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Der zu unrecht inhaftierte Stephan Schober wird bei der Ankunft bei seinem Arbeitgeber von der Belegschaft und seinem Chef in Lichtenfels mit Plakaten und Applaus empfangen.

"Das ist der Horror": Kraftfahrer 25 Tage unschuldig in U-Haft

Lichtenfels - Auch nach der Haftentlassung ihres Kollegen kochen bei den Mitarbeitern und der Firmenleitung der Lichtenfelser Spedition Kraus & Pabst die Emotionen hoch. 25 Tage saß Stephan Schober unschuldig in der Nürnberger Justizvollzugsanstalt.

Am vergangenen Freitag konnte der 43-Jährige endlich wieder seine Frau Elke und seine beiden Kinder in die Arme schließen. Bei seiner Rückkehr in den Betrieb am Montag wird er gefeiert wie ein Held. Zugleich erheben Betriebsrat und Firmenleitung schwere Vorwürfe gegen die Justiz in Schwabach und Nürnberg.
Auf Transparenten äußern Schobers Kollegen ihren Unmut. Sie reden von einem Justizskandal und einem Willkürakt. "Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Die kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen." Schober und sein Anwalt Wolfgang Stretz behalten sich rechtliche Schritte von Dienstaufsichtsbeschwerden bis zu Schadenersatzklagen vor.

Betriebsratsvorsitzender Harald Kober spricht von "einer Schweinerei, wie sie im Buche steht".
Hintergrund ist ein Bagatell-Unfall am 17. April in der Nähe von Schwabach. Ein Lastwagen der Lichtenfelser Spedition soll ein parkendes Auto angefahren haben. Der Sachschaden: 2500 Euro.

Am 6. Oktober wird der Fall vor dem Amtsgericht Schwabach verhandelt. Schober wird als Zeuge vernommen. Er bestätigt, dass er neben seinem Kollegen, dem Fahrer Werner Vosswinkel, im Führerhaus saß - und nichts von einem Unfall bemerkt hat. Die Frau des Pkw-Besitzers gibt dagegen an, dass nur ein Mann im Lastwagen saß. Schober wird noch im Gerichtssaal wegen uneidlicher Falschaussage und Verdunklungsgefahr festgenommen.
Erst dreieinhalb Wochen nach dem Prozess später bestätigt ein Lackgutachten, dass der Lastwagen der Spedition Kraus & Pabst als Unfallverursacher ausscheidet. Schober, gegen den bereits Anklage erhoben wurde, kommt frei.

Für Kober und Firmenchef Rohrbacher bleiben eine Menge an Fragen an die Justiz. "Wieso wird ein vollkommen unbescholtener Bürger wegen einer Lappalie behandelt wie ein Verbrecher", stellt Kober in den Raum. "Hier wird die Glaubwürdigkeit des Rechtsstaates infrage gestellt."
Rohrbacher geht noch einen Schritt weiter: "Wenn so etwas Schule machen sollte nach einem Verkehrsunfall, könnte man jedem Bürger nur raten, sich nicht als Zeuge zur Verfügung zu stellen oder sich vorher freies Geleit zusichern zu lassen." Firmensprecher Martin Rebhan wirft den Behörden "schlampige Ermittlungen" vor.

"Das ist der Horror", blickt Schober auf die 25 Tage und Nächte im Gefängnis zurück. Eine Stunde Aufschluss und eine Stunde Hofgang pro Tag werden ihm dort gewährt. Den Rest des Tages verbringt er in der Zelle. "Die Emotionen fahren mit mir Karussell", beschreibt Schober am Montag seine psychische Verfassung. "Ich kann nachts nicht schlafen. In meinem Kopf läuft ständig ein Film ab. Es sind aber nur Sequenzen, ohne Zusammenhang."

Drei Tage nach seiner Haftentlassung bedankt sich Schober bei allen, die in den vergangenen Wochen hinter ihm gestanden, vor der JVA für seine Freilassung demonstriert und immer an seine Unschuld geglaubt haben. "Ich selbst habe in der U-Haft nicht so sehr gelitten wie meine Frau und meine Kinder zu Hause", erklärt der 43-Jährige. Für seinen achtjährigen Sohn und seine elfjährige Tochter waren die vergangenen Wochen ein Alptraum. Mit einer Woche Sonderurlaub kann sich ihr Vater erst einmal von den ärgsten Spuren der Haft erholen.

"Unschuldig zu sitzen, ist das Schlimmste, was einem passieren kann", beschreibt Firmensprecher Rebhan den Fall Schober: "Er lehrt, dass so etwas jeden treffen kann. "Schober stand vor der Frage, seine Aussage zu widerrufen und die Unwahrheit zu sagen, damit er wieder in Freiheit kommt", resümiert Betriebsratschef Kober zum Abschluss der Pressekonferenz.

Von Manfred Präcklein, dpa

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