis Garmisch-Partenkirchen kam es zum Dammbruch. „Jahrhundert“-Hochwasser gibt es heutzutage wie am Fließband.

Laut dem Rückversicherer Munich Re kam es im vergangenen Jahr zu 950 Naturkatastrophen weltweit, fast 300 000 Menschen starben. Die Zahlen steigen rasant: Errechnet man einen Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre, kommt man „nur“ auf 615 Katastrophen mit je 66 000 Todesopfern jährlich.

Naturgewalten drohen nicht nur in Neuseeland und Haiti: In den Alpen ist die Temperatur innerhalb der vergangenen 100 Jahre um 1,5 Grad gestiegen. Gletscher schmelzen, Vegetationszonen verschieben sich, Gerölllawinen gehen ab. Und es regnet Bindfäden, denn eine warme Atmosphäre kann mehr Wasser speichern.

Wenn wir nichts machen, warnt der Meteorologe Sven Plöger, steigt die Temperatur in Bayern in 50 Jahren um rund 2 Grad. Gegen Ende des Jahrhunderts müsse man in Teilen Deutschlands mit bis zu 50 Prozent mehr Regen rechnen. „Wir können den Einfluss aber wieder zurückfahren, es ist noch nicht zu spät“, macht Plöger beim Klima-Symposium der Versicherungskammer Bayern Mut.

Für das „Zurückfahren“ ist in Bayern vor allem Umweltminister Markus Söder (CSU) verantwortlich. „Klimawandel“, sagt er, „verändert unsere Heimat und ist deswegen auch ein Kulturwandel.“ Wenn man etwas ändern wolle, dürfe man dem Bürger nicht immer „mit dem moralischen Zeigefinger“ kommen. Immer nur Verzicht zu fordern, sei keine Lösung. Söder setzt lieber auf seinen 3-Punkte-Plan.

Erstens: Öko-Strom. Der Anteil an regenerativen Energien soll von jetzt 25 Prozent auf 40 Prozent bis 2030 steigen. Schon heute liegt Bayern beim CO2-Ausstoß pro Kopf rund 20 Prozent unter dem europäischen Schnitt. Zweitens: Anpassung. Wälder sollen aufgeforstet, Moore und Flüsse renaturiert werden. Drittens: Forschung. Extreme Wetterereignisse sollen in Zukunft präziser und früher erkannt werden, um rechtzeitig reagieren zu können. Das alles lässt sich der Freistaat gewaltige Summen kosten. Von 2008 bis 2011 investierte man 750 Millionen Euro. „Damit geben wir für den Klimaschutz weit mehr aus als jedes andere Bundesland“, sagt Söder.

All das kann tatsächlich helfen, hofft Wetterexperte Plöger. CO2 bleibe schließlich nicht ewig in der Atmosphäre, in 50 bis 100 Jahren sei es wieder abgebaut. Wie das Ozonloch, so könne man langfristig auch den Klimawandel erfolgreich bekämpfen.

Minister Söder hofft gleichzeitig auf einen Wirtschaftsschub für Bayern. Der Wandel sei eine Chance, innovative Technologien zu entwickeln - und zu exportieren. „Der Umweltminister“, sagt Söder, „ist in Zukunft auch ein halber Wirtschaftsminister“.

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