Kommt jetzt die Deutsche Bahn zum Zug?

Wird die Nürnberger S-Bahn nun doch nicht britisch?

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Nürnberg/München - Paukenschlag bei der Nürnberger S-Bahn: Die Vergabe an ein privates Unternehmen, die britische National Express, ist gestoppt. Kommt jetzt doch die Deutsche Bahn zum Zug?

Ab 2018, so hatte es die dem Innenministerium unterstellte Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) eigentlich entschieden, sollte der S-Bahn-Verkehr in Nürnberg nicht mehr von der Deutschen Bahn, sondern von „National Express“ (NX) betrieben werden. Das britische Unternehmen wollte dafür tschechische Skoda-Züge beziehen – ein Investment im dreistelligen Millionen-Bereich.

Das ist zunächst vom Tisch. Die bei der Regierung von Oberbayern angesiedelte Vergabekammer gab dem Einspruch der DB recht. National Express habe geforderte „Erklärungen und Nachweise nicht so abgegeben“, wie das für alle Bieter vorgegeben sei.

„Das ist ein guter Tag für die Beschäftigten der DB Regio Franken“, jubelte gestern die SPD, die die Vergabe an die Briten von jeher kritisch beäugt hatte. Schließlich ist National Express nicht an Tarifverträge gebunden, wie sie für die 450 DB-Beschäftigten in Nürnberg gelten. Ein Dumping-Unternehmen, das den soliden Eisenbahnbetrieb in Bayern kapert – so sahen es viele, auch wenn die BEG und CSU-Verkehrspolitiker wie Erwin Huber die Entscheidung eisern verteidigten.

Nürnberg S-Bahn: "Entscheidung kam überraschend"

Für die Nürnberger S-Bahn hatte sich neben DB und NX auch das britische Unternehmen „Go-Ahead“ beworben. Der Stopp der Vergabe bedeutet nicht automatisch, dass einer der beiden unterlegenen Anbieter zum Zuge kommt. Sowohl BEG als auch NX können binnen zweier Wochen Einspruch gegen die Entscheidung der Kammer einlegen – und werden das wahrscheinlich auch tun. „Die Entscheidung kam sehr überraschend“, sagt BEG-Sprecher Wolfgang Oeser.

Die Begründung umfasst 46 Seiten, ausschlaggebend für den Stopp der Vergabe – so sehen es Insider – waren eher formale Gründe. Wenn Einspruch erfolgt, käme es zu einem Prozess beim Oberlandesgericht München. Die Expansionspläne von National Express, das sich auch um den Rhein-Ruhr-Express in Nordrhein-Westfalen beworben hat, haben jedoch vorerst einen Rückschlag erlitten.

Rubriklistenbild: © dpa

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