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Backe, Backe, Kuchen – in vielen Grundschulen ist das schon heute im Lehrplan.

landfrauen-Initiative

Kochen und Backen wird in der Schule Pflicht

München – „Alltagskompetenz und Lebensführung“ – eine Aktion der Landfrauen hat das Kultusministerium aufgeschreckt. Ein eigenes Fach soll es zwar nicht geben, „verpflichtende“ Unterrichtsmodule aber schon.

Seit Monaten trommeln die Landfrauen, also die weibliche Abteilung im Bayerischen Bauernverband, für ein eigenes Unterrichtsfach. Denn nach Ansicht von Landesbäuerin Anneliese Göller ist es um die Lebenskompetenz vieler Schüler schlecht bestellt. Einkaufen, gesund Essen, der Umgang mit Geld, ja selbst beim Schuhbandl-Binden und der richtigen Bedienung eines Kehrbesens hapert es, stellten die Landfrauen fest. 50 000 Unterschriften haben sie schon gesammelt, um für ein eigenes Unterrichtsfach zu werben. Als erstes hatten sich vor zwei Wochen die Freien Wähler hinter diese Forderung gestellt, danach die SPD. Ehe das Thema Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) ganz entglitt und es im Wahljahr zu ernsthaften Verstimmungen zwischen CSU und den mehrheitlich doch konservativ gestimmten Landfrauen gekommen wäre, musste er handeln. Eilends verabschiedeten CSU und FDP vergangene Woche einen Landtagsantrag, in dem das Kultusministerium zur Vorlage eines Konzeptes aufgefordert wird. Ziel: Alltagskompetenz und Lebensökonomie soll in allen Schularten bis zur 10. Klasse „verpflichtender Unterrichtsgegenstand“ werden, ohne aber ein eigenes Schulfach zu sein.

Schon drei Arbeitstage später konnte Spaenle gestern Grundzüge eines Konzeptes präsentieren. Es gehe ihm beispielsweise um folgende Themen: „Wie gehe ich mit Geld um? Welches Produkt und welche Dienstleistung ist den Preis wert? Was kann ich mir leisten? Wie führe ich einen Haushalt? Wie ernähre ich mich gesund?“. Vieles gebe es schon heute in den Lehrplänen, die freilich jetzt fortgeschrieben und um verpflichtende Inhalte ergänzt werden müssten. Das Ministerium hat jetzt die Aufgabe, die Lehrpläne zu durchforsten.

Forderungen nach neuen Schulfächern wie etwa Säuglingspflege oder gar „Glück“ gebe es immer wieder, sagte Spaenle gestern. Doch das sei angesichts der Stundenbelastung der Schüler nicht machbar, weil dann auch die Frage beantwortet werden müsse, wo denn im Gegenzug gekürzt werden könne. „Ich kann das verstehen“, versicherte daraufhin die ehemalige Landesbäuerin und CSU-Landtagsabgeordnete Annemarie Biechl.

Auch Spaenles Parteifreundin Marlene Mortler, Bundestagsabgeordnete der CSU und Ehrenbezirksbäuerin Mittelfrankens, gab dem Minister die Absolution: „Das Klassenziel“ sei erreicht. Man müsse halt immer mehr fordern, als man erreichen könne, „sonst wäre das Thema ganz untergegangen“. Eine Absage erteilte Spaenle auch dem Wunsch nach einem verpflichtenden Bauernhof-Besuch für jedes Grundschulkind – was die Landfrauen mit Bedauern zur Kenntnis nahmen.

Dirk Walter

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