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Ein Schmetterling aus Putzlappen ist das Dankeschön der weiblichen Häftlinge an Michael Kreitmeir.

Kreitmeir ist frei: Gerechtigkeit kurz vor Weihnachten

Eichstätt - Michael Kreitmeir ist frei. Ein Gericht auf Sri Lanka ließ die Anklage gegen den bayerischen Gründer des Kinderdorfs „Little Smile“, dem grundlos Drogenbesitz vorgeworfen worden war, fallen.

„Am Ende dauerte es gerade einmal 30 Sekunden, um einen vier Monate langen Alptraum zu beenden“, erzählt Michael Kreitmeir auf Anfrage. Genau fünf Minuten vor 12 Uhr sei er am Freitag im überfüllten Gerichtssaal von Monaragala auf Sri Lanka, der Insel an der Südspitze des Indischen Subkontinents, zur Anklagebank gerufen geworden. Wie berichtet, wurde ihm vorgeworfen, dass Elitesoldaten bei einer Routinekontrolle im Wagen der Kinderhilfsorganisation „Little Smile“ Drogen entdeckt hätten. Michael Kreitmeir war der Fahrer. Der gebürtige Eichstätter, der seit elf Jahren in Sri Lanka für und mit Kindern in Not lebt, wurde verhaftet und unter menschenunwürdigen Bedingungen eingesperrt.

„Als ich mir vor Gericht einen Weg nach vorne bahnte, reckten die Menschen die Hälse“, berichtet der 54-Jährige. Längst ist Kreitmeir in dem entlegenen Flecken eine lokale Berühmtheit. Sein Fall wird sogar in den kleinen Straßengeschäften diskutiert und immer geht es um die Frage: Kann sich wenigstens ein Weißer gegen die Machenschaften eines Ministers wehren?

„Sie können gehen, es wird keine Anklage erhoben“, war das einzige, was der Richter verlauten ließ. „Ohne Angabe von Gründen, ohne Erklärung, einfach so. Sie können gehen…“. Enttäuscht zeigt sich Kreitmeir darüber, dass kein Wort darüber gefallen ist, ob es sich bei dem angeblichen Fund tatsächlich um Drogen gehandelt hat. „Es fiel auch kein Wort der Entschuldigung für vier schlimme Monate, für Beschuldigungen, Angriffe, Bedrohungen, für Rufmord und Vorverurteilung. Ist das jetzt ein Sieg der Gerechtigkeit?“, fragt sich Kreitmeir. Das erste, was er nach seinem Freispruch unternommen hat, war ein Besuch im Gefängnis von Monaragala. „Dieses Mal ging ich nicht als Gefangener rein, schon eher als guter Bekannter.“

Entgegen ursprünglicher Pläne wird Kreitmeir an Weihnachten nicht zurück nach Deutschland kommen, sondern Heiligabend mit seinen Waisenkindern bei den Gefangenen verbringen, Geschenke verteilen und kleine Aufführungen darbieten. Kreitmeirs Dank richtet sich aber auch an die Presse und die vielen Privatpersonen, die ihm in seiner „alten Heimat“ gezeigt haben, dass er nicht alleine dasteht. „Ohne die gewaltige Solidarität aus Deutschland wären die entscheidenden Leute hier nie auf mich aufmerksam geworden. Ohne diese Unterstützung wäre ich heute nicht frei.“

In Zukunft will Kreitmeir verstärkt versuchen, auf Sri Lanka Menschen für die Sache von „Little Smile“ zu gewinnen. „Damit das kleine Lächeln für Menschen in Not eines Tages auch ohne mich weiterlebt.“ Näheres unter www.littlesmile.pollytour.de.

Von Uli Singer

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