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In fast allen Bundesländern wird das G8 in Frage gestellt.

Initiativen formieren sich

Kommt das G9-Volksbegehren im Juni?

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München - In Deutschland trommeln immer mehr Initiativen für das neunjährige Gymnasium. In Bayern haben die Freien Wähler einen Zeitplan für ihr Volksbegehren skizziert.

Beinahe in allen Bundesländern wird das G8 wieder in Frage gestellt. „Man merkt, da ist einiges im Fluss“, sagt der Münchner Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Michael Piazolo. Er nahm gestern an einer gemeinsamen Vorstellung von G9-Initiativen in verschiedenen Bundesländern teil.

 „Das Treffen diente dem Informationsaustausch“, sagt Piazolo. „Man kennt sich jetzt und wir werden sicher den ein oder anderen nach Bayern einladen.“ Mit etwa zehn Veranstaltungen in allen Regierungsbezirken wollen die Freien Wähler in den kommenden Wochen für ihr Volksbegehren „Ja zur Wahlfreiheit zwischen G9 und G8“ werben.

Und zugleich zeigen, dass sie damit einen Trend aufgreifen, der bundesweit bemerkbar ist. „Die Eltern lassen nicht locker“, meint auch Hans-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands und Schulleiter in Deggendorf. „Die Regierungen tun gut daran, diesen Bevölkerungswillen nicht zu ignorieren.“

G8 als "Konstruktionsfehler"

In einer gemeinsamen Erklärung der Initiativen, die gestern in Berlin Flagge zeigten, wird das G8 als „Konstruktionsfehler“ bezeichnet. Es gebe „kein einziges pädagogisches Argument“ dafür. Eine breite Bevölkerungsmehrheit, 70 oder 80 Prozent, sei gegen das G8. Eine „breite Bewegung“ in den Bundesländern für das G9 sei bemerkbar.

In der Tat:

- In Hessen sind 39 der 107 Gymnasium zum G9 zurückgekehrt. 22 weitere Schulen werden es zum nächsten Schuljahr tun.

- In Baden-Württemberg gibt es 44 Modellschulen, die wieder G9 anbieten.

- In Schleswig-Holstein bieten elf von 99 Gymnasien das G9 an, vier weitere betreiben G8 und G9 parallel.

- In Nordrhein-Westfalen sind bisher nur 13 der 630 Gymnasien zum G9 zurückgekehrt. Allerdings sind in NRW die Gesamtschulen Vorreiter der Entwicklung – 252 dieser in Bayern kaum verbreiteten Schulen bieten das G9 an.

- In Rheinland-Pfalz gab es das G8 nie flächendeckend. Stattdessen gibt es G8-Ganztags-Gymnasien.

- In Niedersachsen hat sich eine Expertenkommission für das G9 ausgesprochen. „Alle Parteien sind jetzt dafür“, berichtet Piazolo.

- In Hamburg sammelte eine „Elterninitiative G9 jetzt“ Unterschriften. Sie plant eine Volksinitiative, das ist in etwa vergleichbar mit einem Volksbegehren in Bayern.

Auch die Entwicklung in Bayern schreitet voran. Kurz nach der Europawahl (25. Mai), also im Juni oder Juli, dürfte die zweiwöchige Eintragungsfrist für das von den Freien Wählern beantragte Volksbegehren anberaumt werden. Er rechne nicht damit, dass das Innenministerium das Volksbegehren als rechtlich unzulässig zurückweisen werde, sagte Piazolo. Es gebe „Signale“ aus der Staatsregierung. Falls dem so ist, müssten sich zehn Prozent der Wahlberechtigten bayernweit – also fast eine Million – für das G9 aussprechen, damit das Begehren Erfolg hat. Piazolo fordert, dass die Rückkehr zum G9 rückwirkend auch für Fünft- und Sechstklässler möglich wird.

Parallel dazu bereitet der Bayerische Philologenverband ein eigenes G9-Konzept vor, auf das offenbar auch die CSU gespannt wartet – mit dem Hintergedanken, das Konzept als Blaupause zu verwenden und den Freien Wählern so das Wasser abzugraben. Einen ersten Entwurf soll es schon in Kürze geben.

Meidinger warnte gestern aber davor, das G9 in Bayern „mit heißer Nadel“ zu stricken. Es dürfe keine Rückkehr zum alten G9 geben, vielmehr ein gründlich überdachtes neues G9. Insgesamt sei aber eine „Entschleunigung“ des Gymnasiums einfacher zu bewerkstelligen als eine „Beschleunigung“.

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