Kommentar zum Arbeitsverbot für Asylbewerber

Neue Probleme geschaffen

München - Die neue Weisung der Staatsregierung bedeutet für viele Flüchtlinge in Bayern ein Arbeitsverbot. Das schafft Frust, Neid - und Probleme, mit denen die Kommunen allein gelassen werden. Ein Kommentar.

Für Flüchtlinge, die auf ihren Asylbescheid warten, war es schon bisher nicht einfach, Arbeit zu finden. Es ist denen gelungen, die die Sprache schnell gelernt, die Zuverlässigkeit und Engagement bewiesen haben – und auch ihnen oft nur, weil sie Menschen kannten, die ihnen beim Bewerbungen schreiben halfen oder ihnen Kontakte zu Arbeitgebern vermittelten. Künftig ist es nicht mehr von Fleiß und Können abhängig, wer einen Job oder einen Ausbildungsplatz bekommt. Sondern von einem Kriterium, das sie nicht beeinflussen können: von ihrer Herkunft.

Durch die neue Regelung wird etwa jeder dritte Flüchtling in Bayern keine Arbeitserlaubnis mehr bekommen. Die Staatsregierung will dadurch bevorzugt die Asylbewerber, die sehr wahrscheinlich bleiben werden, an Betriebe vermitteln. Das klingt im ersten Moment sinnvoll – aber nur im ersten Moment. Nichts spricht dagegen, die Menschen, die sich bemüht und Arbeit gefunden haben, arbeiten zu lassen. Sie sind nicht mehr auf Sozialleistungen angewiesen, zahlen sogar ins Sozialsystem ein. Sie nutzen die noch immer lange Verfahrensdauer sinnvoll, statt frustriert in den Unterkünften zu sitzen. Einige von ihnen sind selbst mit schlechter Bleibeperspektive Jahre in Deutschland. Die Probleme, die durch Frust und Neid zweifellos entstehen werden, muss nicht die Staatsregierung lösen, sondern wieder die Kommunen und die Helfer vor Ort. Sie werden von der neuen Linie überrumpelt – und mit den Folgen allein gelassen.

Katrin Woitsch

Rubriklistenbild: © Klaus Haag

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