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Zum Verwechseln ähnlich: Das Jakobkreuzkraut ähnelt der Salatpflanze Rucola (Bild).

Kreuzkräuter: Das Gift aus dem Straßengraben

München - Kreuzkräuter wuchern in ganz Bayern. Auch der Bio-Boom spielt dabei eine Rolle. Für Menschen sind die Pflanzen weniger gefährlich, für Pferde und Rinder ist ihr Gift jedoch tödlich.

Ein schockierendes Foto ist auf der Internetseite des „Arbeitskreises Kreuzkraut“ zu sehen: Ein Schimmel liegt verendet neben dem Zaun seiner Koppel. Um das tote Tier herum wuchert Kraut. Drei Pfeile deuten auf die Pflanzen, die dem Pferd wohl zum tödlichen Verhängnis geworden sind. Jakobskreuzkraut heißt sie und wuchert dank federleichter Flugsamen seit einigen Jahren in ganz Bayern.

Die goldgelb blühende Pflanze, deren Blätter stark an Rucola erinnern, fühlt sich wohl auf nicht allzu dicht bewachsenen Wiesen und kaum gepflegten Viehweiden, aber auch im Straßengraben und an Gleisbetten. Besonders betroffen ist das Allgäu, wo sich vor allem das Wasserkreuzkraut auf Feuchtwiesen breit macht. Auch in Oberbayern wuchert das Jakobskreuzkraut.

Für Johannes Hütz, Leiter des Landwirtschaftsamts Miesbach, ist der Krautwuchs erst seit einem Jahr signifikant. „Im ersten Vegetationsjahr ist es kaum erkennbar, wird deshalb nicht bekämpft“, erklärt er. Das Kraut bedeckt auch die Grünstreifen entlang der A 8 (München-Salzburg). Geschädigte Tiere seien in Miesbach aber nicht bekannt. Noch nicht.

Denn besonders für Pferde ist der Verzehr der Pflanze ein Todesurteil. Warum, erklärt Klaus Gehring, Experte für Unkraut bei der Bayerischen Anstalt für Landwirtschaft: „Es kommt zu chronischer Vergiftung durch Alkaloide.“ Direkt auf der Weide fressen nur unerfahrene Jungpferde die Kräuter, ältere Tiere nehmen deren Giftstoffe mit dem Heu auf. So wie die ebenfalls gefährdeten Rinder mit der Silage. Die Folge: Die Venen in der Leber werden geschädigt, der Stoffwechsel bricht zusammen, es gibt keine Chance auf Heilung. Nach einigen Tagen: Exitus.

„Viele Besitzer privater Pferdekoppeln haben nicht allzu viel Ahnung vom Betreiben einer Weide“, kritisiert Gehring die oft schlecht gepflegten Grünflächen, auf denen sich das Kraut ausbreitet. Er ergänzt: „Sie sind aber auch rechtlich nicht befähigt, Pflanzenschutzmittel einzusetzen.“ Die mechanische Bekämpfung sei schwierig.

Deshalb begünstige der zunehmende ökologische Anbau auf extensiv und ohne chemische Stoffe bewirtschafteten Feldern die rasante Ausbreitung des Krautes. Hütz erzählt von einem Biobetrieb aus Irschenberg, der aus dem Kulturlandschaftsprogramm genommen wurde, um das Kraut mit Herbiziden bekämpfen zu können.

Den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel kritisiert auch Prof. Dr. Thomas Zilker: „Es ist naiv zu sagen, alles aus der Natur ist gut“, sagt der Toxikologe des Klinikums Rechts der Isar in München. Er behandelte vor zwei Jahren den bislang einzigen Fall in Deutschland, bei dem ein Mensch an einer Vergiftung durch Jakobskreuzkraut gestorben ist. „Wir haben den Verdacht, dass der Mann sich das Kraut regelmäßig geholt hat“, erinnert er sich. Der 71-Jährige habe bereits in seiner Jugend – in dem Irrglauben es sei gesund – häufig von der Giftpflanze gegessen und diese im Alter wiederentdeckt. Zilker kennt Fälle aus Afrika, wo ganze Dörfer von Kreuzkraut-Vergiftung ausgelöscht wurden, weil die Menschen aus Hungersnot gezwungen waren, es zu essen.

Dass geringe Mengen der Kreuzkraut-Giftstoffe in Honig, Eiern und Milch nachgewiesen worden sind, beunruhigt Zilker jedoch nicht: „Daran können Menschen niemals erkranken.“ Auch, dass Fälle übersehen wurden, schließt er aus. „Die Anzeichen sind nach bestimmten Tests unverwechselbar.“

Das Landesamt für Umwelt und die Landesanstalt für Landwirtschaft wollen die Ausbreitung der Kreuzkräuter begrenzen. Flächenbesitzer aus dem Allgäu sollen Fragebögen ausfüllen, um Aufschluss über die Verbreitung zu geben. Zudem wird versucht, Wasserkreuzkraut-Pflanzen einzeln auszustechen oder die Kräuter „auszudunkeln“ und mit anderen Pflanzen zu überwachsen. In England, Irland oder der Schweiz ist die Bekämpfung bereits per Gesetz geregelt.

David Libossek

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