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Corona-Grenzkontrolle: Krankentransport mit Herzpatient an Grenze aufgehalten - Vorfall schlägt hohe Wellen

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Von: Felicitas Bogner

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Ein Polizeiauto und ein Krankenwagen bei einem Einsatz.
Die bayerische Grenzpolizei hielt einen Krankentransport an der Grenze zu Österreich an, weil die nötigen Papiere fehlten. (Symbolbild) © Alexander Hald/imago images

Ein Krankentransport wurde an der Grenze zwischen Tirol und Bayern von der Polizei gestoppt. Grund waren fehlende Dokumente. Rotes Kreuz reagiert mit Unverständnis.

Reutte/Füssen - Ein Vorfall bei einer Corona-Grenzkontrolle am 9. März hat große Wellen in ganz Österreich geschlagen. Ein Rettungswagen des Österreichischen Roten Kreuzes - mit einem 77-jährigen Herzpatienten an Bord - ist an der Grenze zwischen dem Tiroler Außerfern und Bayern (Füssen) von Beamten der deutschen Grenzpolizei* angehalten worden. Der Patient sollte für eine Untersuchung vom Reutter Krankenhaus in das Füssener Herzklinikum verlegt werden. Für den Krankentransportwagen ging es an der Grenze aber erst einmal nicht mehr weiter.

Corona-Grenzkontrolle: Patient musste für Untersuchung von Österreich in deutsches Herzklinikum

Der Grund für den ungeplanten Stopp war laut Dominic Geißler, Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, vor allem der fehlende negative Corona*-Testnachweis des Fahrers. Der Geschäftsführer des Reutter Roten Kreuzes, Andreas Inwinkl, sagt jedoch, alle Insassen hätten einen negativen Corona-Test* gehabt. „Ich teste ja teilweise meine Mitarbeiter selbst“, meint er. Zusätzlich und in diesem Punkt sind sich Polizei und Rotes Kreuz einig, fehlte eine Bescheinigung, dass Krankenwägen Grenzkontrollen passieren dürfen.

Inwinkl erklärt gegenüber merkur.de: „Wir mussten ein Rettungsauto in die Werkstatt bringen, deshalb kam ein anderes aus Ehrwald zum Einsatz, in dem sich dieser Wisch nicht befand.“  Der Rettungswagen musste also eine halbe Stunde warten, bis das Dokument von einem Kollegen gebracht werden konnte.

In Österreich schlug dieser Vorfall immens hohe Wellen. Auch Politiker verurteilten das Vorgehen der bayerischen Grenzpolizei in diesem Fall öffentlich. Die Medien stürzten sich auf das Thema. Und auch Inwinkl zeigt sich nachhaltig empört. „Selbst wenn diese Bescheinigung gefehlt hat, kann man doch mit gesundem Menschenverstand sehen, dass es sich um einen Krankenwagen von uns gehandelt hat“, sagt er. Das Verhalten der bayerischen Beamten betitelt der Geschäftsführer als „absoluten Wahnsinn“. Auf Nachfrage unserer Redaktion meint er, dass „im Zweifel das Ganze für den Patienten schlimm hätte enden können.“

Rotes Kreuz Geschäftsführer empört über Vorgehen der bayerischen Grenzpolizei

Polizei-Sprecher Geißler verteidigt das Vorgehen seiner Kollegen: „Der Fahrer hat den Beamten vor Ort in keinem Satz geäußert, dass es sich um einen Notfall handle.“ Denn zu diesem Zeitpunkt war auch nie von einem Notfall die Rede. Es handelte sich um eine Verlegung für eine Untersuchung. „Bei einer lebensbedrohlichen Situation, hätte der Krankenwagen natürlich über die Grenze gedurft“, versichert Geißler eindringlich.

Der 77-Jährige wurde zu einer Herzkatheteruntersuchung in ein anderes Klinikum verlegt. Erst im Nachhinein sei dort zum Vorschein gekommen, dass der Patient einen neuen Stent benötige. Da der Mann zum Zeitpunkt des Transportes laut RK-Geschäftsführer in einem „stabilen“ Zustand gewesen war, verzichteten die Sanitäter auf den Einsatz von Blaulicht. „Auch das signalisiert den Polizisten an der Grenze nicht gerade, dass es sich um eine lebensbedrohliche Lage handelt“, betont Geißler. Der Patient habe laut Inwinkl mittlerweile einen Stant und sogar einen Herz-Schrittmacher eingesetzt bekommen.

Polizeisprecher: „Beamte haben sich an geltende Beschlüsse und Regelungen gehalten“

Polizeisprecher Geißler bleibt dabei, dass den Beamten vor Ort durch die Kombination der fehlenden Notfallsignale, keiner Erwähnung eines Notfalls durch die Sanitäter, der fehlenden Bescheinigung sowie des fehlenden Corona-Testnachweises kein Vorwurf zu machen sei. „Ob uns das mit den Grenzkontrollen allgemein gefällt oder nicht, ist das aktuell die Aufgabe der Grenzpolizei in der Pandemiebekämpfung. Auch ein Sanitäter kann das Virus über die Grenze tragen“. Dazu macht er darauf aufmerksam, dass zum Zeitpunkt des Vorfalls Tirol als „Mutationsgebiet“ eingestuft war. „Die Polizisten vor Ort haben sich an die geltenden Beschlüsse und Regelungen gehalten.“ Zusätzlich könne er das Vorgehen der österreichischen Medien nicht verstehen, denn „niemand hat sich bei der zuständigen Polizeistelle vor Berichterstattung zu dem Vorfall gemeldet.“ (feb) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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