Tragischer Fall

Kranker Bayer half anderen - und bekommt selbst nix

München - Horst Glanzer, ein schwer kranker Mann, kämpft für mehr Patientenrechte – und hat schon Gesetzesänderungen bewirkt. Er selbst kann davon nicht profitieren. Auch seine Petition wurde abgelehnt.

Im Verfassungsausschuss des Bayerischen Landtags gibt es kaum jemanden, mit dem Horst Glanzer noch nicht telefoniert hätte. Glanzer, Anfang 50, schwer krank, ruft die Abgeordneten an, schickt Kurznachrichten aufs Handy, lässt nicht locker. Seit Jahren kämpft der Mann aus Ostbayern, der mal als Bundespolizeibeamter arbeitete, für einen besseren Schutz von Justizopfern. Er hat Gesetzesänderungen bewirkt, die Millionen Menschen vor juristischer Willkür schützen können. Ihm selbst nützen sie nichts. Daher wandte er sich jetzt mit einer Petition in eigener Sache an den Landtag. Doch auch die hatte gestern keinen Erfolg. „Der Todesstoß für mich“, nennt es Glanzer.

Glanzers Fall ist tragisch, darin sind sich die Abgeordneten einig. Man müsse ihm helfen, aber juristisch gebe es keinen Weg. Um das zu verstehen, muss man Glanzers Krankengeschichte kennen: 2003 wird dem Privatpatienten eine akute eitrige Entzündung der Nasennebenhöhlen diagnostiziert. Er muss stationär behandelt werden, zumal er als Risikopatient gilt, unter anderem weil er Allergiker ist. Offenbar kommt dafür nur ein Aufenthalt in der Schweiz infrage. Glanzer stellt einen Antrag bei der Krankenversicherung, will sichergehen, nicht auf den Kosten sitzenzubleiben. Erst zwei Monate später bekommt er die Zusage – sein Gesundheitszustand hat sich massiv verschlechtert. Der Eingriff in der Schweiz verläuft zwar gut, doch die verschleppte Erkrankung hat Glanzers Leben verändert: Er muss oft behandelt werden, ist arbeitsunfähig. 2007 verklagt er die Versicherung auf Schmerzensgeld: Sie hätte sich zu lange Zeit gelassen mit der Zusage, deshalb sei aus ihm ein Sozialfall geworden. Glanzer verliert.

Auf seine Intervention hin tritt jedoch 2013 ein Gesetz in Kraft, das festlegt, in dringenden Fällen bei voraussichtlichen Behandlungskosten von mehr als 2000 Euro müsse die Versicherung innerhalb von zwei Wochen eine Zu- bzw. Absage erteilen, sonst zahlt sie.

In seiner Petition wollte Glanzer erreichen, dass seine Klage auf Schmerzensgeld erneut aufgenommen werde. Vergeblich, denn: Das besagte Gesetz gab es damals noch nicht. Zudem ist sein Anliegen verjährt. Und: Der Ausschuss hat keine juristischen Mittel. Dafür haben die Abgeordneten Mitgefühl. Sie fordern Glanzer indirekt auf, eine weitere Petition schriftlich einzureichen – damit er eine Chance auf finanzielle Unterstützung bekommt, zumal er hochverschuldet ist.

Barbara Nazarewska

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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