Krankenstand in Bayern steigt

München - Die Bayern lassen sich wieder öfter krankschreiben: Laut DAK-Gesundheitsreport war der Krankenstand 2011 mit 3,1 Prozent so hoch wie seit acht Jahren nicht – und er wird weiter steigen, sagen Experten vorher.

Elf Tage – etwa so lange ließ sich der Durchschnittsbayer im Jahr 2011 krankschreiben. Im Vergleich zum Vorjahr (2010: 3,0 Prozent) ist das zwar nur ein leichter Anstieg um 0,1 Prozent. Doch er markiert eine Entwicklung, die sich in den nächsten Jahren stetig fortsetzen werde, ist sich der Landeschef der DAK Bayern Gottfried Prehofer sicher. Der Grund: Der Anteil der älteren Arbeitnehmer steigt.

Die Zahlen stammen aus dem aktuellen Gesundheitsreport der DAK. Die Krankenkasse hat hierfür die Krankschreibungen von fast 350 000 erwerbstätigen Versicherten auswerten lassen.

Ein Ergebnis: Ältere Arbeitnehmer sind zwar im Durchschnitt seltener krank als ihre jüngeren Kollegen – dann jedoch länger. „Es ist daher völlig normal, dass der Krankenstand gestiegen ist“, sagt Gottfried Prehofer. „Wir sollten uns freuen, dass wir heute älter werden.“ Doch müsse man auch etwas tun, um dem steigenden Krankenstand entgegenzuwirken.

Dabei sieht Prehofer auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Denn wie es um die Gesundheit eines Menschen bestellt ist, darüber entscheidet auch die Situation am Arbeitsplatz. Wer damit unzufrieden ist, ist auch anfälliger für Krankheiten. Dazu gehören psychische Erkrankungen, die mittlerweile für 12,5 Prozent aller Ausfalltage verantwortlich sind (2010: 11,5 Prozent). Unzufriedene Arbeitnehmer sind auch häufiger als andere von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen – und die sind in Deutschland die dritthäufigste Todesursache.

Unzufriedenheit im Job könnte auch mit ein Grund dafür sein, warum das Risiko für einen Herzinfarkt gerade bei ab 55-Jährigen in die Höhe schnellt: Sie erreichen eine Lebensphase, in der viele Bilanz ziehen, was sie im Beruf erreicht haben – und dabei kommt wohl mancher zur Erkenntnis, dass das Gehalt nicht angemessen und die Position zu niedrig ist.

Zwar erhöhen nicht allein solche „psychosozialen Faktoren“, zu denen Experten die Zufriedenheit am Arbeitsplatz zählen, das Risiko für Kreislauf-Erkrankungen. Auch Übergewicht und Diabetes lassen das Risiko steigen – die Zahl der Betroffenen wächst. Doch: „Psychosoziale Faktoren sind ein extrem wichtiger Teilaspekt“, gibt Prof. Matthias Pauschinger, Chefarzt der Kardiologie am Klinikum Nürnberg, zu bedenken. Den habe man vor zehn Jahren unterschätzt.

Prehofer fordert darum, die betriebliche Gesundheitsvorsorge auszubauen – eine Herausforderung, der sich Unternehmen wegen des Fachkräftemangels kaum entziehen können. „Es geht immer darum, qualifizierte Arbeitskräfte zu halten“, sagt Prehofer.

Von Andrea Eppner

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