In Regensburg

Kommentar zum Flüchtlingsprotest: Nach hinten losgegangen

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München - Der Protest der Roma-Flüchtlinge in Regensburg endete mit einer Strafanzeige. Warum vor allem die Drohung eines Mannes der Sache geschadet hat: ein Kommentar von Katrin Woitsch.

Seit fünf Wochen protestieren in Regensburg Asylbewerber aus Balkanstaaten gegen ihre Abschiebung. Sie haben Schutz unter dem Dach der Kirche gesucht und bekommen. Das Bistum hat die Familien mit kleinen Kindern im Pfarrheim einquartiert, versorgt und versucht, in Gesprächen zu vermitteln – um den Protest ohne Zwangsmaßnahmen aufzulösen. Vielleicht hat dieses besonnene Vorgehen in den Menschen unbeabsichtigt falsche Hoffnungen geweckt. Denn es gab nie eine realistische Chance, dass ihre Forderungen erfüllt werden. Dann wäre Regensburg ein Präzedenzfall – und es würde nicht lange dauern, bis in anderen Kirchen andere Asylbewerber protestieren.

Hinter diesem Protest steckt nicht nur Hoffnung, sondern vor allem Verzweiflung. Die ging soweit, dass ein Vater sogar drohte, sich und seine kleine Tochter anzuzünden, sollte die Familie abgeschoben werden. Auch wenn er sich dafür entschuldigte – die Drohung hat viel kaputt gemacht: die Geduld der Kirche, die Sympathien vieler Flüchtlingshelfer, vor allem aber das Verständnis für die schwierige Situation der Roma-Flüchtlinge. Der Versuch, Kinder zu instrumentalisieren, um ein Bleiberecht zu erpressen, kann nur nach hinten losgehen. Und er lässt sich mit Verzweiflung nicht entschuldigen. Dadurch ist die Protestaktion nicht nur wirkungslos geblieben – sondern hat sogar anderen Flüchtlingen geschadet.

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

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