Zwischen Amoklauf und Terror

Kommentar: Kühler Kopf nach der Würzburger Attacke

München - Auch wenn es schwerfällt: Die brutale Tat von Würzburg sollte mit kühlem Kopf beurteilt werden – ohne die Flüchtlingspolitik in Bausch und Bogen zu denunzieren. Ein Kommentar von Dirk Walter.

Das wenige, was wir über den Täter wissen, eignet sich nicht für schnelle Aha-Effekte nach dem Motto „das musste ja so kommen“. Eher im Gegenteil. Es irritiert: Der Täter war vielleicht auf dem besten Weg, integriert zu werden. Er lernte offenbar in einer Kleinstadt Deutsch und hatte sogar eine Pflegefamilie gefunden, die ihn privat aufnahm. Von einem islamistischen Fanatiker würde man eher das Gegenteil erwarten: den Rückzug ins städtische Ghetto, die Verweigerung von Integrationsangeboten. So lauteten bisher jedenfalls die Warnungen.

Der Bundesinnenminister sprach von einer Attacke „zwischen Amoklauf und Terror“. Und er hat ja Recht: Die Würzburger Tat erinnert auch an Amokläufe von Schülern – Winnenden, Erfurt oder Ansbach. Aber natürlich steckt eine andere Motivation dahinter – nicht pure Gewaltphantasie oder Rachegelüste für Schul-Versagen, sondern eine diffuse islamistische Radikalpolitisierung. Diffus deshalb, weil der Täter ja offenbar innerhalb von Tagen zum Fanatiker mutierte. Ein Mittel dagegen ist Kümmern, ist Reden und Unterrichten. Vielleicht sollte man zumal mit jungen Flüchtlingen auch über den IS reden, bevor die Feindbilder verschwimmen. Vielleicht sollte man nicht immer gleich Traumatisierung annehmen und sich selbst Aufklärungs-Tabus auferlegen. Das müssen Experten beurteilen. Fest steht: Die vielen ehren- oder hauptamtlichen Flüchtlingshelfer dürfen sich nicht erschüttern lassen. Ihre Arbeit bleibt unendlich wertvoll.

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

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