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Schnelle Hilfe psychischen Krisen bietet die Bayerische Krebsgesellschaft

Zu wenig Geld für psychosoziale Beratung

Krebspatienten brauchen mehr Hilfe

München - Krebskranke brauchen mehr als Chemo und Bestrahlung: Der Bedarf an psychologischer und sozialrechtlicher Beratung wächst. Doch dafür gibt es kaum Geld, klagen Experten. Beratungsstellen geraten an ihre Grenzen.

Ist der erste Schock der Diagnose überwunden, geht es für Krebspatienten Schlag auf Schlag: Für die meisten folgt bald eine Operation. Oft vergeht kaum eine Woche, bis sie wieder aus der Klinik entlassen werden. Eben noch von Ärzten und Psychologen umsorgt, sind sie plötzlich allein mit ihren Fragen: Wie bekomme ich meine Ängste in den Griff? Wer hilft, wenn ich nicht mehr arbeiten kann?

„Die Patienten werden im Stich gelassen“, klagt Prof. Günter Schlimok, Präsident der Bayerischen Krebsgesellschaft (BKG). Diese springt ein, wenn niemand mehr so richtig für die Kranken zuständig ist. Ihre Berater geben nicht nur Orientierung im Dschungel der Angebote. Sie bieten auch schnelle Hilfe bei psychischen Krisen, etwa einem Rückfall. Die langen Wartezeiten auf einen Termin beim niedergelassenen Psychotherapeuten seien für Krebspatienten „oft unzumutbar“, sagt Markus Besseler, Leiter der bayernweit 21 Beratungsstellen der BKG. „Es gibt einen eklatanten Bruch zwischen stationärer Versorgung und ambulantem Bereich.“

Wie enorm der Bedarf ist, zeigen die Beratungen der BKG. Zählte man 2004 noch 10 236, waren es 2013 bereits 21 712. Der rasante Anstieg liegt zum Teil an einer älter werdenden Gesellschaft: Mit dem Alter steigt auch das Krebsrisiko. Zudem trauen sich heute wohl auch mehr Patienten die für sie kostenlose Beratung zu nutzen.

„Doch die muss auch finanziert werden“, sagt Besseler. Die BKG ist dabei weitgehend auf Spenden angewiesen. Gerade einmal 50 Prozent komme von öffentlichen Stellen. Politiker und Kostenträger wie Krankenkassen würden sich aus der Verantwortung stehlen, klagt Dr. Ludwig Lutz, Krebsmediziner und Generalsekretär der BKG. Zwar forderten alle eine menschlichere Medizin. Im Gegensatz zu den immer teuerer werdenden Therapien, die nicht selten mehr als 30 000 Euro kosten, würde menschliche Zuwendung kaum honoriert. Nur sechs Minuten pro Patient und Tag blieben dem Arzt dafür.

Dabei sind sich eigentlich alle einig: Sogar im nationalen Krebsplan des Gesundheitsministeriums ist die psychosoziale Hilfe als wichtiger Teil der Therapie verankert. Denn mehr als andere chronische Krankheiten geht Krebs mit großen Ängsten einher. Die in den Griff zu bekommen, ist nicht nur ein Plus für die Lebensqualität. Neuere Daten deuteten darauf hin, dass dies sogar die Prognose der Patienten verbessere, sagt Schlimok.

ANDREA EPPNER

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