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Leuchtendgelb und hochgiftig: das Jakobskreuzkraut.

Bayerns Landwirte besorgt

Wie gefährlich ist das Kreuzkraut?

München - Der Feind auf der Weide: Das hochgiftige Kreuzkraut macht Bayerns Landwirten Sorgen. Es ist in bestimmter Dosis für die Tiere tödlich.

Es sieht harmlos aus, blüht leuchtendgelb vor sich hin – und macht Landwirten und Pferdebesitzern große Sorgen: das Kreuzkraut. Eine hundsgemeine und hochgiftige Pflanze, die sich auf Bayerns Wiesen so richtig wohl fühlt. „Das Kreuzkraut ist der große Gewinner des Klimawandels“, sagt Klaus Gehring, Experte für Unkrautkontrolle bei der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Die extremen Witterungsbedingungen haben es den rund 30 in Deutschland heimischen Kreuzkrautarten in den vergangenen Jahren extrem leicht gemacht, sich auszubreiten. Alle Kreuzkräuter enthalten Pyrrolizidin-Alkaloide, die im Magen oder in der Leber von Warmblütern zu Giftstoffen werden und zu irreversiblen Schäden führen. In bestimmter Dosis sind die Kreuzkräuter tödlich.

Und genau deshalb sind sie für viele Almbauern die Hauptverdächtigen für die bisher noch unerklärte Zunahme an vergifteten Kühen auf den oberbayerischen Almen. Die Zahl der ungeklärten Fälle sei gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen, berichtet Michael Hinterstoißer, Geschäftsführer vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern. Es werde noch mindestens zwei Wochen dauern, bis es genauere Erkenntnisse darüber gibt, was die Tiere auf den Almen neben vielen Wespenstichen und Schlangenbissen das Leben gekostet hat. Bis dahin können die Bauern nur vermuten. Hinterstoißer jedenfalls glaubt nicht daran, dass das gefährliche Kraut allein schuld ist an der besorgniserregenden Zunahme der Vergiftungen. „Die erfahrenen Alm-Rinder haben ein Gespür für giftige Pflanzen“, sagt er. „Es sind vielleicht ein paar Jungrinder, die die falschen Kräuter naschen.“ Unkraut-Experte Klaus Gehring gibt ihm recht. „Die Rinder essen erstmal das, was ihnen am besten schmeckt“, sagt er. Wenn allerdings bereits viele Flächen abgeweidet wurden, sind die Tiere längst nicht mehr so wählerisch – und ignorieren das Schmeckt-nicht-Gefühl beim Kreuzkraut.

„Rinder sind robuster als Pferde“, sagt Gehring. „Die Belastung ist bei allen Tieren schleichend – und deshalb letztendlich schwer auf das Kreuzkraut zurückzuführen.“ Das liegt auch daran, dass viele Landwirte die Tierkadaver nicht untersuchen lassen. Die Vergiftungen sind nicht meldepflichtig, das Kraut ist nicht bekämpfungspflichtig – Statistiken über die Todesursache Kreuzkraut gibt es nicht. „Wir wissen lediglich, dass es sich immer weiter verbreitet“, sagt Gehring.

Und das allein reicht schon, um einigen Landwirten schlaflose Nächte zu bereiten, weiß er. Denn der leuchtendgelbe Feind auf den Wiesen ist ohne Herbizide nur durch Ausstechen zu bekämpfen. Einige der Krautarten wehren sich sogar dagegen – und blühen verstärkt nach. „Besonders ökologische Betriebe haben das Gefühl, mit dem Rücken zur Wand zu stehen“, sagt Gehring. Er kennt Öko-Landwirte, die wieder umgestellt haben auf konventionelle Betriebsführung, weil sie keinen anderen Weg sahen, als das heimtückische Kraut chemisch zu bekämpfen. Denn es ist nicht nur für die Almtiere eine harmlos aussehende Bedrohung: „Wenn die Giftstoffe ins konservierte Futter gelangen, verlieren sie ihren Geschmack“, sagt Gehring. „Im Trog können die Rinder nicht mehr selektieren.“

Immerhin müssen sich leidenschaftliche Milchtrinker keine Sorgen machen, sagt der Unkraut-Experte. Die Giftstoffe werden zwar auch über die Milch abgeführt, aber die Dosis sei in den allermeisten Fällen zu gering, um für den Menschen gefährlich zu werden, sagt Gehring. „Die Milch wird beim Verarbeitungsprozess in den Molkereien so stark verdünnt, dass es grundsätzlich unbedenklich ist, sie zu trinken.“  

kwo

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