Probleme nur in München

Krippenmangel in Bayern fast behoben

München - Von August an gilt bundesweit der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Wer keinen Platz für sein Kleinkind gefunden hat, kann ihn dann einklagen. Die Lage in Bayern hat sich entspannt.

Mit einer großen Kraftanstrengung haben Bayerns Kommunen den früher chronischen Mangel an Krippenplätzen vorerst weitgehend behoben. Nur in München gibt es derzeit noch größere Probleme, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa unter Kommunalverbänden und großen Städten ergeben hat.

Nürnberg und Augsburg melden derzeit keine fehlenden Plätze. In den kleineren Gemeinden gibt es nach Angaben des Gemeindetags derzeit ebenfalls keine Kritik. Eine Klageflut wegen fehlender Krippenplätze ist nach Einschätzung der kommunalen Fachleute in Bayern daher nicht zu erwarten. Der Bayerische Städtetag aber prophezeit, dass der Bedarf in Zukunft weiter steigen wird.

Bayern war bis 2008 jahrelang Schlusslicht bei der Versorgung mit Krippenplätzen. Seitdem hat die CSU/FDP-Koalition eine Aufholjagd mit Hilfe einer finanziell nicht gedeckelten „Krippenausbaugarantie“ gestartet, die bis Ende 2014 läuft. Jede Kommune kann bis dahin ihren Bedarf anmelden und wird dementsprechend bezuschusst.

Laut Sozialministerium stellen die Kommunen bayernweit rund 100 000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei zur Verfügung - womit für die Hälfte aller Kleinkinder ein Krippenplatz zur Verfügung stehe. Weitere 10 000 Plätze seien bereits bewilligt.

An dieser sehr hohen Quote sind allerdings Zweifel angebracht. Das Statistische Landesamt zählte zum Stichtag 1. März lediglich knapp 72 500 Plätze, woraufhin das Sozialministerium die Zahlen der Behörde anzweifelte.

Der Bedarf aber ist je nach Kommune sehr unterschiedlich. In München gab es nach den Zahlen des Bildungsreferats Ende Juni 16 000 Plätze in Krippen, bei Tagesmüttern und Eltern-Kind-Initiativen. Das entspricht einer Versorgungsquote von 54 Prozent - landesweiter Rekord. Der Haken: Der Bedarf ist wesentlich höher. Bis Ende des Jahres sollten es 19 000 Plätze werden, sagt Sprecherin Ursula Oberhuber. Das wäre dann eine Quote von 66 Prozent.

Doch derzeit suchen noch viele Münchner Eltern händeringend. Derzeit stehen 560 Kinder auf der Warteliste, denen die Stadt bis Ende des Jahres einen Krippenplatz versprochen hat. Ein unbestrittener Grund der Münchner Probleme ist schlicht Personalmangel: Der Arbeitsmarkt für Erzieherinnen ist wegen des rasanten Ausbaus leer gefegt. Und viele potenzielle Bewerberinnen können sich ein Leben im teuren München nicht leisten.

Auch in Nürnberg war die Lage lange schwierig - doch derzeit gibt es laut Sozialreferat keine fehlenden Plätze. Es seien sogar 20 bis 30 Plätze frei. Zum Jahresende soll es in Nürnberg 4660 Plätze für Kinder unter drei Jahren geben, das entspricht einer Versorgungsquote von 35,4 Prozent.

In Augsburg macht Sozialreferent Max Weinkamm einen zufriedenen Eindruck. „Wir haben kein einziges unversorgtes Elternpaar oder eine unversorgte alleinerziehende Mutter“, sagt er. Das Kuriosum: Derzeit gibt es nach Weinkamms Angaben 1850 Krippenplätze für 30 Prozent der Kleinkinder im entsprechenden Alter, der Bedarf war aber vor einigen Jahren auf 42 Prozent geschätzt worden. Doch Quotenberechnungen und tatsächlicher Bedarf seien zweierlei Dinge, sagt der Sozialreferent. Dennoch will Augsburg bis Jahresende auf 2500 Krippenplätze aufstocken.

Regensburg will im September einen Versorgungsgrad von 42 Prozent bei „Krabbelstubenplätzen“ erreichen. Rechnet man Tagesmütter sowie geplante und im Bau befindliche Krippen dazu, soll es eine Quote von 56 Prozent werden. Und in Würzburg sagt Sprecher Georg Wagenbrenner: „Wir liegen jetzt mit Sicherheit schon über 50 Prozent. Der Wert, den wir anstreben, ist 60 Prozent. Wir gehen davon aus, dass das den Bedarf deckt.“

In den kleineren Gemeinden scheint es keine Probleme mehr zu geben: „Es sind eigentlich alle sehr zufrieden“, sagt Wilfried Schober, Sprecher des Bayerischen Gemeindetags. „Es haben alle geschafft, ihre Plätze herzubekommen.“

Nach Einschätzung des Bayerischen Städtetags aber wird der Bedarf weiter steigen - und nicht nur der Bedarf an Krippenplätzen. „Die Kinder, die heute in der Krippe sind, kommen in ein paar Jahren in die Grundschule“, sagt Sprecher Achim Sing. Dann wird dort der Bedarf an Ganztagsbetreuung steigen.

dpa

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