„Es kommt zu weiteren Streiks“

München - Bei eisigen Temperaturen mussten bundesweit tausende Fahrgäste auf den Bahnsteigen ausharren. Der zweite Warnstreik der Lokführer hat auch in Bayern für Verspätungen und Ausfälle gesorgt. Die GDL lässt die Muskeln spielen.

Von Thomas Schmidt

München - Schon zum zweiten Mal in dieser Woche hat die Lokführer-Gewerkschaft ihre Macht demonstriert. Von 8.30 Uhr bis 11.30 Uhr sollten möglichst viele Züge geparkt bleiben. In Bayern folgten rund 300 Zugführer dem Ruf der GDL. Am stärksten betroffen war erneut die S-Bahn in Nürnberg.

Pendler in München kamen vergleichsweise glimpflich davon. Die Deutsche Bahn meldet Verspätungen von 5 bis 10 Minuten. Trotz einer Reihe von bestreikten Zügen habe man den 20-Minuten-Takt weitgehend einhalten können, so die DB. Lediglich zwischen Dachau und Altomünster fand während des Streiks kein Zugverkehr statt. Uwe Böhm, GDL-Chef in Bayern, spricht hingegen von rund 70 Prozent Ausfällen bei der Münchner S-Bahn in der letzten Streikstunde. Lediglich die Linien zum Flughafen habe man absichtlich nicht bestreikt.

Nicht nur bei der S-Bahn, auch im Regionalverkehr kam es zu massiven Problemen. Die Bahn meldet Ausfälle im Werdenfels und auf einzelnen Strecken in Oberfranken und Mittelfranken. Der Fernverkehr war ebenfalls betroffen. Hier mussten Reisende noch bis in den späten Abend hinein mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen, da die betroffenen Züge und das Personal erst nach einigen Stunden wieder an den vorgesehenen Einsatzstellen zur Verfügung standen.

Aus Sicht der GDL war es ein erfolgreicher Tag, bestätigt Böhm. Angeblich seien bundesweit 80 Prozent der Züge ausgefallen oder waren verspätet. Die Bahn kritisiert den Warnstreik hingegen als „überflüssige Machtdemonstration“ und fordert die GDL auf, die Verhandlungsangebote endlich anzunehmen. „Statt unverzüglich weiter zu verhandeln, setzt die GDL ihre Irrfahrt fort“, schimpft DB-Personalvorstand Ulrich Weber.

Kritik kommt auch von der „Aktion Münchner Fahrgäste“. Die Arbeitsniederlegung hatte „für die Fahrgäste gravierende Auswirkungen“, teilt Sprecher Andreas Nagel mit. Die Vorwarnzeit sei viel zu knapp gewesen. Der Fahrgast-Verband fordert, Streikaktionen mindestens 48 Stunden im voraus anzukündigen. „Das wird es nicht geben“, stellt GDL-Chef Böhm klar. „Der Arbeitgeber soll ja auch ein bisschen ins Schwitzen kommen.“

Es ist ein Balanceakt für die GDL. Einerseits will man Härte demonstrieren, andererseits nicht alle Sympathien bei den Fahrgästen verspielen. „Wir wollen nicht die Pendler treffen. Eigentlich wollen wir die Fahrgäste gar nicht treffen“, beteuert GDL-Vorsitzender Claus Weselsky. Womit sie in den kommenden Tagen rechnen müssen, das will man nicht verraten. „Es wird auf jeden Fall zu weiteren Streiks kommen“, droht Bayern-Chef Böhm. Wann, wo und wie lange - das könne er nicht sagen.

Die GDL kämpft vor allem für flächendeckende Tarifstandards auf dem Niveau der DB. Davon würden vor allem die Lokführer bei der DB-Konkurrenz profitieren, die weniger verdienen. Kurios: Die Bahn kritisiert, dass allen voran sie von Warnstreiks getroffen wird. Dabei sei es doch die DB, die die Messlatte für die Bezahlung der Lokführer hochlege.

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