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Wie spricht man Franz Herzog von Bayern richtig an?

Anrede für Franz Herzog von Bayern?

Ist er "Königliche Hoheit" oder "Herr von Bayern"?

München - Fürsten, Freiherrn und Barone – gibt es in Bayern eigentlich alles nicht mehr. Abgeschafft, seit der Revolution im Jahr 1918. Oder doch nicht so ganz? Eine kleine Adels-Titel-Kunde.

Bayerns oberster Wittelsbacher lädt kommenden Montag zum Festakt. Und so mancher Gast wird sich fragen: Verflixt, wie rede ich Franz Herzog von Bayern eigentlich an? Wäre Bayern noch eine Monarchie, wäre die Sache einfach: König Franz lädt zum Festakt. Aber nun? Wie heißt der Jubilar denn heute offiziell?

Die Anrede „Majestät“ scheidet aus; denn sie gebührt nur einem regierenden König oder Kaiser, und der letzte bayerische Herrscher war Ludwig III. (1913-1918), der Urgroßvater des Jubilars. Könnte man „Königliche Hoheit“ sagen? Diese Anrede war im alten, monarchischen Bayern für Mitglieder der königlichen Familie außer dem Herrscher üblich. Aber gibt es eine königliche Familie ohne König? Die Juristen verneinen dies; in dem von der Protokollabteilung des Bundesinnenministeriums ins Internet gestellten „Ratgeber für Anschriften und Anreden“ heißt es hierzu ganz undiplomatisch: „Anredeformen wie Königliche Hoheit, Hoheit, Durchlaucht und dergleichen haben keine rechtliche Grundlage“.

Verwirrung um Namen im Pass

Juristisch unstrittig ist aber der Name, der im Pass steht, nämlich: „Franz Herzog von Bayern“. Daraus ergibt sich die bürgerliche Anrede „Herr Herzog von Bayern“ oder – in Kurzform – „Herr von Bayern“. Beide Anreden sind kommunikativ nicht ideal, weil missverständlich: Ein „Herr Herzog von Bayern“ könnte auch ein Herr Herzog sein, der aus Bayern kommt, und wer am Telefon sich mit „von Bayern“ meldet, wird manchen Anrufer verwirren.

Nun sind Anreden gesellschaftliche Konventionen, keine Rechtsvorschriften. Die richtige Anrede hängt von der Sprechsituation ab. Man kann deshalb – ohne Monarchist zu sein – Franz Herzog von Bayern in bestimmten, formellen Situationen durchaus mit „Königliche Hoheit“ titulieren, um deutlich zu machen, dass er an der Spitze eines ehemaligen Herrscherhauses steht. Ein häufiges „Königliche Hoheit“ wirkt allerdings umständlich und altertümelnd – auch der englische Thronfolger Prinz Charles wird in der Regel nur bei der Begrüßung mit „Königliche Hoheit“ (Your Royal Highness) angesprochen, ansonsten mit „Sir“. Als geläufige Anrede für S.K.H. [Seine Königliche Hoheit] Franz Herzog von Bayern empfiehlt sich deshalb kurz und elegant: „Herzog Franz“.

Kein Pluralis Majestatis

Ob „Königliche Hoheit“ oder „Herzog Franz“ – das Anredepronomen bleibt in beiden Fällen „Sie“. Die indirekte Anrede in der dritten Person – „Haben Gnädige Frau noch einen Wunsch?“ – gehört einer vergangenen Epoche an. So beglückwünschte 1865 Cosima v. Bülow (die spätere Frau Richard Wagners) König Ludwig II. zu seinem 20. Geburtstag brieflich mit folgender Wortgirlande: „Darf ich es wagen, Eurer Majestät zu Allerhöchst-Deren Geburtsfeste mit untertänigstem Glückwunsche … mich zu nähern?“

Die deutsche Adelsanrede war – im Unterschied zur französischen oder englischen – nie einfach, aber bis 1918 eindeutig. Wer die richtige Titulatur nicht kannte, konnte sie nachschlagen: Von „Eure Kaiserliche Majestät“ für den deutschen Kaiser über „Eure Durchlaucht“ für einen Fürsten bis zum (brieflichen) „Eure Hochwohlgeboren“ für einen Herrn von X. Mit dem Ende der Monarchie in Deutschland verlor der Adel, vor allem der Hochadel, seine Vorrechte und öffentlichen Funktionen. Die Weimarer Reichsverfassung von 1919 bestimmte in Art. 109 „Alle Deutschen sind vor dem Gesetze gleich“ und folgerte daraus für den Adel: „Adelsbezeichnungen gelten nur als Teil des Namens und dürfen nicht mehr verliehen werden.“

