Kommt Vanessas Mörder bald frei?

Augsburg - Zehn Jahre ist es her, dass Michael W. in Gersthofen die kleine Vanessa (12) ermordet hat. Jetzt hat er seine Strafe abgesessen – ob er tatsächlich raus darf, entscheidet ab Freitag das Landgericht.

Sie muss ihn bald wieder sehen. Nach so langer Zeit. Ihn, den Mörder ihrer Tochter Vanessa, die nur zwölf Jahre alt wurde. Romana Gilg stehen schwierige Tage bevor. Vor dem Augsburger Landgericht beginnt am Freitag ein Prozess um die nachträgliche Anordnung der Sicherungsverwahrung. Vor fast genau zehn Jahren, in der Nacht auf Faschingsdienstag, hatte der junge Mann in Gersthofen bei Augsburg die Schülerin mit 21 Messerstichen umgebracht. Damals war er 19 Jahre alt. Michael W., der bei dem Mord als Tod verkleidet war, erhielt zehn Jahre Haft – die Höchststrafe im Jugendstrafrecht.

Seit Rosenmontag hätte der heute 30-Jährige frei sein müssen. Doch die Staatsanwaltschaft hat eine nachträgliche Sicherungsverwahrung beantragt. Gleich drei Gutachter halten den Metallbau-Azubi weiterhin für gefährlich und seine Entlassung in die Freiheit für unverantwortlich. Augsburgs Leitender Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz sagte: „Wir glauben, dass die Gefährlichkeit von damals, als er mit Totenmaske das Mädchen mit unzähligen Messerstichen tötete, weiter fortbesteht.“

Vanessas Mutter Romana Gilg wird im Schwurgerichtssaal 101 Michael W. gegenüber sitzen. Sie sagte der tz: „Ich bin neugierig auf seine Veränderung. Und ob er die Verantwortung dafür tragen wird für das, was er getan hat.“ Was bislang vom Inhalt der Gutachten durchgesickert ist, würde ihre Hoffnung auf die nachträgliche Sicherungsverwahrung bekräftigen. „Denn es darf kein neues Opfer durch ihn geben. Es darf nicht sein, dass wieder irgendjemand ermordet wird.“ Falls die Gutachten aber zu einem ganz anderen Schluss kommen? Dann könnte sie damit leben, dass Michael W. in Freiheit gelangt.

Anwalt vertritt auch mutmaßlichen Doppelmörder von Krailling

Im Prozess wird Michael W. vom Münchner Anwalt Adam Ahmed verteidigt. Er vertritt derzeit auch den mutmaßlichen Doppelmörder von Krailling. Im Fall Michael W. ist Ahmed überzeugt: „Er hat seine zehn Jahre Strafe abgesessen, damit ist die Sache erledigt.“ Selbstbewusstsein schöpft der Anwalt aus einem ähnlichen Fall, den er erfolgreich bis vor das Bundesverfassungsgericht brachte: Die nachträglich angeordnete Sicherungsverwahrung für den Kelheimer Joggerinnenmörder, der derzeit wieder in Regensburg vor Gericht steht, wurde vom Bundesverfassungsgericht einkassiert.

Anwalt Ahmed sagt: „Ich bin der Meinung, dass mein Mandant nicht auf Grundlage eines Gesetzes bestraft werden kann, das es bei der Verurteilung noch gar nicht gab.“ Denn beide wurden nach Jugendstrafrecht verurteilt – und erst 2008 schuf der Bundesrat die Möglichkeit, solche Täter ebenfalls in der Sicherungsverwahrung wegzusperren.

Ein Urteil wird nach sechs Verhandlungstagen am 27. April erwartet.

mc/mm

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