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Merkur-Autor Dirk Walter.

Bakterienfund bei Sieber

Kommentar zum Wurst-Skandal: Bayern-Ei lässt grüßen

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Geretsried - Im Fall Sieber stehen die Ermittlungen noch ganz an Anfang. Merkur-Autor Dirk Walter fühlt sich aber nach dem Bakterien-Fund in der Wurst schon jetzt an den Skandal bei Bayern-Ei erinnert.

Vor Vorverurteilung sollte man sich hüten. Aber wenn sich der Verdacht erhärtet, dass Wurstwaren eines mittelständischen Unternehmens über Jahre hinweg (!) Krankheiten ausgelöst haben, dann wirft das erneut ein ganz schlechtes Licht auf die Lebensmittelkontroll-Behörden des Freistaats. Droht da ein zweiter Fall Bayern-Ei?

Gemessen an der Zahl der Todesfälle wiegt der Ausbruch von Listeriose sogar noch schwerer. Jedenfalls stellen sich bei acht Toten bundesweit bohrende Fragen. Zum Beispiel die, wann endlich etwas an den Kontrollmechanismen geändert wird. In die Wege leiten muss das Umweltministerin Ulrike Scharf, die den Fall Bayern-Ei noch nicht vollständig aufgearbeitet hat, der aber jetzt erneut eine unappetitliche Affäre vor die Füße fällt. Letztlich ist das Rufschädigung für den Standort Bayern, der auf seine Agrarerzeugnisse doch meist so stolz ist. Doch Scharf ist sicherlich nicht allein verantwortlich, denn auch in der Amtszeit ihrer Vorgänger gab es handfeste Lebensmittelskandale – genannt seien nur die Stichworte Müller-Brot oder Berger-Wildfleisch. 

Der Kumpanei vorbeugen

Eine Schlussfolgerung liegt schon länger nahe – da hat der SPD-Experte Florian von Brunn Recht: Die Kontrollen müssen unabhängig durchgeführt werden. Es darf also nicht sein, dass stets derselbe Mitarbeiter vom Landratsamt in den Betrieb geschickt wird – schon um Fällen von Kumpanei vorzubeugen. Dass es das gibt, zeigt der Fall Bayern-Ei, wo ein und derselbe Straubinger Amtstierarzt fünf Jahre lang dieselbe Geflügelfabrik kontrollierte (und prompt, so der Verdacht, Kontrollen an das Unternehmen verriet). Im Fall Geretsried stehen die Ermittlungen noch ganz an Anfang – und die Liste an Fragen ist lang.

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