Titel wurde Teil des Nachnamens

Es gibt also seit 1919 keinen neuen Adel mehr. Beim bestehenden Adel wurde der Titel Teil des Nachnamens. Was bedeutete dies? Nun, ein Name funktioniert sprachlich gesehen wie ein Etikett und hat an sich mit der bezeichneten Sache nichts zu tun: Wer „Müller“ heißt, ist in der Regel kein Müller, allerdings hatte einer seiner Vorfahren diesen Beruf. Ebenso ist „Franz Herzog von Bayern“ kein Herzog, der eine herrschaftliche Gewalt ausübt oder repräsentiert. Ein wirklicher Herzog würde „Herzog Franz von Bayern“ genannt. Seit 1919 steht deshalb der Adelstitel nicht mehr vor dem Gesamtnamen, sondern zwischen Vor- und Nachnamen, also: Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg, nicht Freiherr Karl-Theodor von und zu Guttenberg. Für den sogenannten „untitulierten“ Adel änderte sich nichts: Herr oder Frau von X heißen weiter so. Lediglich auf das „Eure Hochwohlgeboren“ mussten sie verzichten: Diese und ähnliche „Anreden, die einen Geburtsunterschied ausdrücken“ wurden 1926 in Deutschland für den dienstlichen Schriftverkehr abgeschafft.

In Österreich hat der Adel auch seine Namen verloren

In Österreich verlor 1919 der Adel nicht nur seine Vorrechte, sondern auch seine Namen. Im Adelsaufhebungsgesetz wurde der Namenszusatz „von“ verboten, ebenso alle Standesbezeichnungen (Ritter, Freiherr, Graf, Fürst, Herzog) und Adelsprädikate (Erlaucht, Durchlaucht, Hoheit). Otto von Habsburg (1912-2011), der Sohn des letzten österreichischen Kaisers, durfte sich deshalb in Österreich nur „Otto Habsburg“ nennen.

Bayern ist ein Land der Schlösser und Burgen, und deren Besitzer sind häufig titulierte Adelige: Prinzen, Grafen, Freiherren. Die Titel gehören in der Regel zum Nachnamen, entsprechend lautet die korrekte Anrede: Prinz/Graf/Freiherr (Baron) von X bzw. Prinzessin/Gräfin/Freifrau (Baronin) von Y; die allgemeine Höflichkeitsform Herr/Frau entfällt hier, sie ist ja schon im Titel enthalten. Weniger formell kann man den Titel mit dem Vornamen kombinieren: Prinz Albert, Gräfin Ursula, und informell genügt auch der Titel allein zur Anrede: Gräfin, Prinz, Baron.

Sonderfall Fürsten

Einen Sonderfall stellen die Fürsten dar. In Europa gibt es nur noch zwei souveräne Fürstentümer: Monaco und Liechtenstein. Die traditionelle Anrede eines regierenden Fürsten ist „Hoheit“ oder „Durchlaucht“ („durch und durch glänzend“). Deutschland hat seit 1919 keine regierenden Fürsten mehr; der Titel „Fürst“ wurde also hinfällig. Trotzdem wird der Fürstentitel inoffiziell weitergeführt, und bei einigen Titelträgern steht er sogar im Pass.

Die meisten sind allerdings nur „gefühlte“ Fürsten, ihr Titel steht nicht im Pass: Zum Beispiel heißt die Fürstin von Thurn und Taxis amtlich „Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis“; sie wird allerdings in und um ihren Stammsitz Regensburg allgemein als „die Fürstin“ bezeichnet.

„Diese Titelprobleme möchte ich auch gerne haben“, werden Herr X und Frau Y denken. Tatsächlich hatten sie diese Probleme schon – vor 750 Jahren: Damals bedeuteten mittelhochdeutsch herre (Herr) und frouwe (Frau) „Gebieter/in“ und waren ehrende Bezeichnungen für Adelige. Im Laufe der Zeit haben die Bürger diese Titel sich angeeignet. Sprachgeschichtlich gesehen gehören wir also alle zum Adel.

von Helmut Berschin *

* Helmut Berschin (Regensburg) ist emeritierter Professor für romanische Philologie.

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