Der „DrugCop“: Das Stäbchen soll, wenn es fertig entwickelt ist, K.o.-Tropfen schon im Glas erkennen können. An der Technik arbeiten die Entwickler noch, einen Design-Entwurf gibt es aber schon.

Nürnberger entwickeln Warngerät

So funktioniert der K.o.-Tropfen-Melder

Nürnberg - K.o.-Tropfen sind heimtückisch: Sie machen Opfer willenlos, haben weder Farbe noch Geschmack und sind deshalb nicht erkennbar. Bis jetzt. Eine Erfindung aus Nürnberg soll helfen, die Tropfen schon im Getränk nachzuweisen. Sie könnte bald auf den Markt kommen.

Im Internet kann man die heftigsten Geschichten lesen. Von Frauen, die nach einer Partynacht in ihren Betten aufwachen, unbekleidet, und nicht mehr wissen, was zuvor passiert ist. Oder von Männern, die sich nachts im Wald wiederfinden, ausgeraubt – und ohne Erinnerung. Auch im Bekanntenkreis von Mirko Karafiat, 44, haben sich ähnliche Fälle zugetragen. Am Ende stellte sich heraus, dass seine Bekannten betäubt wurden, mit K.o.-Tropfen.

„Das ist ein weit verbreitetes Problem“, sagt der gebürtige Münchner Karafiat. Heute lebt der Marketing-Experte in Nürnberg und arbeitet dort mit einem kleinen Team aus Designern und Entwicklern an einem Gerät, mit dem sich die Tropfen schon im Getränk erkennen lassen. Bislang geht das nur mit Blut- oder Urintests, also dann, wenn die Tropfen im Körper sind.

Gemeinsam mit einigen Geschäftspartnern will Mirko Karafiat aus Nürnberg den „DrugCop“ auf den Markt bringen.

Karafiat und seine Partner nennen ihr Produkt „DrugCop“. Sein Prinzip ist einfach: Das lange Stäbchen wird wie ein Strohhalm ins Getränk gesteckt und bleibt dort. Ausgestattet mit einem intelligenten Sensor, soll es K.o-Tropfen binnen Sekunden feststellen. Zur Warnung leuchtet dann ein rotes Lämpchen auf.

Die Idee ist da, die Entwicklung braucht wohl noch etwas Zeit. Einer von Karafiats Geschäftspartnern hat inzwischen ein Design für das Stäbchen entworfen; an der Sensor-Technik will das Team nun arbeiten, wobei die Voraussetzungen längst geschaffen wurden. „Wir setzen auf ein Patent, das es schon gibt“, sagt Karafiat. Dabei handelt es sich nicht um ein chemisches, sondern um ein fotooptisches Verfahren, das die Tropfen auf molekularer Basis erkennt.

„Wir wollen, dass die Leute sich selbst schützen können“, sagt Karafiat. Denn die berüchtigten Tropfen, die umgangssprachlich Liquid Ecstasy heißen, sind heimtückisch. Niedrig dosiert, stimulieren sie und werden in manchen Kreisen wie eine Droge verwendet. In höheren Dosen wirken sie aber „wie ein Narkosemittel“, sagt der Münchner Toxikologe Florian Eyer. „Sie machen bewusstlos und führen zu Gedächtnisverlust.“ Im Dezember 2014 starb sogar ein junger Mann in Bamberg, nachdem er das Mittel, ohne es zu wissen, aus einer Flasche getrunken hatte (wir berichteten). Gefürchtet sind die Tropfen vor allem, weil sie willenlos machen. Opfer werden ausgeraubt oder missbraucht.

Wie oft das tatsächlich vorkommt, ist aber unter Experten umstritten. Verlässliche Fallzahlen gibt es nicht. Eine britische Studie bezeichnete den verbreiteten Gebrauch der Tropfen 2009 als „moderne Legende“. Auch Eyer ist vorsichtig. Beim Giftnotruf in München melden sich pro Monat dutzende Menschen, die glauben, jemand habe ihnen K.o.-Tropfen verabreicht. Nachweisen lässt sich das laut Eyer in vielleicht fünf Fällen. Das liegt unter anderem daran, dass die Tropfen nur maximal zwölf Stunden nach Einnahme nachweisbar sind. Oft haben die vermeintlichen Opfer aber auch einfach zu viel getrunken.

Der „DrugCop“ könnte die Unklarheiten von vornherein beseitigen – Karafiat glaubt daran. Immerhin haben er und seine Kollegen schon einen Investor an der Angel, der bereit wäre, 200 000 Euro zu zahlen. Das würde reichen, um den ersten Prototypen zu entwickeln. Trotzdem möchten Karafiat und Co. in den nächsten Wochen auch noch per Crowdfunding Geld einsammeln. Dann, sagt der Wahl-Nürnberger, zeige sich auch schnell, wie viele Menschen sich für den „DrugCop“ interessieren.

Wenn alles läuft, wie geplant, könnte das Gerät Ende des Jahres auf dem Markt sein. Es soll weniger als 100 Euro kosten.

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