Ein Schwein im Stall.
+
Die Zahl der Schweinehalter in Bayern hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast halbiert.

Branchengipfel der Bundesagrarministerin

Krise im Schweinestall: Debatte um Ausstiegsprämie

  • Dominik Göttler
    VonDominik Göttler
    schließen

Die Preise sind im Keller, das Futter wird immer teurer und ein Ende der Schweinepest ist nicht absehbar. Vor Julia Klöckners Branchengipfel werden Rufe nach einer Ausstiegsprämie für Schweinehalter laut. Doch aus Bayern kommt Widerspruch.

München/Berlin – Wenn es um Bayerns Schweinehalter geht, findet Bauernpräsident Walter Heidl drastische Worte. „Sie verbrennen momentan Geld.“ Der Markt sei in einer „totalen Schieflage“. Die Erzeugerpreise sind niedrig, das Futter für die Tiere teuer und gleichzeitig schraube der Staat die Tierwohl-Anforderungen an die Landwirte immer weiter nach oben. „Die Situation ist dramatisch“, sagt Heidl. Es drohe ein massives Wegbrechen der Schweinehaltung in Deutschland und Bayern.

In den vergangenen zehn Jahren haben nach Angaben des Statistischen Landesamtes allein in Bayern 45 Prozent der schweinehaltenden Betriebe aufgegeben. Auf Bundesebene sieht der Trend ähnlich aus. Die aktuelle Preiskrise wird durch die Exportbeschränkungen befeuert, die seit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland gelten. Außerdem hat der Ruf des Schweinefleisches beim ernährungsbewussten Verbraucher gelitten. Angesichts der brisanten Lage lädt Bundesagrarministerin Julia Klöckner heute zum Branchengespräch. Kurzfristige Lösungen sollen her, um die Absatzkrise zu bewältigen. Aber wie kann das gelingen?

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) schließt mittlerweile neben anderen Maßnahmen eine Ausstiegsprämie für Schweinehalter nicht mehr aus. Denn auch das große Angebot an Schweinefleisch treibt den Preis nach unten. In den Niederlanden war das Interesse an einem wegen Umweltproblemen eingeführten Ausstiegsprogramm riesig. Und auch in Deutschland könnten sich viele Landwirte einen staatlich unterstützten Ausstieg aus der Schweinehaltung vorstellen, wie aus einer Befragung von Forschern der Uni Kiel von (vorwiegend norddeutschen) Schweinehaltern hervorgeht.

Doch nicht alle finden eine Ausstiegsprämie gut. Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter etwa sieht die Gefahr von „Mitnahmeeffekten“. Wenn der Staat zugleich neue Stallbauten an anderer Stelle fördere, dann werde das eine ziemlich unsinnige Maßnahme. „Von kurzfristigen Eingriffen in den Markt dürften nur Betriebe profitieren, die eine dauerhafte Perspektive haben, weil sie bereit sind, auf eine klimaschonende, umweltverträgliche und tiergerechte Produktion umzustellen“, fordert er.

Auch Bayerns Bauernpräsident Heidl ist von der Ausstiegsprämie nicht restlos überzeugt. Er befürchtet, dass vor allem kleinere Betriebe, wie es sie in Bayern noch häufiger als anderswo in Deutschland gibt, die Möglichkeit zum Ausstieg wahrnehmen würden. „Das würde den Strukturwandel beschleunigen.“ Heidl appelliert stattdessen an den Handel. Am Freitag findet auch in Bayern ein Krisengespräch der Bauern mit Politik und Handel statt. „Wir brauchen ein faires Miteinander.“ Es könne nicht sein, dass die Verbraucherpreise immer weiter steigen, während die Erzeugerpreise im Keller bleiben. „Da macht sich der Lebensmitteleinzelhandel die Kassen voll, das ist unseriös.“ Um die Preiskrise zu überbrücken, fordert Heidl ein Moratorium für alle zusätzlichen Anforderungen an die Tierwohlhalter. Langfristig brauche es endlich ein Gesamtkonzept für eine Zukunftsperspektive der Nutztierhaltung. Die Borchert-Kommission habe hier Vorschläge gemacht, wie das zu finanzieren sei.

Auch das bayerische Landwirtschaftsministerium sieht eine Ausstiegsprämie kritisch, wie ein Sprecher auf Nachfrage mitteilt. Für Bayern mache das keinen Sinn, weil der Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch nur bei etwa 96 Prozent liege und lediglich knapp 70 Prozent der benötigten Ferkel in Bayern geboren würden. Stattdessen müsse der Bund einerseits schnell Vereinbarungen mit Ländern wie China treffen, damit der Export wieder möglich wird. Daneben müsste sich die Branche aber auch wieder verstärkt auf die Märkte vor der Haustüre konzentrieren und mit heimischem Qualitätsfleisch von der Standardware abheben.

Auch interessant

Kommentare