Frustrierte Flüchtlingshelfer

Kommentar: Aufrichtige Anerkennung

  • Katrin Woitsch
    vonKatrin Woitsch
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Der Korb des Innenministers Joachim Herrmann war für viele Asylhelfer in Bayern wie eine Ohrfeige. Die CSU setzt mit dieser Haltung viele Wählerstimmen aufs Spiel. Ein Kommentar.

Demonstrationen von Asylhelfern gab es noch nicht oft. Das hat einen einfachen Grund: Sie haben genug anderes zu tun. Deutschkurse, Bewerbungen schreiben, Arzt- und Behördengänge mit Flüchtlingen – in letzter Zeit waren sie außerdem damit beschäftigt, Fragen zu beantworten, auf die sie selbst keine Antworten haben. Das Arbeitsverbot und die Abschiebungen nach Afghanistan machen vielen Flüchtlingen schwer zu schaffen. Abfangen müssen den Frust und die Verzweiflung die Helfer vor Ort.

Viele der tausend Menschen, die sich mit Protestschildern unter der Bavaria versammelt haben, sind für ihr Engagement geehrt worden. Aber Urkunden reichen nicht. Die Ehrenamtlichen haben Bayerns Innenminister um ein Gespräch gebeten, weil sie ihre Argumente und Erfahrungen vortragen wollten. Und um Antworten auf die Fragen zu bekommen, die ihnen in Flüchtlingsheimen tagtäglich gestellt werden. Herrmanns Absage mit der Begründung, er habe keine Zeit, war wie eine Ohrfeige.

Es sind nicht nur sehr viele Wählerstimmen, die die CSU mit dieser Haltung zu verlieren droht – Stimmen, die es wert wären, um sie zu kämpfen. Es geht vor allem um die Motivation der Menschen, ohne die Integration nicht funktionieren kann. Sie müssen ernster genommen werden – das wäre eine aufrichtige Anerkennung ihrer Arbeit.

Rubriklistenbild: © Schlaf

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