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Riskante Leere in den Corona-Testzentren: Nachfrage geht dramatisch zurück – Folgen für den Herbst

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Von: Katrin Woitsch

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Eine Helferin im Testzentrum hängt einen Hinweis auf, dass Corona-Tests nicht mehr kostenlos sind
Ab jetzt kostenpflichtig: Seit die Corona-Tests drei Euro oder mehr kosten, ist die Nachfrage stark gesunken. © DPA

In den Corona-Testzentren ist kaum noch etwas los, seit das Testen nicht mehr für alle kostenlos ist. Immer mehr Zentren fahren ihr Angebot runter oder hören ganz auf. Das könnte zum Problem werden.

München – Firat Avutan und seine Kollegen müssen manchmal viel Zeit totschlagen. Es gibt Tage, an denen kommen gerade einmal 25 Personen ins BRK-Testzentrum in Ingolstadt. „Vor ein paar Monaten waren die Warteschlangen noch lang“, erzählt Avutan. Doch seit der Bund Ende Juni die Corona-Testverordnung geändert hat und die Tests nicht mehr für alle kostenlos sind, ist nicht mehr viel los.

Die Arbeitstage sind für Avutan und sein Team deshalb aber nicht einfacher geworden. Denn sie müssen die Tests in vielen Fällen nun abrechnen – und vorab die Testgründe erfragen. „Früher haben sich viele vorsorglich testen lassen“, erzählt er. „Inzwischen kommen vor allem Menschen, die Symptome haben oder fürchten, sich anzustecken.“

Das macht sich auch bei der Positivrate bemerkbar, berichtet das Rote Kreuz. Am Freitag, den 15. Juli, wurden in den BRK-Zentren im Freistaat 2324 Menschen auf das Coronavirus getestet. 272 davon waren infiziert. Am 15. Dezember sahen die Zahlen noch ganz anders aus: 16 732 Tests und 47 davon mit positivem Ergebnis.

Corona-Teststationen stellen den Betrieb wegen sinkender Nachfrage ein

Mit der geänderten Testverordnung hat der Bund auch den Anteil gekürzt, den die Zentrumsbetreiber für Material und Honorar abrechnen können. Das allein würde es schon schwer machen, kostendeckend zu arbeiten, erklärt Avutan. Wenn dann an einem Tag kaum noch getestet wird, lohnt sich der Betrieb gar nicht mehr. „Wir können ja nur pro Test abrechnen“, erklärt er. In Ingolstadt will das BRK dennoch weitermachen.

Wir müssen um jeden froh sein, der sich noch testen lässt.

Firat Avutan

Sehr viele andere Teststationen haben den Betrieb aber bereits eingestellt. „Es rechnet sich nicht mehr“, sagt BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi. Aus fast allen Zentren bekommt er die Rückmeldung, dass es kaum noch möglich sei, kostendeckend zu arbeiten. Früher konnten sie 3,50 Euro pro Test abrechnen, inzwischen nur noch 2,50 Euro. „Ein qualitativ guter Test kostet 2,80 bis 3 Euro“, erklärt Taheri-Sohi. „Dazu kommt die Schutzausrüstung.“

Corona: Infektionen würden bei günstigeren Tests nicht mehr zuverlässig erkannt

Das BRK werde auch weiterhin an den hochwertigen Test-Kits festhalten, betont er, fürchtet aber, dass das nicht alle tun werden. Private Anbieter müssten noch viel mehr auf die Wirtschaftlichkeit achten. Er fürchtet, dass viele Infektionen nicht mehr so zuverlässig erkannt werden könnten, sollten vermehrt kostengünstige Test-Kits eingesetzt werden – und die Getesteten sich in falscher Sicherheit wiegen. Zum Beispiel, bevor sie Senioren im Pflegeheim besuchen.

Sorgen bereitet ihm aber vor allem, dass sich viele Menschen kaum noch testen lassen. Die Zahlen pendeln sich seit Anfang Juli auf niedrigem Niveau ein. Die Infektionszahlen steigen jedoch deutlich – in vielen Regionen sogar in vierstellige Höhen. Firat Avutan aus Ingolstadt fragt sich oft, was im Herbst sein wird. Viele Mitarbeiter-Verträge für die Testzentren werden nun beendet, Mietverträge aufgelöst. Er kann sich nicht vorstellen, dass Zentren, die jetzt runtergefahren werden, im Herbst wieder öffnen.

„Wir haben unsere Personalzahl bereits auf mehr als die Hälfte reduziert“, sagt er. Das Testen hat den Bund viel Geld gekostet, Avutan kann verstehen, dass die Bundesregierung abwägen muss, wie lange sie das finanzieren kann. Doch er hatte auf ein anderes Ergebnis gehofft. Denn er fürchtet, dass für einige nun auch der finanzielle Faktor eine Rolle spielt. „Wir müssen doch um jeden froh sein, der sich testen lässt.“

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