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Noch trägt er Handschellen: Doch die Chancen auf Freiheit für den verurteilten Kinderschänder Markus W. stehen gut. Dabei halten ihn die Gutachter für gefährlich.

Kommt Sextäter Markus W. frei?

Taufkirchen/Pfaffing - Die Staatsanwaltschaft will, dass Sextäter Markus W. nach verbüßter Haft in Sicherungsverwahrung kommt. Doch er wird wohl frei kommen. Obwohl ihn vier Gutachter noch immer für gefährlich halten.

Markus W. (34), ein verurteilter Kinderschänder, gibt vor Gericht den Geläuterten. Mit grauem Jacket und gekämmtem Haar sitzt er auf der Anklagebank und erzählt den Richtern bis ins kleinste Detail von seinem „Selbsterkennungsprozess“ in der Haft. Er sehe sich jetzt selbst als „Seelenmörder“. Früher habe er in sexuellen Fantasien mit Kindern geschwelgt, jetzt bremse er sich, wenn solche Gedanken aufkommen: „Ich sage dann: ,Stopp, Gefahr!“ Doch so therapiert wie er sich gibt, ist Markus W. lange nicht. Vier Gutachter, die am Donnerstag vor Gericht aussagten, halten den pädophilen Schwarzwälder nach wie vor für gefährlich. Der Psychiater Dr. Matthias Hollweg stellt eine „noch weit überwiegend negative Prognose“.

Die Erfolgschancen der Staatsanwaltschaft sind gering

Wegen der Gefahr, die von dem Täter ausgeht, will die Staatsanwaltschaft München I, dass Markus W. nach verbüßter Haftstrafe nachträglich in Sicherungsverwahrung kommt. 2005 hatte ihn das Landgericht München I in einem schnellen Verfahren ohne psychiatrisches Gutachten wegen des Missbrauchs zweier Kinder zu fünf Jahren Haft verurteilt – hätte man ein Gutachten eingeholt, so wäre Markus W. wohl noch immer in der Psychiatrie. Er hatte sich in Taufkirchen (Kreis München) als „Babysitter“ in eine Familie mit drei Töchtern eingeschlichen und ein 17 Monate altes Mädchen schwer missbraucht. Außerdem gestand er, dass er sich im Sommer 2004 auch an einem elfjährigen Buben in Pfaffing (Kreis Rosenheim) vergangen hatte.

Doch die Erfolgschancen der Staatsanwaltschaft sind gering. Die Hürden für eine nachträgliche Sicherungsverwahrung liegen hoch. Neben der Gefährlichkeit müssten seit seiner Verurteilung im Jahr 2005 „neue Tatsachen“ bekannt geworden sein. Die Staatsanwaltschaft sieht diese durchaus. So seien die psychischen Störungen von W. beim Prozess 2005 nicht in vollem Umfang erkennbar gewesen. Das Gericht habe damals außerdem davon ausgehen können, dass Markus W. in der Haft therapiert wird.

Markus W. will Entschädigung für Zeit in Haft

Doch nach fünf Jahren Gefängnis stehe fest: „Herr W. ist nicht therapiert“, sagt Staatsanwältin Sandra Brenner in ihrem Plädoyer. Die Pädophilie des Mannes sei nie behandelt worden. An irgendetwas war jede Therapie gescheitert. „Die Pädophilie hat sich noch mehr manifestiert“, betont die Staatsanwältin. Markus W. habe auch erst vor wenigen Wochen eingesehen, dass er den Elfjährigen sexuell missbraucht hat. Zuvor schwadronierte er davon, dass der Bub den Kontakt gesucht habe.

Der Verteidiger von Markus W., Claus Karwat, plädiert dagegen für die Freiheit des 34-Jährigen. Es gebe keine neuen Tatsachen. Alles was man jetzt weiß, habe man auch schon 2005 gewusst. Die Pädophilie und die Persönlichkeitsstörung von W. seien aktenkundig gewesen – auch wenn das Gericht damals in der Verhandlung nicht darauf eingegangen war.

Auch Markus W. selbst fordert seine Freiheit. Außerdem will er für die Zeit, die er seit verbüßter Haft eingesperrt ist, entschädigt werden. Im Gefängnis hatte er sich bereits überlegt, sich kastrieren zu lassen – um seine Chancen auf Entlassung zu verbessern. Aber die stehen auch ohne Kastration nicht schlecht.

Das Urteil fällt am Montag.

Von Nina Gut

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