Gerichtsverhandlung

Kommentar zum Glockenstreit: Gott sei Dank geeinigt

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Glockengeläut indes ist eine jahrhundertealte christliche Tradition. Trotzdem gibt es immer wieder Streit vor Gericht. In solchen Fällen sind gütliche Einigungen anzustreben, kommentiert Merkur-Redakteurin Claudia Möllers.

Ist Glockengeläut eine vom Gesetz geschützte Lebensäußerung einer Religionsgemeinschaft oder eine Lärmbelästigung? Vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof landete ein Streit zwischen einer katholischen Familie und einer evangelischen Kirchengemeinde. Zu früh und zu laut ist den Katholiken das evangelische Geläut. Mit salomonischer Weisheit und Umsicht hat der Verwaltungsgerichtshof auf eine gütliche Einigung gedrängt. Jetzt wird die Glocke gedämmt, dafür darf sie häufiger läuten. Eine Vereinbarung, die ganz nach dem Muster der Streitkultur aus „Don Camillo und Peppone“ stammen könnte.

Wichtiges Kriterium bei der juristischen Betrachtung ist, ob diese „Lebensäußerung“ einer Religionsgemeinschaft „ortsüblich“ ist. Ein Argument, das bislang im christlichen Bayern gegen den Gebetsruf vom Minarett spricht. Denn im Prinzip wäre auch der Gesang des Muezzins von der im Grundgesetz verankerten Religionsfreiheit gedeckt. Aber ortsüblich ist er nun wirklich nicht. Glockengeläut indes ist eine jahrhundertealte christliche Tradition, selbst wenn das Umfeld säkularer wird. Doch auch für Glocken gibt es keinen Freifahrtschein. Ruhezeiten und Emissionsschutz müssen eingehalten werden. Insofern ist im Einzelfall zu entscheiden. Am besten mit einer gütlichen Einigung.

Rubriklistenbild: © dpa

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