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Bayerns letzter König Ludwig III. auf einem Porträt im Museum der Bayerischen Könige in Hohenschwangau (Schwaben).

Neue Studie zu Ludwig III.

Hätte Bayerns letzter König die Monarchie retten können?

München - In seiner neue Studie "Das Haus Wittelsbach im Ersten Weltkrieg" untersucht Historiker Stefan März auch die Frage: Hätte Bayerns letzter König Ludwig III. die Monarchie retten können? Chancen, so meint März, habe es tatsächlich gegeben.

Am Ende ging es Schlag auf Schlag. Noch am 7. November 1918, zwei Tage vor Ausbruch der Revolution, hatten die nach Wilhelm II. benannten Königstöchter Wiltrud und Helmtrud – „die Trudls“, nannte sie der Volksmund – eine Heilige Messe besucht; ihr Vater, König Ludwig III., ging mit Lieblingshund „Bimbl“ spazieren. Das Abendessen in der Münchner Residenz verlief schon in gedrückter Stimmung. Die Königin zog sich bald schmerzverzerrt – Krebs – zurück. Draußen hörte man Rufe „Republik“, „Nieder mit der Dynastie“. Massendemonstrationen in der Stadt.

Postkarten-verdächtiges Motiv: König Ludwig III. posiert mit Hut und Wanderstock in freier Natur.

Noch freilich, so betont der junge Historiker Stefan März in einer neuen Studie„Das Haus Wittelsbach im Ersten Weltkrieg“ (Pustet Verlag, Regensburg, 39,95 Euro), hätte der König handeln können. Er hätte – gewiss ein wahnwitziges Unterfangen – Truppen zum bewaffneten Kampf gegen die Demonstranten sammeln können. Er hätte – schon realistischer – eindeutige demokratische Reformen verkünden können. Und er hätte zugunsten seines Sohnes, Kronprinz Rupprecht, immerhin ein Kriegsheld vergangener Schlachten, auf den Thron verzichten können. „All diese Entscheidungsmöglichkeiten wurden aber von Ludwig III. nicht wahrgenommen“, bilanziert der Historiker. Stattdessen floh der König mit seiner Entourage in drei Autos, deren aufgemalte Kronen hastig überstrichen wurden, Richtung Schloss Wildenwart am Chiemsee; und bald weiter bis über die Grenze nach Salzburg. Der König war in Sicherheit – doch 738 Jahre Herrschaft der Wittelsbacher in Bayern waren zu Ende.

In fünf Jahren, 2018, jährt sich zum 100. Mal der Ausbruch der Revolution in Bayern. Das Haus der Bayerischen Geschichte, so viel scheint jetzt schon klar, wird sich um eine Revolutionsfeier drücken; stattdessen soll – ausgerechnet am 200. Jahrestag der ganz und gar nicht demokratischen ersten bayerischen Verfassung im Mai 1818 – das Museum der Bayerischen Geschichte eingeweiht werden. Doch das abrupte Ende des Königreiches Bayern ist wahrlich eine ausführliche Betrachtung wert.

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Der Prinzregent und seine Gemahlin Marie Therese.

In der Rückschau, so schreibt Stefan März, scheine der Untergang der Monarchie nur folgerichtig. Doch März versucht, sich dieser beinahe zwingenden Logik zu entziehen. Konsequent fragt er in seiner voluminösen, über 500 Seiten starken Arbeit auch nach möglichen „Chancen des Königtums in der Moderne“. Hätte Bayern nicht wie Schweden oder England eine parlamentarische Monarchie werden können? So weit hergeholt scheint das nicht. Noch 1914, vor Ausbruch des Weltkriegs, hatte die Monarchie auch in weiten Teilen des bayerischen Bürgertums ein „beträchtliches – wenngleich nicht genau quantifizierbares – Prestige“. Durchaus nicht ungeschickt stellte sich Ludwig III. als modernerer Volkskönig dar; er unternahm Landesreisen, förderte sein Image durch biografische Festschriften und Bildpostkarten. Auch der Krieg änderte an dem positiven Image zunächst wenig, zumal dem bayerischen Kronprinzen Rupprecht als Chef der 6. Armee in Lothringen noch im August 1914 ein wichtiger Sieg gelang. Mitglieder des Königshauses wie Prinz Leopold („Eroberer von Warschau“) wurden angehimmelt, etwa vom Romancier und Kriegsberichterstatter Ludwig Ganghofer.

Doch mit der baldigen Erstarrung der Fronten und den blutigen Stellungkriegen im Westen bröckelte die königliche Autorität. Schwere Fehler waren, wie März zu Recht festhält, beispielsweise die öffentliche Erörterung der Kriegsziele durch Ludwig III., der etwa ganz Elsass-Lothringen für Bayern forderte. 1915 machte er in einer Rede vor dem bayerischen Kanalverein keinen Hehl aus seiner Freude, „mit unseren Feinden Abrechnung halten“ zu können. Auch wenn auf der Gegenseite zum Beispiel der kriegserfahrene Rupprecht vor den Schlachten in Verdun warnte (sich aber nicht durchsetzen konnte), öffentlich war deutlich, dass die Wittelsbacher keine Freunde eines wie immer gearteten „Verständigungsfriedens“ waren. Dessen Anhänger erhielten auch im Reichstag steten Zulauf. Gegen Ende kamen noch schwere symbolische Fehler dazu, wie März schreibt. Etwa eine pompöse fünftägige Goldene Hochzeit von Ludwig III. und Marie Therese im Februar 1918, während ringsherum in München gehungert und gestreikt wurde.

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Ohne militärische Niederlage hätten sich die Wittelsbacher wohl dennoch gehalten, meint März – eine Ansicht, die angesichts des entschlossenen und taktisch raffinierten Vorgehens der Leute um Bayerns ersten Ministerpräsidenten Kurt Eisner zum Widerspruch herausfordert. Wie auch immer: Am Ende blieb nur die Flucht. Doch wie andere Monarchen eine Verzichtserklärung zu unterzeichnen, vermied Ludwig III. „Bis zu seinem Lebensende“ 1921, so Historiker März, hoffte er halsstarrig auf eine Rückkehr auf den Thron.

Dirk Walter

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