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Der wegen Beihilfe zum Mord verurteilte ehemalige Wächter des deutschen Vernichtungslagers Sobibor John "Iwan" Demjanjuk, wird im Mai 2011 in München nach der Urteilsverkündung aus dem Gerichtssaal gefahren.

Kriegsverbrecher Demjanjuk tot

Bad Feilnbach - Der als NS-Verbrecher verurteilte John Demjanjuk ist am Samstag in einem Altenheim im oberbayerischen Ferienort Bad Feilnbach bei Rosenheim gestorben.

Wie die Polizeidirektion Oberbayern Süd in Rosenheim und die Staatsanwaltschaft Traunstein gemeinsam mitteilten, wurde Demjanjuk in den frühen Morgenstunden leblos in seinem Zimmer aufgefunden.

Sein Sohn John Demjanjuk Jr. sagte der Nachrichtenagentur AP, sein Vater sei eines natürlichen Todes gestorben. “Mein Vater ist mit Gott eingeschlafen als ein Opfer und Überlebender der sowjetischen und deutschen Brutalität seit seiner Kindheit“, sagte der Sohn. “Er liebte das Leben, die Familie und die Menschheit. Die Geschichte wird zeigen, dass Deutschland ihn als Sündenbock benutzte, um hilflose ukrainische Kriegsgefangene für die Taten von Nazi-Deutschen verantwortlich zu machen.“

Das Landgericht München hatte Demjanjuk im Mai 2011 nach 93 Verhandlungstagen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass er im Jahr 1943 Beihilfe zum Mord an mindestens 28.060 Menschen im Vernichtungslager Sobibór in Polen geleistet hatte.

Kriegsverbrecher-Prozess: Demjanjuk zwangsvorgeführt

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Dennoch war der gebürtige Ukrainer anschließend aus der Haft entlassen worden. Das Gericht ordnete die Freilassung an, weil Demjanjuk sehr alt sei und keine Fluchtgefahr bestehe. Nach langwieriger Suche der Behörden nach einer Unterkunft wurde er in der Pflegeeinrichtung in Bad Feilnbach untergebracht. Dort bewohnte er ein 18 Quadratmeter großes Zimmer mit Blick auf den Wendelstein.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt nun routinemäßig zur Todesursache. Wie die Behörde erklärte, sollen die Ergebnisse am Montag vorliegen.

In dem monatelangen Prozess vor dem Landgericht München hatte Demjanjuk geschwiegen. Die Verhandlungen verfolgte er aus einem Spezialbett heraus. Während des Gerichtsmarathons waren zahlreiche Überlebende des Holocausts und des Vernichtungslagers Sobibór aufgetreten. In äußerst emotionalen Aussagen berichteten sie über die tragischen Schicksale ihrer Familien und die grausamen Taten der Trawniki genannten Wachmänner im Lager.

Das Urteil gegen Demjanjuk wurde nie rechtskräftig. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten Revision eingelegt. Damit hätte sich als nächstes der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe mit dem Fall beschäftigen sollen.

Demjanjuk war im Jahr 2009 aus den USA nach Deutschland abgeschoben worden. Kürzlich hatte ein US-Bundesgericht einen Antrag des verurteilten NS-Verbrechers auf Wiedererlangung der US-Bürgerschaft abgelehnt. Ohne Pass durfte er Deutschland nicht mehr verlassen.

dapd

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