Dunkle Wolken ziehen über ein Feld mit jungen Pflanzen. Der Boden war im April 2020 aufgrund von Trockenheit noch mit Rissen durchzogen.
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Niederschläge werden laut Klima-Report in Zukunft unregelmäßiger. Es drohen Dürreperioden aber auch Überschwemmungen. (Symbolfoto)

Bis 2100

Klima-Report in München vorgestellt: Temperaturanstieg um 4,8 Grad - extremer Wandel droht

  • vonMayls Majurani
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Die Erde erwärmt sich. Bayern auch. Der Klima-Report 2021 macht düstere Prognosen. Umweltminister Glauber kündigt aber auch ein neues Klima-Paket an.

München - Noch immer gibt es Menschen, die den Klimawandel leugnen. Fakten sprechen aber eine eindeutige Sprache, sagte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) bei der Vorstellung des Klima-Reports 2021. Dieser wurde am Mittwoch in München vorgestellt und sagt voraus: Bis 2100 wird sich die Lage in Bayern verschlimmern. Bis zu 4,8 Grad wird die Durchschnittstemperatur steigen, wenn dagegen nichts unternommen wird. Jedes Jahr, in dem nicht gegengesteuert werde, verschärfe die Herausforderung für die kommenden Generationen, so Glauber. Wie in der Corona-Pandemie* müsse auch in der Klimapolitik der Gesundheitsschutz der Menschen an erster Stelle stehen.

Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) stellte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz den Klima-Report Bayern 2021 vor.

Im neuen Klima-Report sind die bisherigen Prognosem aus dem Jahr 2015 nochmals um 0,3 Grad nach oben korrigiert. In dem 196 Seiten umfassenden Bericht gilt als Referenzzeitraum die Spanne von 1971 bis 2000.

Klima-Report Bayern 2021: Bis zu 36 Hitzetage mehr im Jahr

Dem Bericht zufolge wird sich nicht nur die Durchschnittstemperatur im Freistaat verändern - in unterschiedlicher regionaler Prägung. Es könnten auch bis zu 36 weitere Hitzetage, also Tage mit einer Mindesttemperatur von 30 Grad, hinzukommen. Zum Vergleich: Zwischen 1971 und 2000 gab es gerade einmal vier Hitzetage pro Jahr. Auch die Zahl der kühlen Nächte in den Sommern dürfte seltener werden. Bis zu maximal 18 über 20 Grad warme sogenannte Tropennächte sind im Freistaat möglich.

Neben den Temperaturen wird sich auch die Niederschläge* verändern. Die generelle Regenmenge wird sich zwar kaum verändern, allerdings werden Unregelmäßigkeiten steigen. Dadurch wird es wie schon in den vergangenen Jahren längere Trockenperioden und häufigere sowie intensivere Starkregenereignisse samt Hochwasser in allen Landesteilen geben. Auch eine Abschwemmung wertvoller Böden droht dadurch. Das Ausmaß der Bodenerosion könnte sich verdoppeln oder gar verdreifachen.

Klimawandel in Bayern: Umweltminister kündigt Klima-Paket II an

Umweltminister Glauber sieht im Klima-Report nicht nur einen Handlungsauftrag, sondern auch eine Bestätigung für das Ziel, Bayern bis spätestens 2050 klimaneutral aufzustellen: „Wir sind herausgefordert, das Thema mit ganzer Kraft anzugehen. Der Klimareport lässt aufhorchen.“ Die neue Dynamik des Wandels beunruhige auch ihn, gab Glauber zu. Denn zur Wahrheit gehöre, dass der Lebensstil in Deutschland ein wichtiger Faktor für den Klimawandel ist.

Die Weichen für mehr Klimaschutz in Bayern seien bereits richtig gestellt, betonte Glauber. Gleichwohl müssten die Ziele aber nochmals „nach oben geschraubt werden“. Der Umweltminister kündigte ein Klima-Paket II an. Vor allem der natürliche Klimaschutz, beispielsweise der Schutz der Moore, kommunaler und internationaler Klimaschutz sowie erneuerbare Energien seien die neuen Schwerpunkte. Bayern werde künftig seine Klimaziele auch analog zum Bund* nach oben korrigieren.

Bayerisches Klimagesetz in der Kritik: Freiwilligkeit statt Verbot

Im vergangenen Jahr brachten CSU und Freie Wähler das bayerische Klimaschutzgesetz durch den Landtag*. Das Ziel: Klimaneutralität bis 2050. Dafür gibt es einen 96 Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog, der etwa eine massive Aufforstung oder den Schutz von Mooren miteinschließt. Allerdings verzichtet das Gesetz auf klar definierte Verbote um die Kohlendioxid-Emissionen zur reduzieren. Die Umsetzung des Maßnahmenkatalogs ist freiwillig. Kritiker sehen das Gesetz daher als nutzlos an.

Verloren ist aber noch nicht alles. Der schon längst eingesetzte Klimawandel kann noch abgemildert werden. Sollte das Pariser Klimaabkommen weltweit erfolgreich umgesetzt werden, würde die Temperatur in Bayern spätestens ab 2050 nicht mehr nennenswert steigen. Bis zum Ende des Jahrhunderts wäre dann ein Temperaturanstieg von 1,1 Grad wahrscheinlich, sagen die Experten.

Umweltminister Glauber: Herzkammer der Klimaneutralität sind erneuerbare Energien

„Herzkammer der Klimaneutralität ist die dezentrale Versorgung mit erneuerbaren Energien“, sagte Glauber. Ab 2022 sei es unverzichtbar staatliche Gebäude mit Photovoltaik-Anlagen auszustatten. Auch auf gewerblichen und privaten Flächen müssten Anlagen gebaut werden. Landesweit gebe es alleine drei Millionen Häuser, deren Dächer ideal seien.

Tobias Fuchs, Leiter des Geschäftsbereichs Klima und Umwelt des Deutschen Wetterdienstes (DWD) betonte, dass die vergangenen drei Jahre deutlich zu trocken gewesen seien, zugleich wurden Hitzerekorde registriert. „Für die Zukunft sind die Niederschlagsmengen mit ihren Auswirkungen entscheidend.“ Keiner bleibe davon verschont. In der Folge sei eine Zunahme von Extremereignissen wie die Sturzflut in Simbach am Inn 2016 oder wie die Dauerschneefälle 2019* zu erwarten.

Der Klima-Report 2021 enthält alle relevanten Zahlen und Fakten rund um den Klimawandel in Bayern und kann auf der Homepage des Ministeriums runtergeladen werden. Er soll die Frage klären, wie der Klimawandel in Bayern verläuft und wo seine Auswirkungen schon heute spürbar sind. Der Klima-Report 2015 ging für Bayern im Jahr 2100 noch von einer Maximaltemperatur von bis zu 4,5 Grad Celsius aus. (dpa/ma) * Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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