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Dirk Walter.

Grenzen des Wachstum

Kommentar zum wilden Bauboom in Oberbayern: Ohne Steuerung

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Auf die „Grenzen des Wachstum“ wies vor über 40 Jahren der legendäre Club of Rome hin. Heute, in Zeiten des XXL-Baubooms made in Oberbayern, wäre so eine Streitschrift erneut angebracht. Die Region platzt fast, so ungezügelt ist der Boom. Ein Kommentar.

Gewerbegebiete, monotone Einfamilienhauskolonien und ein wildes Gestrüpp von Erschließungs- und Umgehungsstraßen prägen die neue Wachstumseuphorie. Es ist ein egoistisches Wachstum, von dem jede Stadt, jeder Bürgermeister und jeder Landrat möglichst viel abbekommen will. Meist ist es doch so: Erst buhlt man ums Gewerbe, am besten noch mit Tankstelle und Discounter am Ortseingang, später um Wohnungen, ganz am Schluss wird dann mit Ach und Krach mit Kindergärten und Schulen das Bevölkerungswachstum „gemeistert“ (oder auch nicht).

Dagegen regt sich Widerstand – zu Recht! Ob nun bei neuen Gewerbe- oder den am Zeichentisch entworfenen faden Wohngebieten (die die gewachsenen Dörfer aushöhlen) – es fehlt die Koordination. Von Absprache keine Spur – oft nicht einmal auf Landkreisebene. Eine Sonderrolle nimmt die Landeshauptstadt ein, die die Landkreise zu Wohnraum-Reserven, zu Pendler-Lieferanten degradiert. Es gibt kein gemanagtes Wachstum. Eine übergeordnete Steuerung aber wäre Aufgabe der Landespolitik, etwa des Wirtschafts- und des Verkehrsministeriums, vielleicht auch des Bezirks, der hier jeden Gestaltungswillen vermissen lässt, und des kaum bekannten (kraftlosen) Regionalen Planungsverbands. Sie alle gemeinsam hätten auch für eine intelligente, umweltschonende Verkehrssteuerung zu sorgen. Noch so ein Punkt: Allein mit einer zweiten Stammstrecke ist es nicht getan.

Es muss kein Wachstums-Moratorium her, wie es der Club of Rome einst wollte. Aber der Wildwuchs, wie er sich momentan abzeichnet, darf so nicht weitergehen.

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