In Tütchen werden die Kräutermischungen angeboten. foto: rk

Konsum gefährlicher Kräuter-Drogen steigt in Bayern

Erlangen - Kräutermischungen sind die neuen Modedrogen. Die Tütchen tragen exotische Namen wie „Lava Red“ oder „Bonzai Winter Boost“ und sehen harmlos aus. Ihr Konsum nimmt in Bayern zu.

Jüngste Fälle zeigen, wie gefährlich die Kräuter wirklich sind. Ein 18-Jähriger betritt in der Erlanger Innenstadt einen sogenannten Headshop, in dem Zubehör für die Cannabis-Szene angeboten wird. Er kauft ein Päckchen Kräutermischung, deklariert mit der Aufschrift „Nur zum Verräuchern“. Der junge Mann verlässt den Laden und dreht sich einen Joint - den Tabak mischt er mit den Kräutern. Nach dem Konsum bricht er zusammen. Erst am nächsten Morgen kommt er im Krankenhaus wieder zur Besinnung. Es ist nur ein Fall, der sich Ende vergangenen Jahres in Bayern ereignet hat. Wie die Polizei in Nürnberg mitteilt, sind allein im Raum Erlangen sieben Menschen in den letzten Monaten kollabiert, nachdem sie Kräutermischungen konsumiert hatten. In ganz Bayern steige der Konsum von Kräutermischungen, teilt das Landeskriminalamt (BLKA) in München mit. Besonders oft seien Menschen unter 25 Jahren betroffen.

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Der Konsum kann folgenschwer enden. Oft enthalten die Mischungen synthetische Wirkstoffe, die zu lebensgefährlichen Herz-, Kreislauf- oder Nervensystemstörungen führen können. „Kunden wissen nicht, was sie da kaufen“, warnt ein Sprecher des BLKA. Besonders tückisch sei die Gefahr der Überdosierung. „Es gibt sogar innerhalb eines Päckchens große Schwankungen im Wirkungsbereich.“

Oft ist der Konsum nicht nur gesundheitsgefährdend, sondern auch strafbar. Viele synthetische Cannabinoide, die in den Mischungen enthalten sind, fallen unter das Betäubungsmittelgesetz. In anderen Fällen greift das Arzneimittelgesetz. Der Verkauf synthetischer Cannabinoide ist danach strafbar, der Konsum legal. Erst sobald ein Konsument die Kräuter weitergibt, drohen Geld- und Haftstrafen.

Staatsanwaltschaft und Polizei gehen in Bayern vor allem gegen Händler vor, die mit dem Verkauf der Kräutermischungen viel Geld verdienen. Die Tütchen werden oft in Asien bestellt und in Deutschland mit einer Gewinnspanne von bis zu 300 Prozent für zehn bis 15 Euro weiterverkauft. In München, Augsburg und Nürnberg wurden laut BLKA in den vergangenen Monaten Läden durchsucht. Allein in München hat das Rauschgiftdezernat im Januar 670 Kräuter-Päckchen sichergestellt.

von Manuela Dollinger

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