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Vom Durchlüften gefährdet: Experten überlegen, wie man die Bausubstanz von Schloss Linderhof schützen kann.

Feuchte Gemäuer

Klimawandel schadet Denkmälern

Oberlaindern  - Der Klimawandel bedroht historische Gebäude, warnt das Fraunhofer-Institut. Experten schätzen zurzeit Risiken für Denkmäler ab – und suchen nach Lösungen für das Problem.

„Wir wissen nicht genau, was in der Zukunft passieren wird. Wir gehen aber davon aus, dass es wärmer wird“, sagt der Diplom-Restaurator beim Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Oberlaindern (Kreis Miesbach), Ralf Kilian.

Und das ist ein Problem. Derzeit schätzt Kilian gemeinsam mit Kollegen für das EU-Projekt „Climate for Culture“ (Klima für Kultur) Schadensrisiken für historische Stätten ab. Sie errechnen wirtschaftliche Folgen und entwickeln Strategien für den langfristigen Erhalt der Gebäude. „Durch höhere Temperaturen kann die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Es wird mehr Regenfälle geben und die Dynamik in der Atmosphäre kann zunehmen. Das heißt, das Wetter kann sich schneller ändern“, erklärt Kilian.

Dies führe zum Beispiel zu Schlagregen, der auch auf senkrechten Flächen auftreffe. Wenn dieser Regen auf eine Fassade prassele, bedeute das eine höhere Feuchtigkeitsbelastung für das Mauerwerk und könne zu Schäden führen. Um das zu vermeiden, müsse man die Gebäudekonstruktion verbessern und das Mauerwerk abdichten. Ein weiteres Problem sei die Sommerkondensation.

„Das kommt vor allem in unbeheizten Kirchen vor“, erklärt Kilian. „Warme, feuchte Luft kommt in die Kirchen, schlägt sich auf kalten Oberflächen nieder und kondensiert.“ Das führt zu Feuchtigkeitsschäden. Liegt wegen der Klimaerwärmung mehr Feuchtigkeit in der Luft, nimmt die Sommerkondensation zu. Auch der Bedeckungsgrad des Himmels werde sich wegen des Klimawandels erhöhen. „Es gibt dann mehr Wolken, weniger Sonneneinstrahlung und es wird trotzdem wärmer.“ Das verstärke wiederum die Sommerkondensation.

Doch auch Besucher können einem Gebäude schaden, erläutert Kilian am Beispiel Schloss Linderhof von König Ludwig II. im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. „Das Hauptproblem sind die klimatischen Schwankungen, also kurzfristige Änderungen des Raumklimas“, erklärt der Experte. „Im Sommer sind dort viele Touristen, da wird das Schloss stark gelüftet, damit diese nicht umfallen.“ Das sei purer Stress für die historischen Materialien. Sie nähmen Feuchtigkeit auf und gäben diese wieder ab. „Dadurch schwellen sie an und schwinden wieder. Das kann zu Ablösungen und Rissen in den Materialien führen.“ Ziel der Forscher ist eine präventive Konservierung der Gebäude.

„Wir wollen die Raumklimabedingungen so anpassen, dass Schäden vermieden werden.“ Die Voraussetzung hierfür ist ein möglich konstantes Klima in den Räumen. Dazu könne man beispielsweise Lüftungsanlagen einbauen oder ein Gebäude abdichten, so der Experte. Eine andere Möglichkeit sei, die Zahl der Besucher stark zu begrenzen. „Aber das kommt für Linderhof und Neuschwanstein nicht infrage.“ Unterdessen fordert Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP), den Denkmalschutz weiter zu stärken.

Experten hatten vor dem Tag des offenen Denkmals am Sonntag kritisiert, dass die Gelder seit Jahren knapper würden. Insbesondere private Burgenbesitzer hatten betont, dass sie dringend Unterstützung bräuchten. Den Schlössern im Besitz des Freistaates und des Finanzministeriums geht es nach Angaben der Bayerischen Schlösserverwaltung noch verhältnismäßig gut – auch wenn die Besuchermassen allein durch ihren Atem viele altehrwürdige Räume gefährden würde. Im Jahr 2000 waren die Mittel für Denkmalpflege erheblich gekürzt worden.

Von Tina Nachtmann

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