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Tierquälerei oder nicht? Der Streit um die Kuhglocken schlägt hohe Wellen.

Streit ums Gebimmel

Kommentar zum Kuhglocken-Verbot: Das Argument der Tradition zieht nicht

München - Tierschützer halten Kuhglocken für Tierquälerei und wollen ein Verbot. Dagegen wettern Landwirte und Tourismusverbände. Geht es diesen bei dem Streit wirklich um die Tradition?

Laufställe, Kühe ohne Hörner, Traktoren für 250.000 Euro: In der bayerischen Landwirtschaft ist vieles nicht mehr so, wie es anno dazumal war. Darüber mag der eine weinen, der andere lachen. Aber auch an der Landwirtschaft geht der Fortschritt nicht vorbei.

Kaum geht es aber um Kuhglocken und jetzt um ein mögliches Verbot, melden sich die Traditionalisten. Der Stolz der Almhirte komme in ihnen zum Ausdruck, tönt der Vorsitzende des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu, Franz Hage. Und von der Tourismusgesellschaft Allgäu heißt es: "Vielen Wanderern im Allgäu würde etwas fehlen".

Genau da liegt doch der Hund begraben: Gerne wird Touristen ein heimeliges Bergbauern-Idyll vorgegaukelt, das es schon gar nicht mehr gibt. Die Kuhglocke als Gralshüter der Tradition. Doch auch da wird getrickst. So bekommen bei der Viehscheid die Rinder gerne mal Kränze aufgesetzt - auch wenn auf der Alpe ein Tier im Sommer umkam. Da zählt das Fotomotiv für die Touristen mehr als alle Tradition. Denn nach dieser gibt es nach Unfällen keinen Kranzschmuck.

Sollten Wissenschaftler wirklich nachweisen, dass die Glocken bei den Tieren Stress verursachen und damit Tierquälerei sind, dann gehören die Bimmeln abgeschafft. Per GPS lässt sich eine verloren gegangene Kuh ohnehin viel besser orten, unsere fortschrittlichen Landwirte haben ohnehin fast alle Smartphones.

Das Argument "das war schon immer so, das bleibt auch so" zieht bei Kuhglocken also nicht. Denn wenn dem so wäre, dann müsste jeder Landwirt noch mit der Sense mähen.

Mark Bihler, Allgäuer und begeisterter Bergsportler (wo er des Öfteren auf Kühe mit Glocken trifft)

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