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Der Stolz der Bahn: die Bombardier Traxx P 160 DE ME BR 245. Traxx ist eine Abkürzung aus dem Englischen („Transnational railway applications with extrem flexibility“), P bedeutet Personenzug, 160 steht für 160 km/h Höchstgeschwindigkeit, DE für Diesel-Elektronisch und ME für „Multi-Engine“. BR ist die Baureihe.

Deutsche Bahn rüstet auf

Mit neuem Zug über Holperstrecke nach Mühldorf

München/Mühldorf - Die Deutsche Bahn rüstet auf: Auf der Strecke München-Mühldorf sollen neue Dieselloks des Typs „Traxx“ die Pendlerzüge ziehen. Was noch fehlt, ist eine Modernisierung der Holperstrecke.

Sanft schnurrt die Wunderlok pünktlich um 13.07 am Münchner Hauptbahnhof los. Das Fahrziel ist Mühldorf, 81 Bahnkilometer entfernt. Eine Stunde und zehn Minuten wird die Regionalbahn dafür brauchen. Es ist eine Fahrt ins Grüne – RB 27 043 stoppt an so idyllischen Orten wie Hörlkofen, Walpertskirchen oder Thann-Matzbach. Dort steigen vier Leute aus. Und niemand zu. Links steht ein Fasan auf dem Feld. Große Bauernhöfe, viel Maisanbau. Nur in Wasentegernbach fährt der Zug durch – Lokführer Thomas Huster, 40, grüßt den Schrankenwärter, den es da noch gibt. Man kennt sich. Das Betriebsklima stimmt. „Mia von der Südostbayernbahn“, sagt der Schaffner auf dem Rückweg, „san so schlecht nicht.“

Das stimmt, aber die Geschichte mit dem Schrankenwärter zeigt auch gleich das grundsätzliche Problem, das es mit dieser Strecke gibt: Sie ist technisch veraltet. Eine Rumpelstrecke. 54 der 81 Kilometer sind nicht elektrifiziert, 45 Kilometer sind eingleisig. Es gibt unbeschrankte Bahnübergänge. Und den Schrankenwärter im Schichtdienst. Aber nur, weil sich die in Wasentegernbach seit Jahren nicht einigen können, ob sie lieber eine Unter- oder Überführung hätten, beteuert man bei der Bahn. Wie auch immer: Auf der Strecke fährt gut ein Prozent des gesamten deutschen Güterverkehrs – schwere Tankwagen aus dem Chemie-Dreieck bei Burghausen und Garching an der Alz.

Ausbau-Gedanken gibt es – doch bei der Deutschen Bahn ist man schon froh, dass es endlich ein Budget für die Planungen gibt. Irgendwann soll die Strecke zweigleisig und elektrifiziert sein. Zukunftsvisionen. Für die gesamte Strecke gibt es ein Tempolimit: 140 km/h. Dabei ist die neue Traxx-Lok auf 160 km/h ausgelegt.

Warum also eine neue Lok? Die Deutsche Bahn versteht den Kauf – Stückpreis drei Millionen Euro – als Teil einer Umweltoffensive. In Mühldorf gibt es nun eine neue sparsame Zugwaschanlage und eine Hackschnitzelheizanlage für die Betriebsgebäude. Die „grüne Bahn“, das ist der Hintergedanke. Die Traxx-Lok, nun ja, verkörpert das. Insgesamt will die Südostbayernbahn acht Loks kaufen. Eine ist schon ausgeliefert und fährt seit April zu Testzwecken. Traxx P 160 DE ME hat vier Motoren des Herstellers Caterpillar, die sich je nach Anspruch zu- oder abschalten. Das spart Diesel. Die neue Lok ist trotzdem so leistungsstark, dass sie im Berufsverkehr neun Doppelstock-Wagen mit über 1000 Pendlern alleine ziehen kann – bis jetzt sind da immer zwei Dieselloks der alten Baureihe 218 nötig. „Der größte Spareffekt tritt ein, weil man die zweite Lok einsparen kann“, sagt Lokführer Thomas Huster. Die alten Loks sind über 40 Jahre alt, sie werden jetzt verschrottet. „Mir blutet das Herz“, sagt Huster. Eisenbahner-Nostalgie – die BR 218 ist der Klassiker unter den deutschen Dieselloks. Doch die Zukunft heißt Traxx – auch die DB Regio im Allgäu hat schon einen Kaufvertrag über sieben Wunderloks unterschrieben. Thomas Huster, der Lokführer, nennt sich jetzt offiziell Praxisvermittler, das heißt, er ist Ausbilder und muss nach und nach die 180 Lokführer der Südostbayernbahn auf der Traxx schulen. Heute sitzen gleich drei mit im Führerstand.

Hinter Dorfen muss die Traxx-Lok abbremsen – unbeschrankte Bahnübergänge. Es gilt ein Tempolimit. Der digitale Tacho pendelt sich exakt bei 120 km/h ein. Es kreuzen zumeist nur Feldwege, doch Auflage ist Auflage. Kurz vor Mühldorf dann doch Bauarbeiten. Eine neue Innbrücke ist im Bau.

Pünktlich rollt der Zug nach einer Stunde und zehn Minuten ein. An mehreren Haltestellen hatte der Zug sogar leichte Verfrühung und musste etwas warten, um nicht zu früh einzutreffen. Womöglich muss der Fahrplan künftig umgeschrieben werden. Denn mit der Traxx, das sagen die Lokführer, schafft man München-Mühldorf locker in einer Stunde.

Von Dirk Walter

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