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Stefan Sessler

Kuhglocken-Streit vor Gericht

Kommentar zum Kuhglocken-Streit vor Gericht: Tierisch laut

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Mit dem Zuzug von Menschen werden auf dem Land plötzlich Dinge hinterfragt, die früher selbstverständlich waren. Wie das Bimmeln von Kuhglocken. Doch das ist nur ein Symptom für etwas anderes, meint Redakteur Stefan Sessler.

Wenn immer mehr Menschen nach Oberbayern ziehen, weil es hier Jobs und Natur gibt. Wenn ehemals überschaubare Gemeinden ein Neubaugebiet nach dem anderen ausweisen, dann stellen sich plötzlich merkwürdige Fragen: Kann eine Kuh zu laut sein? Und: Kann denn Muhen Sünde sein? Plötzlich werden Dinge hinterfragt, die früher selbstverständlich waren.

In Schlehdorf hat sich vor einiger Zeit eine Frau bei der Gemeinde beschwert, weil Kühe vor ihrem Haus „einen unerträglichen Krach“ machten. Am Donnerstag klagte ein Hausbesitzer aus Holzkirchen vor dem Landgericht gegen eine Bäuerin. Der Vorwurf: zu laute Kuhglocken. Ähnliche Fälle gibt es überall. Manchmal sind es Rindviecher, die zu viel Lärm machen, manchmal Nachbarsgockel, manchmal sogar Nachbarskirchenglocken.

Lautstärke ist dabei oft nur ein Symptom: Es wird enger in Bayern. Aber auch hier gilt der gesunde Menschenverstand: Wenn ein Städter aufs Land zieht und sich über Kühe beschwert, dann ist er in Schwabing besser aufgehoben als im Oberland. Wenn ein Bauer aber eine andere Möglichkeit hat – Nachtweide, GPS-Sender, kleine Glocken –, dann sollte er die Möglichkeit nutzen, schon aus Nächstenliebe. Obwohl er sich natürlich mit gutem Recht auf jahrhundertealte Traditionen berufen könnte. Doch es ist auch so: Bayerns Richter haben meistens Wichtigeres zu tun, als tagelang Tiergeräusche zu beurteilen. Courage zeigt hier, wer die Kuh ohne den Staat vom Eis bringt.

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