Großfahndung: 12-Jähriger nach Bayern-Spiel vermisst

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Kolkraben ernähren sich hauptsächlich von Aas. In Türkheim sollen sie mehrere Schafe getötet haben.

Kolkraben greifen Schafsherden an

Türkheim - Es erinnert an Hitchcocks Horror-Klassiker „Die Vögel“: Auf der Weide eines Schäfers im Allgäu abspielen töten dutzende Kolkraben angeblich reihenweise Lämmer.

Ausgepickte Augen, aufgerissene Leiber und herausgezogene Eingeweide – über 40 tote Lämmer und Mutterschafe. Das ist die traurige Bilanz, die der Türkheimer Schäfer Franz Rehle nach monatelangen Angriffen durch einen ganzen Schwarm von Kolkraben zieht. Bis zu 80 Vögel sollen es zeitweise sein, sagt der Schäfer, die über seiner Herde im Unterallgäu kreisen. „Das bedroht uns in unserer Existenz“, so Rehle.

Seit Herbst vergangenen Jahres werden seine Tiere immer wieder Opfer von Attacken durch die bis zu 70 Zentimeter großen Vögel. Vergangene Woche bat Rehle die schwäbischen Behörden um Hilfe. Da Kolkraben unter Artenschutz stehen, können die Vögel nicht ohne weiteres gejagt werden. Die Naturschutzbehörde genehmigte nach einer Prüfung vor Ort eine sogenannte Vergrämungsaktion. Drei Raben wurden daraufhin abgeschossen, die Schüsse auf Tonband aufgezeichnet, um sie später als Warnung wieder abspielen zu können. So sollten die Vögel verscheucht werden und auf der Weide von Franz Rehle Ruhe einkehren.

Doch nicht nur der Schäfer ist von dem Nutzen des Abschusses wenig überzeugt. Andreas von Lindeiner, Leiter des Referats für Artenschutz beim Landesbund für Vogelschutz in Hilpoltstein, hält diese Aktion für sinnlos: „Der Abschuss der Tiere ist unnötig. Kolkraben sind viel zu intelligent, als dass sie kurzfristig nicht Anpassungsstrategien finden würden, mit denen sie auf die Abschüsse reagieren.“ Das wirksamste Mittel gegen die Kolkraben sei der Entzug der Futterquelle. Rehle, der viele seiner Tiere mittlerweile nur noch in einer Halle hält, hat eine Biogasanlage in wenigen hundert Metern Nähe zu seiner Weidefläche in Verdacht. Dort fänden die Vögel das ganze Jahr über Futter, meint der Schäfer.

Josef Maier, der Betreiber der Anlagen, in der auch Lebensmittel vergoren werden, weist jegliche Schuld von sich. „Wir erfüllen alle Auflagen. Der Lkw fährt das Material in geschlossenen Behältern direkt in die Halle, dort wird es weiter verarbeitet.“ Das Bio-Material sei zu keiner Zeit zugänglich für die Vögel. Maier habe zudem eine behördliche Genehmigung, um Lebensmittel vergären zu dürfen. „Am Freitag war das Veterinäramt da und hat meine Biogasanlage als Futterquelle für die Kolkraben ausgeschlossen“, sagt der Anlagen-Betreiber.

Kolkraben attackieren immer wieder Tiere auf Weiden, jedoch äußerst selten gesunde Tiere. Vogelexperte von Lindeiner verweist auf Studien, die sich mit solchen Angriffen beschäftigen. In den allermeisten Fällen handele es sich bei angegriffenen Tieren demnach um solche, die vorher bereits geschwächt oder verletzt gewesen wären. Das seien Zweitgeburten oder durch Parasiten geschwächte Tiere. Auch Nachgeburten stehen auf dem Speiseplan der Kolkraben. Aber: „Die meisten Kontakte zwischen Raben und Weidetieren sind friedlicher Art.“

Dass die Attacken auf Franz Rehles Weide aber ungewöhnlich intensiv und häufig zu sein scheinen, will der Experte nicht abstreiten. „Normalerweise kommen die Tiere paarweise vor, hier haben wir es aber mit 50 bis 80 Stück zu tun.“

Von Patrick Wehner

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