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Ein Pater aus dem Chiemgau soll drei junge Männer betäubt haben. Das Stift Melk geht seit Bekanntwerden sehr offen mit den Vorwürfen um.

K.o.-Tropfen und Stalking

Schwerer Vorwurf gegen Pater aus dem Chiemgau

Traiskirchen - Im weltberühmten Stift Melk und der Pfarrei Traiskirchen herrscht seit Wochen Aufruhr um einen Pater aus dem tief katholischen Teisendorf im Chiemgau. Bei den Vorwürfen soll es um K.o.-Tropfen und Stalking gehen.

Pater Eberhard W. (46, Name geändert) soll sich das Vertrauen einer Familie erschlichen und drei junge Männer im Pfarrhof Traiskirchen sexuell angegangen haben – und die Liste der Vorwürfe geht sogar weiter: Verabreichung von K.o.-Tropfen, Stalking.

Eberhard W. hatte früher bei der Post gearbeitet, er holte dann laut seinen eigenen Angaben das Abitur nach, studierte an der LMU Philosophie und Theologie und arbeitete als Religionslehrer in Starnberg. Schließlich kam er im Jahr 2007 ins weltberühmte Benediktinerstift Melk, 2010 wurde er auch Pfarrer von Traiskirchen. Schon mit Beginn des Noviziats hatte er einen intensiven Kontakt zu einer Familie aufgebaut. Das berichtete Pater Dr. Jeremia Eisenbauer vom Stift während einer emotional geladenen Versammlung am Wochenende.

Dabei listete Eisenbauer außerdem auch auf, was Pater Eberhard zur Last gelegt wird: Dieser baute ein Vertrauensverhältnis zur Mutter von Lukas (heute 24) und Martin (heute 18) auf, regelmäßig wurde er nun trotz Missfallens des Vaters eingeladen. Aber im Sommer 2012 wünschte sich Lukas plötzlich keinen Kontakt mehr zum Pater. Warum?

Pater Eisenbauer, der auch Psychotherapeut ist, fand in Gesprächen mit Lukas heraus, dass der Pater dem jungen Mann sexuelle Angebote gemacht, ihn sogar attackiert haben soll. Lukas wollte das nicht, stellte den vermeintlichen Freund der Familie zur Rede. Zudem berichtete Lukas von „unerklärlichen Schlafzwang-Erlebnissen mit Erinnerungsverlust, Ausfalls- und starken Erschöpfungssymptomen.“ Diese Vorfälle beschrieb Lukas zunächst als ,Aussetzer‘, sie hätten sich während der Aufenthalte bei Pater Eberhard im Pfarrhof sowie auch bei einem Besuch des Paters im Ausland ereignet. Von ähnlichen Erlebnissen hätten auch Martin und ein Freund der beiden berichtet, die ebenfalls im Pfarrhof übernachtet hatten. Der Vater zeigte nun Pater Eberhard Ende Oktober an, die Kripo Wiener Neustadt ermittelt wegen Verdachts der „geschlechtlichen Nötigung“ sowie mehrfacher Körperverletzung.

Währenddessen kam heraus: Nachdem Lukas den Kontakt abgebrochen hatte, wurde er von dem 46-Jährigen unter Druck gesetzt. Pater Jeremia: „Er verfolgte Lukas im Juli und August via E-Mail und SMS, es war sehr aggressives Stalkingverhalten.“ Der Höhepunkt der Stalking-Attacken sei gewesen, als Pater Eberhard fingierte E-Mails schickte, in denen er sich als reale Personen im Umfeld von Lukas ausgab. Die Schrei­ben sollen einen ganzen Aktenordner füllen.

Die Mail-Attacken habe der Pater zugegeben, nachdem er mit den Fakten von Pater Jeremia konfrontiert worden war. Den Missbrauch weist Pater Eberhard aber zurück, er wurde in ein deutsches Kloster zur Besinnung geschickt. Von dort soll er sich aber wieder entfernt haben. Am Rande des Skandals klärte sich übrigens ein Rätsel: Der vor Jahren verschwundene Generalschlüssel des Stiftes Melk wurde wieder entdeckt – bei Pater Eberhard.

mc

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