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Hier kam es zu dem Drama

Wie konnte der Streit nur so eskalieren?

Aichach/Augsburg - In Aichach ist ein Mann mit einer Axt auf diesen 24-Jährigen losgegangen. Die Polizei erschoss den Angreifer. Wie konnte der Streit nur so eskalieren?

In der Aichacher Gartenstraße herrschte am Sonntagnachmittag richtig Ruhe. Ali T. schlief vor, er sollte bald Nachtschicht machen. Ein Anwohner räumte derweil sein Auto aus, er war auf einem Kurztrip in Kroatien gewesen. Dann fuhr Ramazan Ö. (24) seinen Seat um die Ecke und parkte wie gewöhnlich vor dem Genossenschaftshaus, an dem die Farbe seit Jahren verblasst. Minuten später kam es hier zu einer Tragödie – wegen einer Nichtigkeit. Ein Anwohner, Giorgio A. (47), rastete wegen des vor dem Haus abgestellten Wagens völlig aus, er griff mit einer Axt Ramazan Ö. an. Die Polizei wurde gerufen – und einer der Beamten erschoss bei einem weiteren Angriff den tobenden Mann. Die Staatsanwaltschaft Augsburg geht von Notwehr aus: „Er war vor dem tödlichen Schuss mit der Axt auf die Beamten losgegangen.“

Wie konnte ein Streit nur so eskalieren? Giorgio A. wohnte schräg oberhalb von Ramazan. Der 47-Jährige soll öfters vor den Häusern auf- und abgelaufen sein. „Richtig rumgetigert“, wie Anwohner sagen. Früher war Giorgio, der aus Bosnien stammt und in der Gegend auch Geschwister hat, recht bekannt gewesen: Er führte bis 1998 eine Kneipe. Doch das ist eben eine Zeit her, es kam die Scheidung dazwischen, es kam der Verlust der Kneipe, es begann ein sozialer Abstieg. Ab und zu kam eine Betreuerin von der Caritas vorbei, doch psychisch ging es ihm nicht besonders, was er die Nachbarn spüren ließ. „Oft hat er rumgebrüllt“, erzählt einer. Die Drei-Zimmer-Wohnung, in der er lebte, ist zwar mit 300 Euro Kaltmiete günstig, doch das gesamte Ensemble hat eine Sanierung mehr als nötig. Im Keller hängt noch die Hausordnung von 1950 – und wie man sich in der Waschküche verhalten soll. Im Original!

Dieser Mann ist von seinem Nachbarn angegriffen worden

Als Ramazan einparkte, „da hat Giorgio A. gleich von oben zu mir geschrien: ,Jetzt komm ich!‘“ Dann sei er auch schon aus dem Haus gestürzt, die Axt in der Hand. „Die war so lang“, sagt ein Anwohner, und breitet die Arme aus, als wolle er die Größe eines Wallers erklären. „Der will mir die Autoscheibe einschlagen“, dachte sich Ramazan. Er sprang aus dem Seat, lief zwei Häuser weiter und schloss sich hinter der Haustür ein. Von dort rief er die Polizei. Giorgio stand davor und drosch mindestens dreimal mit der Axt auf das Holz der Tür. Ramazan: „Die Polizei sagte, ich soll bloß nicht aus dem Haus rausgehen.“ Eine Streife kam, zwei Polizisten gingen zu Giorgio A. hinauf, der sich inzwischen in seiner Wohnung verbarrikadiert hatte. Ein Anwohner hörte Gebrüll, und dann dreifaches Krachen. Ein Krachen musste vom Schuss aus der Dienstwaffe stammen, andere Geräusche vielleicht von der Axt.

Nach dem Schuss blieb ein Beamter laut Zeugen in der Wohnung, der andere lief raus. Unterstützung wurde gerufen — die Rettung! Giorgio A. lebte noch. Der Schütze, ein Polizist um die 40, habe bestürzt gewirkt. Ein Anwohner: „Der war total niedergeschlagen.“ Auch der Bruder des Getöteten war „völlig fertig. Ich kann mir das nicht erklären, ich werde gegen die Polizei juristisch vorgehen“, sagte er der tz. Ramazan Ö., der nur sein Auto abgestellt hatte, befand sich bei der Polizei, als um 23.30 Uhr die Todesnachricht kam. Wie es ihm dabei gegangen sei? „Was soll man da schon sagen?“, fragt der junge Mann zurück.

Markus Christandl

Hier hat sich das Drama ereignet

Nach Axt-Attacke: Polizist erschießt 47-Jährigen

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