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Schönau am Königssee

Großprojekt am Königssee gescheitert

Umstrittenes Hotel: Investoren geben auf

Schönau - Drei Jahre lang hatte ein umstrittenes Großprojekt den Ort Schönau in zwei Lager gespalten. Seit Dienstag steht fest: Die beiden geplanten Luxushotels am Königssee werden nicht gebaut. Den Investoren wurde der Widerstand der Gegner zu groß.

Bürgermeister Stefan Kurz ist frustriert – und er gibt es offen zu. Seit drei Jahren laufen Planungen, von denen er sich erhofft hatte, dass sie mehr Touristen an den Königssee locken. Zwei Vier-Sterne-Hotels sollten am Nordufer entstehen, sie sollten das kleine Schönau touristisch aufwerten – und etwas Luxus in den malerischen Ort bringen, der in den vergangenen Jahren viel zu viele Übernachtungsgäste verloren hat. Für die beiden Großprojekte hat Stefan Kurz viele Stunden geworben. Im Gemeinderat, bei Bürgerversammlungen. Seit Dienstagnachmittag steht fest: Alle Gespräche und alle Planungen waren umsonst. Die Investoren geben auf. Der Widerstand in Schönau war zu groß.

Der Bürgermeister kann die Entscheidung sogar nachvollziehen. „Die Planer wollten einfach kein Risiko eingehen, sie wollen nicht noch mehr Geld in ein Großprojekt investieren, das von Anfang an schlecht geredet wurde“, sagt er. Eine Bürgerinitiative hatte mehr als 800 Unterschriften gegen die Vier-Sterne-Hotels gesammelt, es wäre sehr wahrscheinlich zu einem Bürgerentscheid gekommen. Auch im Gemeinderat wurde der Gegenwind stärker, nachdem die beratende Städteplanerin Claudia Schreiber eine Simulation präsentiert hatte, wie die beiden riesigen Gebäudekomplexe am malerischen Seeufer aussehen würden.

Josef Größwang betreibt dort bereits ein Hotel. Er wollte den Familienbetrieb modernisieren, sein Hotel mit einem Neubau längs zum Seeufer um rund 60 Zimmer erweitern und auf ein 4-Sterne-Plus-Level anheben. Für diese Investition wollte der 34-jährige Betriebswirt einen Teil seines Grundstücks verkaufen – an einen Investor aus der Schweiz. Die N&F Königssee AG plante auf dem Areal für rund 50 Millionen Euro ein Parkhotel, drei Appartmentgebäude und zwei Geschäftshäuser. „Diese beiden Großkomplexe sind mit der kleinteiligen Bebauung entlang der Uferpromenade nicht vereinbar“, urteilte die von der Gemeinde engagierte Städteplanerin Schreiber. Sie sprach von einer „baulichen Fehlentwicklung“ und riet den Kommunalpolitikern eindringlich, den Planungen so nicht zuzustimmen. Die Entscheidung in der Sitzung war knapp – und nicht so, wie der Bürgermeister gehofft hatte. Neun Gemeinderäte stimmten für den Planungsentwurf Parkhotel, neun dagegen, der Einheimische Josef Größwang bekam für seinen Hotelanbau eine knappe Mehrheit. Doch das Votum gegen den Schweizer Investor bedeutete auch für ihn Stillstand. Bürgermeister Kurz führte erneut Gespräche – bis sein Gemeinderat die beiden Luxushotels schließlich doch absegnete.

Einige Wochen später ging die Diskussion aufs Neue los. Ein Gemeinderat warf der N&F Königssee AG unseriöse Machenschaften vor. Unter anderem kritisierte er, das geplante Hotel sei auf den Plänen bewusst kleiner präsentiert worden. „Rufschädigende Unterstellungen“, die völlig haltlos seien, sagt Projektplaner Florian Jennewein. Der N&F Königssee AG wurden Widerstand und Risiko endgültig zu groß. „Die öffentliche Wahrnehmung des Projekts ist beschädigt“, sagt Jennewein. Nach drei Jahren Arbeit und einer halben Million Euro Planungskosten beantragten die Schweizer Projektplaner, das Bebauungsplanverfahren einzustellen. Hotelbetreiber Größwang zog nach.

Bürgermeister Stefan Kurz macht sich keine Illusionen, was diese Entscheidung für Schönau und den Tourismus in der Region bedeutet. „An diesen Standort wird sich so schnell kein Investor mehr herantrauen.“

Katrin Woitsch

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