Der angeklagte Schönheitschirurg Carl August Max F. (l) am Montag mit seinem Verteidiger in einen Saal des Amtsgerichts Würzburg.

Prozess um OP-Fehler: Schönheitschirurg bestreitet Vorwürfe

Würzburg - Mit einer Kosmetikerin an der Seite hat ein Schönheitschirurg in Würzburg jahrelang operiert - bis bei einer Bauchstraffung etwas schief ging.

Nun muss sich der heute 76-Jährige vor dem Amtsgericht Würzburg verantworten, weil er bei der Operation eines damals 30-Jährigen absichtlich eine Wundkompresse im Bauch des Mannes gelassen haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Arzt Körperverletzung, Betrug und versuchten Betrug in drei Fällen vor. Zum Prozessauftakt legte der Angeklagte am Montag ein Teilgeständnis ab, am Mittwoch könnte bereits das Urteil gegen den Mediziner gesprochen werden.

"Sie wurde mir vorgestellt als Spezialistin für Wundversorgung", sagte der Arzt über die Kosmetikerin. "Sie hat mir fünf bis sechs Jahre assistiert. Ich habe sie ausgebildet." Die 44-jährige Frau hingegen erklärte, sie habe keine medizinische Ausbildung erfahren. "Ich habe nicht assistiert, sondern nur zugereicht."

Bei der Bauchstraffung im August 2004 habe der Angeklagte ihr vorher erklärt, er wolle ein Titannetz in den Bauch einlegen, sagte die Kosmetikerin. Laut Anklage soll die Frau den Mediziner während der OP darauf hingewiesen haben, dass im Körper des Patienten noch eine Kompresse ist. Der Chirurg aus Düsseldorf habe diese allerdings im Körper des Kranken gelassen und die Wunde vernäht. Das Opfer litt später unter Schmerzen und musste erneut operiert werden. Der 76-Jährige sagte, dies sei keine Kompresse gewesen, sondern eine sogenannte Gaze - ein dünner Stoff, der nach einer Operation im Körper verbleiben könne.

Der Chirurg hatte jahrelang eine Praxis in Würzburg betrieben -"Zentrum für ästhetische Medizin" genannt. Im kommenden Februar steht der Angeklagte wegen grober Fehler bei einer Brustvergrößerung erneut vor Gericht. Der Mediziner muss sich seit Montag außerdem wegen Betrugs verantworten. Der Mann soll im März 2005 einen Notarzt veranlasst haben, ihn wegen einer angeblichen Erkrankung in die Intensivstation am Uniklinikum Würzburg einzuweisen. Damit wollte der heute 76-Jährige wahrscheinlich einer Festnahme durch die Polizei entgehen. In der Klinik soll der Arzt angegeben haben, dass er versichert sei -dies stimmte nicht. Bis heute wartet das Klinikum darauf, dass der Mediziner seine Behandlungskosten bezahlt.

dpa

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