Fragwürdige Behandlungsmethoden

Klinikum Bayreuth entlässt Chefarzt der Kardiologie

Bayreuth - Am Klinikum Bayreuth haben Chirurgen in den vergangenen Jahren eine teure Implantationsmethode für Herzklappen auffallend häufig angewandt. Mehrere Patienten starben. Nun muss der Chefarzt der Kardiologie gehen.

Im Skandal um mutmaßliche Fehlbehandlungen am Klinikum Bayreuth muss nun auch der Chefarzt der Kardiologie seinen Hut nehmen. Aufsichtsrat und Zweckverband hatten entschieden, das Arbeitsverhältnis mit dem Mediziner zu beenden, wie das Klinikum am Donnerstag mitteilte. Aus dem Bericht einer Expertenkommission hätten sich „erhebliche Verdachtsmomente“ ergeben, die eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr zuließen.

Den Gutachtern zufolge wurden in der Klinik zwischen Oktober 2009 und April 2013 immer wieder künstliche Herzklappen mit einer neuen und teuren Methode implantiert, obwohl eine herkömmliche Operations-Methode ausreichend gewesen wäre. Zwei dieser Patienten starben. Bei zwei anderen Patienten wurden Herzklappen implantiert, obwohl es dafür überhaupt keine medizinische Notwendigkeit gab; einer der beiden überlebte den Eingriff nicht.

Auffällig viele Patienten erhielten einen Herzschrittmacher

In einem weiteren Fall wurde eine sogenannte TAVI-Implantation gegen den ausdrücklichen Rat der Gefäßchirurgie durchgeführt. Die Folge sei eine „schwer beherrschbare Gefäßkomplikation“ gewesen. Dem Gutachten zufolge erhielten am Klinikum Bayreuth außerdem auffällig viele TAVI-Patienten einen Herzschrittmacher. Eine Klinik-Sprecherin wollte das Ergebnis des neuen Gutachtens am Donnerstag nicht kommentieren.

Ob dies alles aus reinem Profitstreben geschah, oder um die TAVI-Prothesen am Klinikum Bayreuth zu etablieren, klärt das Gutachten nicht. Die Experten betonen in ihrer Zusammenfassung ausdrücklich, dies sei aus den Unterlagen nicht ersichtlich und auch nicht Teil der Analyse gewesen.

Es gibt keine Beweise für ökonomisch motivierte Manipulationen

Im vergangenen Sommer hatte ein „Spiegel“-Bericht mutmaßliche Mängel in dem Krankenhaus aufgelistet. Dazu gehörte auch der Vorwurf, Patienten seien länger als nötig beatmet worden, um mehr Geld einzunehmen. Danach wurde der Krankenhaus-Geschäftsführer von seinen Aufgaben freigestellt. Später kamen Experten zu dem Ergebnis, dass es keinen Beweis für vorsätzliche und ökonomisch motivierte Manipulationen bei der Beatmungsdauer gegeben habe.

Das jetzt vorliegende 50-seitige Kardiologie-Gutachten bescheinigt der Klinik „erhebliche Probleme“ in der Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Fachabteilungen. Von mangelhaften Dokumentationen ist die Rede, wodurch sich getroffene Entscheidungen häufig nicht durchgehend nachvollziehen ließen.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Vorbereitungen für Evakuierung des Schwandorfer Krankenhauses laufen
Nachdem eine Fliegerbombe nahe des Krankenhauses in Schwandorf gefunden wurde, laufen die Vorbereitungen für die Evakuierung an. Am kommenden Samstag soll die Bombe …
Vorbereitungen für Evakuierung des Schwandorfer Krankenhauses laufen
Frau düst mit knapp drei Promille durch Kreisverkehr
Eine volltrunkene Frau fuhr äußerst rasant in einen Kreisverkehr ein - und fiel mit diesem riskanten Manöver glücklicherweise einer vorbeifahrenden Polizeistreife auf. 
Frau düst mit knapp drei Promille durch Kreisverkehr
Missbrauchsprozess Förster: Zwei Prostituierte sagen aus
Vor rund einem Jahr gehörte Linus Förster noch zu den führenden Köpfen der SPD in Bayern - nun droht ihm wegen mehrerer mutmaßlichen Sexualverbrechen eine langjährige …
Missbrauchsprozess Förster: Zwei Prostituierte sagen aus
Mitarbeiter schließt versehentlich Schleusentor
Weil ein Mitarbeiter das Tor einer Schleuse deutlich zu früh schloss, entstand womöglich ein immenser Schaden an einem Schiffsrumpf.  
Mitarbeiter schließt versehentlich Schleusentor

Kommentare