Aus Angst ihn tragen zu müssen: Rekruten misshandelt

Amberg - Sie zogen ihren kranken Kameraden aus dem Bett und misshandelten ihn - aus Angst ihn auf einem Marsch tragen zu müssen. Nun wurden die fünf 19 und 20 Jahre alten Soldaten aus der Oberpfalz verurteilt:

Sie kamen zu fünft in seine Stube, rissen den kranken Rekruten aus dem Bett und zerrten ihn unter die kalte Dusche. Wegen Körperverletzung und Nötigung sind die 19 und 20 Jahre alten Soldaten jetzt vom Amberger Amtsgericht verurteilt worden, bestätigte am Donnerstag Gerichtsdirektor Ludwig Stich einen Bericht der Zeitung „Der neue Tag“.

Während drei der Angeklagten Geldbußen in Höhe von 100 Euro zahlen müssen, erhielt ein 19-Jähriger zwei Wochenendarreste sowie eine Geldbuße von 2600 Euro. Ein Soldat muss zudem 60 Arbeitsstunden leisten. Das Urteil erging bereits am Dienstag.

Unter der Dusche gingen die Misshandlungen in der Schweppermann-Kaserne in Amberg weiter: Die Grundwehrdienstleistenden rieben ihr Opfer mit Rasierschaum und Shampoo ein und zwangen es, sich mit einem schmutzigen Putzlappen abzutrocknen. Anschließend musste er durch einen Spalier grölender Kameraden über den Flur zu seiner Stube robben. Die ganze Tortour des jungen Mannes wurde mit einer Kamera aufgezeichnet und ins Internet gestellt.

„Der Zug erzieht sich selbst“

 Die Angeklagten hatten nach eigenen Angaben befürchtet, den krankgeschriebenen Kameraden auf einem angesetzten Marsch tragen zu müssen. Dies sei bereits auf einem vorherigen Marsch geschehen, bei dem der 18-Jährige nicht mehr konnte. Einige Vorgesetzte sollen daraufhin gesagt haben, „der Zug erzieht sich selbst“. Damit ist im Soldatenjargon gemeint, dass man sich nicht beim Vorgesetzten über einen Kameraden beschwert. Vielmehr soll die Gruppe (Zug) über Sanktionen entscheiden und diese dann auch durchführen.

Die Bundeswehr hatte nach dem Vorfall vom Februar 2011 gegen alle fünf Beteiligte Disziplinarmaßnahmen verhängt. Neben Wochenendarrest und zusätzlichen Diensten mussten sie bereits damals Geldstrafen zwischen 100 und 500 Euro zahlen. Zwei Männer wurden später unehrenhaft entlassen; drei dienen nach wie vor bei der Truppe.

Bereits mehrfach hatte Berichte über entwürdigende Rituale und Misshandlungen bei der Bundeswehr für Aufsehen gesorgt. Eine Rekrut hatte beispielsweise berichtet, dass bei den Gebirgsjägern im oberbayerischen Mittenwald die jungen Soldaten als Mutprobe rohe Schweineleber essen oder bis zum Erbrechen Alkohol trinken mussten. Die Ermittlungen waren Monate später eingestellt worden. Die Verantwortlichen des Hochgebirgszugs beim Gebirgsjägerbataillon 233 wurden jedoch versetzt.

dpa

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