Klopfgeräusche aus Container: Bundespolizei ermittelt 

Rosenheim - Durch Klopfen konnten drei Eingesperrte auf ihre missliche Lage in einem Lkw-Container aufmerksam machen. Nach ersten Ermittlungen der Bundespolizei waren sie schon tagelang unter unmenschlichen Bedingungen in dem Behälter eingesperrt.

Offenbar wurden sie bei klirrender Kälte auf dem Anhänger eines Lastkraftwagens über Italien und Österreich bis nach Deutschland befördert. Die Lkw-Fahrer aus Rumänien werden verdächtigt, die drei ohne Rücksicht auf die Gefahren für deren Gesundheit oder Leben eingeschleust zu haben.

Die Situation, die sich den verständigten Rettungssanitätern und Beamten gegen 3 Uhr am Dienstag an der B15 in Rosenheim stellte, zeigte die Schleusungskriminalität von ihrer skrupellosen Seite: Klopfgeräusche drangen aus einem Container, der sich auf dem Anhänger eines geparkten Lastzugs befand. Die Fahrer legten gerade ihre Nachtruhe ein. Der Behälter wurde sogleich geöffnet, um die Eingeschlossenen zu befreien. Drei Männer krochen sichtbar erleichtert heraus. Glücklicherweise trugen sie - abgesehen von einer Unterkühlung - keine größeren gesundheitlichen Beeinträchtigungen davon. Sie hatten versucht, sich mit Plastikfolien gegen die Minusgrade zu schützen. Nach eigenen Angaben handelte es sich um zwei Tunesier, 28 und 40 Jahre alt, sowie einen Libyer im Alter von 30 Jahren. Ausweise hatten sie nicht dabei. In Tunesien hätten sie sich für mehrere tausend Euro pro Person einer Schleuserorganisation anvertraut. Dort seien sie in den Container gesperrt worden, der sich für sie erst nach mehreren Tagen wieder in Rosenheim öffnete. In dieser Zeit hätten ihnen weder Nahrung, Getränke, geschweige denn zusätzliche Kleidung oder Decken gegen die Kälte zur Verfügung gestanden.

Nach einer Versorgung durch die Rosenheimer Bundespolizei konnten die drei Männer im Anschluss an die polizeilichen Maßnahmen wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen werden. Der 40-jährige Tunesier wurde an das Ausländeramt in Hamburg weitergeleitet. Seine deutsche Ehefrau hat ihn in der Hansestadt bereits erwartet. Der Obhut einer Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in München wurde sein 28-jähriger Landsmann wie auch der 31-jährige Libyer anvertraut.

Gegen die Lkw-Fahrer und mögliche Hintermänner geht nun die Staatsanwaltschaft Traunstein vor. Die Rumänen werden beschuldigt, die Nordafrikaner auf lebensgefährdende Weise nach Deutschland geschleust zu haben. Es wird davon ausgegangen, dass der 43- und der 23-Jährige von den Menschen, die sie im Container nach Deutschland transportierten, wussten. Zwar konnten beide nach der Vorführung beim Rosenheimer Amtsgericht die Heimreise antreten, allerdings werden sich die mutmaßlichen Schleuser voraussichtlich schon bald wegen ihrer Tat verantworten müssen. Die Ermittlungen der Bundespolizei dauern an.

ots

Rubriklistenbild: © Bundespolizei

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