„Anlaufschwierigkeiten“

Chaos bei Air Berlin: Münchner Firma verbummelt Koffer

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Auf der Strecke gebliebene Koffer sind auf einer Reise immer ärgerlich. Doch ein Bodenabfertiger aus München macht Fluggäste gerade so richtig wütend.

München - Einmal von München nach Budapest und zurück – für nichts und wieder nichts. Arthur Moll aus Olching ist wütend. Am 3. April trat der 51-Jährige eine wichtige Geschäftsreise an. Zwar kam der Vertriebsingenieur in der ungarischen Hauptstadt an, nicht aber sein Gepäck mit wichtigen Messgeräten. Der Koffer blieb beim Umsteigen in Berlin-Tegel hängen.

Schuld an der Misere ist der Bodenabfertiger Aeroground, eine Tochterfirma des Flughafens München. Zum 25. März übernahm Aeroground auch in Berlin den Service – und kämpft seitdem mit „Anlaufschwierigkeiten“, sagt Flughafen-Sprecher Ingo Anspach. Das Problem: Personalengpässe. „Wir haben 40 Leute, die schon eingestellt, aber noch nicht einsatzbereit sind.“ sagt Anspach. Den Mitarbeitern würden noch die Zutrittsberechtigungen fehlen, denen eine strenge Sicherheitsprüfung vorausgeht.

Die Folge: Die anderen Mitarbeiter kommen mit der Gepäckabwicklung nicht hinterher, tausende Koffer werden nicht rechtzeitig verladen und stranden an den falschen Flughäfen, Flüge starten zu spät.

Fluggäste projizieren Ärger auf Fluggesellschaft

„Das ist sehr ärgerlich für uns und unsere Gäste“, sagt ein Sprecher von Air Berlin. Die Fluggäste projizieren zudem ihren Ärger auf die Fluggesellschaft – und nicht auf den Bodenabfertiger. Bei Air Berlin versteht man nicht, wie es soweit kommen konnte. „Das Auftragsvolumen war bekannt“, sagt der Air Berlin-Sprecher. „Aber die Firma kam mit zu wenig Personal.“ Auch die Geräte, mit denen sie arbeitet, seien veraltet. „Wir sind davon ausgegangen, dass Aeroground die gleiche Qualität wie in München liefert und wurden enttäuscht.“

An Ostern – wenn die Flughäfen oft Passagierrekorde verzeichnen – benötige man „eine merkliche Steigerung der Performance“, betont der Sprecher. „Leider können wir nicht garantieren, dass es zu einem normalen Tagesgeschäft kommt.“ Ingo Anspach vom Flughafen München verspricht: „Wir sind auf einem guten Weg und hoffen, dass es bald reibungsloser verläuft.“

Problem Gepäckabfertigung: Die Firma kommt mit der Arbeit einfach nicht nach.

Arthur Molls Koffer ist noch immer nicht aufgetaucht. „Ich werde Beschwerde einreichen“, sagt der Olchinger. Allein: Der Inhalt des Gepäcks lässt sich nicht so einfach ersetzen. Im Koffer befinden sich Messgeräte im Wert von 20.000 Euro. Und der nächste Geschäftstermin steht an.

Das bedeutet die Geheimsprache der Stewardessen

Wer haftet fürs Gepäck?

99 Prozent des Gepäcks taucht laut Air Berlin innerhalb von drei Tagen wieder auf – auch dank der individuellen Gepäckregistrierungsnummer. Generell gilt: Bei Verlust sollte man dies sofort am „Lost & Found“-Schalter des Flughafens melden. Wird das Gepäck gefunden, kommt die Airline für die Zustellung auf. Am Zielort ohne Gepäck angekommen, dürfen Fluggäste sich eine Ersatzausstattung zulegen, die Hygieneprodukte und Kleidung umfasst. Die Kosten erstattet die Airline – der Wert variiert jedoch von Anbieter zu Anbieter. Ist das Gepäck auch nach fünf Tagen nicht wieder aufgetaucht, übernimmt eine Gepäckermittlungszentrale die weitere Suche. Bleibt der Koffer verschollen, erstatten die Airlines den Verlust – der Höchstbetrag liegt jedoch meist bei 1200 Euro.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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