In Regensburg

Kommentar zum Flüchtlingsprotest: Nach hinten losgegangen

  • schließen

München - Der Protest der Roma-Flüchtlinge in Regensburg endete mit einer Strafanzeige. Warum vor allem die Drohung eines Mannes der Sache geschadet hat: ein Kommentar von Katrin Woitsch.

Seit fünf Wochen protestieren in Regensburg Asylbewerber aus Balkanstaaten gegen ihre Abschiebung. Sie haben Schutz unter dem Dach der Kirche gesucht und bekommen. Das Bistum hat die Familien mit kleinen Kindern im Pfarrheim einquartiert, versorgt und versucht, in Gesprächen zu vermitteln – um den Protest ohne Zwangsmaßnahmen aufzulösen. Vielleicht hat dieses besonnene Vorgehen in den Menschen unbeabsichtigt falsche Hoffnungen geweckt. Denn es gab nie eine realistische Chance, dass ihre Forderungen erfüllt werden. Dann wäre Regensburg ein Präzedenzfall – und es würde nicht lange dauern, bis in anderen Kirchen andere Asylbewerber protestieren.

Hinter diesem Protest steckt nicht nur Hoffnung, sondern vor allem Verzweiflung. Die ging soweit, dass ein Vater sogar drohte, sich und seine kleine Tochter anzuzünden, sollte die Familie abgeschoben werden. Auch wenn er sich dafür entschuldigte – die Drohung hat viel kaputt gemacht: die Geduld der Kirche, die Sympathien vieler Flüchtlingshelfer, vor allem aber das Verständnis für die schwierige Situation der Roma-Flüchtlinge. Der Versuch, Kinder zu instrumentalisieren, um ein Bleiberecht zu erpressen, kann nur nach hinten losgehen. Und er lässt sich mit Verzweiflung nicht entschuldigen. Dadurch ist die Protestaktion nicht nur wirkungslos geblieben – sondern hat sogar anderen Flüchtlingen geschadet.

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Friederike“ wütet: Feuerwehr gibt Entwarnung, aber: Zug- und S-Bahnstrecken bleiben teilweise gesperrt
Sturmtief Friederike erreicht Bayern - genau zum Jahrestag von Orkan Kyrill aus dem Jahr 2007. In unserem Newsblog halten wir Sie auf dem Laufenden.
„Friederike“ wütet: Feuerwehr gibt Entwarnung, aber: Zug- und S-Bahnstrecken bleiben teilweise gesperrt
Das macht Sarah Lombardi in einem 300-Einwohner-Ort bei Passau
Sarah Lombardi wurde bekannt durch DSDS und geriet dann mit dem Rosenkrieg mit Ex-Mann Pietro Lombardi in die Schlagzeilen. Jetzt kommt sie in eine Dorfdisko im Kreis …
Das macht Sarah Lombardi in einem 300-Einwohner-Ort bei Passau
Mit Braubursche nach Berlin: Bayerns Schaufenster für die Welt
Am Freitag beginnt in Berlin die Grüne Woche, 400.000 Besucher werden erwartet. Auch der Freistaat will mit Weißwürsten, Milchbar und regionalem Bier Appetit auf Bayern …
Mit Braubursche nach Berlin: Bayerns Schaufenster für die Welt
Straßenbeiträge sollen fallen - doch es gibt ein Problem
Die umstrittenen Straßenausbaubeiträge sollen fallen - so will es nun auch ganz offiziell die CSU im Landtag. Davon profitieren sollen auch Anlieger, vor deren Haustür …
Straßenbeiträge sollen fallen - doch es gibt ein Problem

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion