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Alexander Huber ist Extrembergsteiger. Genau wie sein Bruder Thomas. Die beiden sind als „Huber Buam“ über Bayern hinaus bekannt.

Extrembergsteiger Andreas Huber hatte Angstzustände

Krisendienst für ganz Oberbayern: Die Nummer gegen Verzweiflung

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München - In Oberbayern entsteht ein Krisendienst mit einheitlicher Notrufnummer. Er wird schrittweise ausgebaut. Seit gestern ist neben der Landeshauptstadt auch der Landkreis München am Netz. Nun geht es den Initiatoren darum, die Nummer bekannt zu machen. Dabei bekommen sie prominente Hilfe.

Extrembergsteiger Alexander Huber weiß, was Angst ist. Auf den höchsten Gipfeln ist sie sein bester Freund. Vielleicht sogar eine Art Lebensversicherung – weil sie ihn zwingt, aufmerksam zu sein. Aber abseits der Berge hat sie ihn vor 16 Jahren kalt erwischt. Damals hatte sich der gebürtige Berchtesgadener gerade entschieden, das Bergsteigen professionell anzugehen. Auf einmal waren die finanziellen Sorgen riesengroß, genau wie der Erfolgsdruck, dann kam noch eine langwierige Verletzung hinzu. „Ich habe mich selbst so unter Druck gesetzt gefühlt, dass ich mich in keiner Situation mehr wohl gefühlt und vor jeder neuen Aufgabe Angst bekommen habe“, erzählt der 47-Jährige. Er zog sich immer mehr zurück, hatte nicht einmal mehr Energie, um auf Berge zu steigen. „Die Krise hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen.“

Seine Bekanntheit will der 47-Jährige nun nutzen, um Menschen zu helfen, die in einer seelischen Krise stecken. Denn auch er litt vor 16 Jahren unter Angstzuständen.

Heute weiß Alexander Huber, dass er damals die einzig richtige Entscheidung getroffen hat: Er hat sich Hilfe geholt, eine Therapie begonnen – und sich mit seiner Angst auseinandergesetzt. Er sagt: „Wenn man einen Berg besteigen will, bringt es nichts, immer nur um den Berg herumzulaufen. Irgendwann muss man ihn angehen. Das Gleiche gilt für Krisen im Leben.“

Einen besseren Werbeslogan als diesen Satz hätte sich Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU) für den Krisendienst Psychiatrie in Oberbayern nicht wünschen können. Deshalb hat er Alexander Huber gebeten, dabei zu helfen, den Krisendienst bekannt zu machen. Es ist ein Projekt, für das Mederer seit Jahren kämpft. Vor allem wegen der Finanzierung gab es Unstimmigkeiten. Momentan stemmt der Bezirk Oberbayern die Kosten von mehr als sieben Millionen Euro allein. „Fair ist das nicht“, sagt Mederer. Aber wichtiger ist ihm, dass der Ausbau des Krisendienstes vorangeht. Denn der Zeitplan ist ehrgeizig.

Bisher gab es die telefonische Hilfe für Menschen in einer seelischen Krise nur in München. Gestern wurde die oberbayernweite Nummer 0180/655 3000 freigegeben. Der Krisendienst soll schrittweise ausgebaut werden. Zunächst im Landkreis München, bis Herbst auch in den Kreisen Ebersberg, Erding, Freising, Dachau, Fürstenfeldbruck und Starnberg. Spätestens 2017 sollen Menschen in ganz Oberbayern unter der Nummer Hilfe bekommen, kündigt Mederer an. Nun gehe es erstmal darum, vorhandene Angebote und Einrichtungen zu vernetzen und die Nummer bekannt zu machen.

Dafür braucht er prominente Fürsprecher wie Alexander Huber. Oder Menschen wie Eva Straub, die Mutter eines schizophrenen Sohnes, die seit 25 Jahren auf etwas wie einen Krisendienst hofft. „Krisen richten sich nicht nach Wochentagen oder Öffnungszeiten von Arztpraxen“, sagt sie. Einmal blieb ihr nichts anderes übrig, als den Rettungsdienst zu rufen, um ihrem Sohn zu helfen. Er wurde zwangseingewiesen. Festgebunden in einem Krankenwagen wurde er mit Blaulicht und Polizei-Eskorte in die Psychiatrie gefahren, erzählt sie. „Ich wollte Hilfe – keine Verhaftung.“ Lange litt sie unter den Schuldgefühlen. Auch sie erzählt diese Geschichte, damit andere Angehörige es leichter haben. „Mit dem Krisendienst“, sagt sie, „hat in Oberbayern eine neue Zeit begonnen.“

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