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Erfolgreiches Schreib-Duo: Michael Kobr (links) und Volker Klüpfel. Nun wollen sie Honorar-Nachschlag.

Krimi-Duo klagt auf "Bestseller-Paragrafen"

Kluftinger-Autoren wollen mehr Geld

München - Sie landen einen Bestseller nach dem anderen. Nun berufen sich die Autoren der Kluftinger-Romane auf einen „Bestseller-Paragrafen“ im Urheberrecht – und fordern nachträgliches Honorar.

Gleich der erste Roman um den kauzigen Kommissar Kluftinger traf einen Nerv bei den Lesern. Aus dem Nichts schoss das Buch mit dem Titel „Milchgeld“ in die Bestsellerlisten. Inzwischen gibt es sechs „Allgäu-Krimis“ um Kommissar Kluftinger, von denen sich jeder im sechsstelligen Bereich verkauft hat. Nun finden die Autoren Michael Kobr und Volker Klüpfel, dass sie für die beiden ersten Bände „Milchgeld“ und „Erntedank“ nicht ausreichend vergütet werden. Vor dem Landgericht München I fordern sie vom Piper-Verlag rund 50 000 Euro Nachschlag – die Klage erstreckt sich erst einmal auf das Jahr 2007.

Bis voriges Jahres verlegte der Münchner Piper-Verlag die Werke des erfolgreichen Autoren-Duos aus dem Allgäu. Im Oktober wechselte es mit seiner Lektorin zu Droemer Knaur. Doch die Verträge über die ersten sechs Bücher laufen beim Piper-Verlag weiter – mit den unterschiedlichsten Vereinbarungen über das Honorar. Bei den ersten beiden Bänden aber stimme laut Rechtsanwalt Alexander Unverzagt die „Balance zum jetzigen Zeitpunkt nicht“.

Die Honorar-Staffelung für „Milchgeld“ und „Erntedank“ sieht so aus: Bis 20 000 verkaufte Exemplare fünf Prozent vom Nettoladenpreis; bis 40 000 Stück sechs Prozent; bei noch mehr verkauften Exemplaren sieben Prozent. Doch die Autoren möchten nach dem sogenannten „Bestseller-Paragrafen“ des Urheberrechts eine weitere Staffelgrenze: Ab 100 000 abgesetzter Titel soll es zehn Prozent vom Nettoladenpreis geben.

Die Aussichten der Allgäuer auf einen Nachschlag stehen allerdings schlecht. „Klar, man hätte durchaus mehr aushandeln können“, sagte der Vorsitzende Richter. Aber wenn man es nicht gemacht habe, dann heiße das noch nicht, dass das Honorar nicht angemessen ist. Bei Vertragsschluss hätten die Autoren schon gewusst, dass sie mit dem ersten Buch Erfolg hatten und dass auch das zweite Buch ein Erfolg werde – Kobr und Klüpfel waren zuvor bei einem kleinen Verlag unter Vertrag. Trotz dieses Kenntnisstandes hätten sie den strittigen Honorarvertrag unterschrieben. Auch ein Vorschuss müsse wohl eingerechnet werden. Darüber hinaus gibt es noch ein viel größeres Problem: Die Ansprüche sind wahrscheinlich schon verjährt. Das Gericht entscheidet im September.

Die Krimi-Autoren, die derzeit an Kluftinger-Band Nummer sieben schreiben, wollten den Prozess anschließend nicht kommentieren. Sie müssten die juristisch komplizierte Materie erst mit ihrem Anwalt besprechen. Eines ist ihnen aber klar geworden: „Wir wissen schon, warum unsere Bücher vor der Gerichtsverhandlung enden.“

Nina Gut

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