Klinik-Skandal: „Bayern hat versagt“

München/Berlin - Transplantations-Affäre: Der Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery attackiert den Freistaat – und die Staatsregierung wehrt sich.

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) reagiert auf den Transplantationsskandal. Für den 27. August hat er ein Krisentreffen mit Vertretern des Gesundheitswesens angekündigt, um Konsequenzen zu beraten. Unterdessen führt der Skandal nun auch zum Streit zwischen Ärzten und bayerischer Staatsregierung.

Vor sieben Jahren waren nach Angaben des Regensburger Uniklinikums verbotenerweise jordanische Patienten auf die Warteliste für europäische Transplantationspatienten gelangt. Außerdem hatte der als Hauptverdächtiger geltende Oberarzt illegalerweise eine Leber in Jordanien transplantiert. Der Arzt war später nach Göttingen gewechselt und ist vom Dienst suspendiert.

Die Staatsanwaltschaft Regensburg geht von einem Einzeltäter aus. Nach Medienberichten ist die Zahl der Lebertransplantationen in Regensburg aber auch nach dem Weggang des Arztes weiter ungewöhnlich stark angestiegen.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, kritisierte die zuständigen staatlichen Stellen in Bayern scharf. Im RBB-Inforadio sagte er: „Wir haben damals mit der Selbstverwaltung diesen Fall aufgedeckt. Wir haben mit den bayerischen Institutionen gesprochen. Niemand hatte auch nur die Spur eines Interesses, diesen Fall damals zu verfolgen.“

Wirtschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) widersprach Montgomery. Bayerns Behörden hätten „umgehend auf den Vorfall im Jahr 2005 reagiert“. Das Sozialministerium habe die Staatsanwaltschaft Regensburg eingeschaltet und um Prüfung gebeten. Die Expertise der Ärztekammer sei maßgeblich daran beteiligt gewesen, dass die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren eingestellt habe, hieß es in Regierungskreisen. Auch Heubisch plant einen Krisengipfel mit den Unikliniken.

Justizministerin Beate Merk (CSU) verteidigte die Staatsanwälte ebenfalls. Diese hätten die Ermittlungen 2005 einstellen müssen, da es keinen konkreten Nachweis gegeben habe, sagte Merk. Sie sehe keine Versäumnisse der Justiz.  

cd/fm 

Rubriklistenbild: © dpa

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