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Wer auf Plastik verzichtet, hilft der Umwelt – nur ein Vorschlag aus der Aktion „Klimafasten“.

Gebrauchsanweisung im Internet

Ernährung, Fortbewegung und Co.: Zeit fürs Klimafasten startet jetzt 

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Für viele Menschen in Bayern heißt es die nächsten 40 Tage: Fastenzeit. Dass die Abstinenz nicht allein auf Alkohol oder Schokolade beschränkt sein muss, zeigt ein Fastenprojekt, das zum Zeitgeist passt: Klimafasten.

München - Man kann es drehen und wenden, wie man will: Fasten heißt verzichten. An diesem Mittwoch beginnt die Fastenzeit, und das bedeutet für viele Christen, dass sie sich zumindest auf Zeit von einem Laster trennen werden. Das kann das Rauchen sein, Alkohol, Süßigkeiten, Lügen - oder klimaschädliches Verhalten. Verschiedene evangelische Landeskirchen und katholische Bistümer haben sich zusammengetan, darunter der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Passau, und rufen bereits zum vierten Mal zur „Fastenaktion für Klimaschutz & Klimagerechtigkeit“ auf.

„Ganz neu ist die Idee nicht“, räumt Hans-Jürgen Hörner von der Klimaschutzagentur der Evangelischen Kirche von Westfalen ein, die die Aktion ins Leben gerufen hat. „Allerdings ist das Thema inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Tatsächlich passt Klimafasten zum Zeitgeist. Der Einsatz fürs Klima hat in den vergangenen Monaten auch politisch Auftrieb bekommen: Die Grünen sind seit vergangenen Herbst zweitstärkste Kraft im Landtag. Und unter den Schülern, die mit der Bewegung „Fridays for future“ für besseren Klimaschutz demonstrieren, sind zahlreiche Bayern.

Gebrauchswanweisung fürs Klimafasten vom Institut für Kirche und Gesellschaft 

Veränderung, so sehen es die Initiatoren des Klimafastens, fängt beim Einzelnen an. Für das Klimafasten gibt es deshalb eine Gebrauchsanweisung, die das Institut für Kirche und Gesellschaft zusammengestellt hat. Jede der sieben Fastenwochen bis Ostersonntag steht unter einem anderen Motto. Für jedes der Themen gibt es Vorschläge und Tipps, aus denen der Fastende wählen und die er in dieser Woche umsetzen kann. Dazu gibt es viele weiterführende Links, die ergänzende Informationen zu den einzelnen Vorschlägen beinhalten.

Während es in der ersten Woche noch darum geht, Zeit für sich und seine Mitmenschen zu finden und die eigenen Routinen zu hinterfragen, beginnt mit Woche zwei tatsächlich der Verzicht: Kniffel statt Fernseher, Treppe statt Aufzug - der persönliche Energiehaushalt soll auf den Prüfstand kommen. Lieber stoßlüften als das Fenster dauerhaft zu kippen, ist nur einer der Vorschläge.

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Dritte Fastenwoche dreht sich ums Essen 

Von Woche zu Woche steigen die Anforderungen, ist mehr Engagement gefragt. Die dritte dreht sich ums Essen. Fleischverzicht ist nur eine Option - die Aufgaben, die man sich selbst stellen kann, reichen vom Einkauf beim Direktvermarkter bis zum Kochen eines veganen Gerichts. Es folgen in den Wochen vier bis sechs Gedanken zum fairen Konsum, Vorschläge für nachhaltige Mobilität sowie Ideen für ein plastikfreies Leben. Die letzte Woche ist dazu gedacht, Veränderungen in den Alltag nach der Fastenzeit mitzunehmen.

Fasten kann zeitweiser Verzicht auf ein bestimmtes Genussmittel sein, aber auch Ausgangspunkt für Veränderungen der eigenen Lebensgewohnheiten. Umweltschonendes Verhalten, so der Gedanke, soll aber nicht nur eine Erscheinung sein, die zum Zeitgeist passt, sondern über die Fastenzeit hinauswirken.

Alles zur Fastenaktion finden Sie unter www.klimafasten.de

Regionalbischöfin im Interview: „Lügen sind unerträglich“

Frau Breit-Keßler, wissen Sie, wann Sie das letzte Mal geflunkert haben?

Breit-Keßler: Nein, weil ich nicht flunkere und schon gar nicht lüge. Das habe ich zu einer meiner Lebensmaximen erhoben, weil ich Lügen unerträglich finde.

Du sollst nicht lügen - gibt es keine Ausnahmen?

Breit-Keßler: Es gibt ein wunderbares Zitat von Max Frisch, der sagt: ‚Man kann einem die Wahrheit wie einen nassen Lappen ins Gesicht klatschen oder sie einem wie einen Mantel umhängen.‘ Natürlich sagt man nicht zu jemand, der zum Beispiel einen Kuchen gebacken hat, das sei der allerletzte Dreck. Man wird eher sagen: Mein Geschmack ist es nicht. Man kann liebevoll sagen, was man zu sagen hat.

Warum fällt Ehrlichkeit oft schwer?

Breit-Keßler: 

Weil man sich der Wahrheit stellen muss, den Mut haben muss, sie zu sagen, und die Konsequenzen trägt. Es ist weniger bequem, die Wahrheit zu sagen, als sich durchs Leben zu schwindeln.

Umgeht Lügen gekonnt: Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler.

Gibt es einen Unterschied zwischen lügen und flunkern?

Breit-Keßler: 

Können Sie mir denn ein Beispiel nennen, was flunkern sein soll? Das ist eine Selbstentschuldigung vieler, die sagen, es sei eine Notlüge. Es ist keine Not. Sondern die Angst, sich dem zu stellen, was man eigentlich zu sagen hätte.

Darum die Aktion „Sieben Wochen ohne Lügen“?

Breit-Keßler: 

Es ist höchste Zeit, sich wieder mal ins Gedächtnis zu rufen, wie befreiend und beglückend es ist, wenn man ehrlich miteinander ist und nicht Dinge in die Welt setzt, die hinten und vorne nicht stimmen. Es geht ja nicht nur allein darum, andere nicht zu belügen, sondern auch mit sich selbst ehrlich zu sein. Damit tun sich nämlich die meisten schwer.

Nachdem Sie nicht flunkern: Was haben Sie sich für die Fastenzeit vorgenommen?

Breit-Keßler:

Ich möchte mir mehr Zeit nehmen, für die Menschen, die mir wichtig sind. Es geht in der Fastenzeit nicht nur um Askese und Verzicht, es soll ein Gewinn sein am Ende. Wir wollen niemanden knebeln und knechten und sagen: Das darfst du nicht.

Interview: Kathrin Brack

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